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Sanierung der B 56 in Siegburg: Verkehr wälzt sich durch Siegburger Wohnstraßen

Sanierung der B 56 in Siegburg : Verkehr wälzt sich durch Siegburger Wohnstraßen

Einen Wecker braucht Daniela Nettekoven im Moment nicht. Das allmorgendliche Wecken übernehmen seit fast zwei Wochen schwere Lastwagen und deutlich mehr Autos als sonst.

Seit die B 56 wegen Sanierungsarbeiten zwischen Zeithstraße und Aulgasse in Richtung Sankt Augustin gesperrt ist, fahren sie an ihrem Schlafzimmerfenster vorbei über die Alte Poststraße.

„Man kommt sich vor wie an einer Hauptverkehrsstraße“, sagt die Mutter dreier Kinder. Um die sorgt sie sich besonders. Denn die Alte Poststraße, eine verkehrsberuhigte 30-er-Zone, ist zugleich Schulweg.

Wie berichtet, hat die Regionalniederlassung Rhein-Berg des Landesbetriebs Straßen NRW vor zwei Wochen damit begonnen, die Fahrbahn der B 56 zwischen den Einmündungen Zeithstraße und Aulgasse zu sanieren. Deswegen ist die Strecke zur Einbahnstraße avanciert, der Verkehr fließt nur noch gen Much. Richtung Sankt Augustin ist die Nordumgehung gesperrt. Eine Umleitung ist eingerichtet, sie soll den Verkehr großräumig über die Kiebachstraße und B 507 durch das Jabachtal und Lohmar leiten. Das scheinen viele Autofahrer allerdings zu ignorieren und stattdessen den Weg durch Siegburg zu wählen.

„Zu den Stoßzeiten geht hier die Welt unter“, weiß Jörg Aschmann zu berichten, der in der Straße „Am Pfahlweiher“ am Stallberg wohnt. Im morgendlichen wie im abendlichen Berufsverkehr reihe sich ab der Umgehungsstraße Auto an Auto die Zeithstraße herunter. „Bis zum Anno-Gymnasium steht man bis zu einer halben Stunde“, sagt er. Hinzu kämen die Baustellen an den Autobahnbrücken der A3 an Zeith- und Wahnbachtalstraße. „Das kann doch so nicht sein“, sagt er. Mehrfach habe er sich beschwert.

Von der Zeithstraße umfahren Lastwagen- wie Autofahrer die Sperrung über Bernhard-, Alte Poststraße und Aulgasse. Die Auswirkungen spüren Daniela Nettekoven und ihre Nachbarn täglich. „Der Verkehr hat sich mindestens verdoppelt“, sagt sie. Die Belastung sei extrem. Hupkonzerte, Abgase, abgefahrene Seitenspiegel fast an der Tagesordnung. Wenn der Stau sich auflöse, führen viele Autos dann viel zu schnell durch die verkehrsberuhigte Straße. „Ich kann nachvollziehen, warum die Autos diesen Weg wählen“, sagt Nettekoven. Sie bemängelt die Planung. „Man hätte sich vorher mehr Gedanken darüber machen müssen, welche Auswirkungen die Sperrung haben könnte.“

Weg durch die Innenstadt war nicht geplant

Gedanken hat der Landesbetrieb Straßen NRW sich im Vorfeld gemacht. „Wir haben die Baustelle in Absprache mit der Stadt Siegburg, dem Rhein-Sieg-Kreis und den umliegenden Kommunen geplant“, sagt Sabine Kieback, Sprecherin des Landesbetriebs. Und in der Folge die Umleitung durch das Jabachtal ausgewiesen. Dass viele statt der Umleitung nun den Weg durch die Siegburger Innenstadt wählen, sei so nicht zu erwarten gewesen. „In Zeiten von Navis kann man das aber leider nicht verhindern“, so Kieback.

Die Erfahrung zeige, der Verkehr suche sich immer seinen Weg. Den Unmut der Anwohner kann sie nachvollziehen. Sie hofft, dass sich die Situation mit den Osterferien ab Montag ein wenig entspannt. Zudem ist sie sich zuversichtlich, dass die geplante Bauzeit eingehalten wird. „Wir arbeiten im Zwei-Schichtbetrieb, um so schnell wie möglich die Einbahnregelung aufheben zu können“, sagt sie. Nach den Osterferien, spätestens Ende April, soll das der Fall sein. Danach laufen die Arbeiten Richtung Menden weiter, dann ohne Sperrung.

Wiederholt vorgebrachte Zweifel an der Notwendigkeit der Sanierung räumt Kieback aus. „Auf der B56 sind täglich mehr als 40000 Autos unterwegs, das hinterlässt Spuren“, sagt sie. Die Fahrbahn habe ausgeprägte Unebenheiten und müsse saniert werden. Sie erhält einen lärmmindernden Gussasphalt. „Wir haben einige Beschwerden erhalten“, sagt Siegburgs Stadtsprecher Jan Gerull auf Nachfrage. In der Folge habe das Ordnungsamt seine Kontrollen an der Alten Poststraße verstärkt. „Damit die Situation durch Falschparker nicht noch zusätzlich verschärft wird“, so Gerull. Viel mehr könne die Verwaltung aber nicht unternehmen. „Wir können nur dafür sorgen, dass geltende Regeln eingehalten werden“, sagt er.

Der Weg über Zeith-, Bernhard- und Alte Poststraße hin zur Aulgasse sei keine offizielle Umleitung. „Wir hoffen, dass die Osterferien ein wenig Entspannung bringen, vor allem für die Anwohner.“