Veterinärämter aus sieben Kreisen proben im Wald bei Altenrath den Ernstfall

Wenn die Tierseuche ausbricht : Veterinärämter proben im Wald bei Altenrath den Ernstfall

Im Wald von Altenrath haben Veterinärämter den Ernstfall geprobt. Im Fokus stand Bergung von Wildschweinkadavern.

Silvia Berger streift den weißen Overall über. Neben ihr steht die große Aluminiumkiste bereit, in der alles drin ist, was man zur Bergung eines von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) betroffenen Tieres braucht. Säcke, Folien, Handschuhe, Markierbänder und Tapes, Desinfektionsmittel und Messer. Heute ist kein Ernstfall. Ansonsten wäre die Stimmung unter den gut 40 Leuten, die sich am Bundesforstamt Wahner Heide auf einen Einsatz vorbereiten, auch nicht so beschwingt.

Aber Fälle von ASP rücken immer näher, zuletzt sind welche in Belgien bekannt geworden, und das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, bewertet einen Ausbruch in unserer Region als besonders hoch - vor allem, weil viele Transitstrecken Bonn, den Rhein-Sieg-Kreis und den Kreis Ahrweiler durchschneiden. Und Menschen sind die größte Gefahr für die Verbreitung der Tierseuche.

Jedes Jahr wird geübt

Kontaminierte Schuhe, Reifen von Lastwagen und Autos oder ein achtlos weggeworfenes Stück Wurstbrot reichen schon aus, um die Erreger einzuschleppen.Die Veterinärbehörden des Rhein-Sieg-Kreises sowie der Kreise Siegen-Wittgenstein, Rheinisch-Bergischer Kreis, Oberbergischer Kreis, Ennepe-Ruhr-Kreis, Märkischer Kreis, Hochsauerlandkreis und Kreis Olpe haben sich zu einem Tierseuchenverbund organisiert und üben diesen Ernstfall jedes Jahr. Und der wird unter realen Bedingungen durchgeführt. Unter den Beobachtern sind auch Kapitänleutnant Manfred Thomas und Oberstleutnant Thomas Kohrs, denn die Bundeswehr kann bei einer "Großschadenslage" eingesetzt werden.Johannes Westarp, Leiter des Veterinäramtes des Rhein-Sieg-Kreises, skizziert die angenommene Lage: Jäger haben verendete Wildschweine entdeckt und dem Forstamt gemeldet. Florian Zieseniß und seine Kollegen vom Bundesforstbetrieb Wahner Heide, Jens Riekenbrock und Dieter Neumann, haben daraufhin Markierungen mit roten Bändern vorgenommen, um den Tierärzten, die die Wildschweine bergen sollen, den Weg zu weisen. Silvia Berger, beamtete Tierärztin im Kreisveterinäramt in Siegburg, und ihr Kollege Klaus Mann sind heute Teamleiter und führen die Gruppe von Tierärzten aus den sieben Kreisen durch den Wald. Mit dabei die Alukiste und grüne Kunststoffschlitten.

Wenig später findet die Gruppe eine weitere Markierung und legt die mitgebrachten Materialien ab. Berger fordert die Kollegen auf, jetzt die Handschuhe überzustreifen. Doppelt und dreifach stülpen sich die weiß gekleideten Veterinärärzte die Einweghandschuhe über und schwärmen dann aus.Vier Schweine findet diese Gruppe im Wald. Tiere, die das Forstamt übrigens in den letzten Tagen und Wochen von Wildunfällen gesammelt und im Kühlhaus aufbewahrt hat. Als erstes wird der Fundort jedes Tieres per Tierfund-Kataster-App markiert. "Diese App sollte jeder Wanderer und Spaziergänger haben", sagt Karin Ludwig, Abteilungsleiterin im Kreishaus. "Sie kostet nichts und hilft uns, verendete Tiere zu finden."Berger markiert das tote Tier mit einer Nummer und untersucht es kurz.

Große Vorsicht bei der Bergung

Christina Dücker notiert alle Angaben auf einem Begleitschein, der mit dem Kadaver später ans Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) geht. "Müssen wir auch Proben nehmen?", fragt einer. "Das kann man machen", erklärt Berger und zeigt auf eine Stelle am Körper des etwa sieben Monate alten Tieres. "Hier ein Schnitt, und du kannst ein Stück aus der Milz entnehmen." Dann wird das tote Wildschwein mit vereinten Kräften in einen Maissack gehoben und dann zusätzlich in einen grauen Plastiksack verpackt.

Danach sprüht eine Kollegin den Sack mit einem Desinfektionsmittel ein, während eine andere mit Mundschutz und Brille Löschkalk auf die Fundstelle streut. Nachdem alle Tiere verpackt sind, ziehen die Frauen und Männer sie in den mitgebrachten Schlitten vorsichtig bis zum Weg, wo ein spezieller Transportwagen für die Tiere bereitsteht.

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