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Corona-Pandemie in Siegburg: Unsicherheit bei Händlern und Gastronomen ist groß

Corona-Pandemie in Siegburg : Unsicherheit bei Händlern und Gastronomen ist groß

In Siegburg dürfen Restaurants ebenfalls nur noch unter Auflagen öffnen. Einzelhändler müssen ihre Geschäfte schließen, kennen aber noch keine Details. Es herrscht viel Ungewissheit in der Stadt, auch mit Blick auf die Zukunft.

Wo am Montag noch Kinder geklettert und gerutscht sind, herrscht am Dienstagmittag Stille. Absperrband ist von Baum zu Baum gespannt. Die Stadt Siegburg hat den Spielplatz am Michaelsberg gesperrt. Bund und Länder haben am Montag weitere Maßnahmen getroffen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Ein paar Meter weiter ist es mit der Ruhe vorbei. Passanten schlendern über den Marktplatz oder haben sich wie Ute Hill mit einem Eis in die Sonne gesetzt. Die Windeckerin arbeitet in der Kreisstadt und macht gerade Mittagspause – alleine. „Ich darf nicht mit meinen Kollegen Pause machen“, sagt Hill, die in einer Beratungsstelle arbeitet. Dass Abstand gehalten werden soll, halte sie für richtig. „Um mich selbst habe ich keine große Angst, eher davor, dass ich das Virus möglicherweise weitergebe“, sagt sie.

Abstand halten ist auch in den Cafés angesagt. Zahlreiche belegte Tische erwecken den Eindruck, dass die Betriebe gut besucht sind. Doch der Schein trügt, dutzende Stühle sind aufeinander gestapelt. „Wir haben mehr als die Hälfte des Inventars nicht herausgestellt“, sagt etwa Giovanni Tommasini vom Restaurant und Café Capablanca. Der Grund: Zwischen den Tischen müssen mindestens zwei Meter Abstand sein, wie aus der Allgemeinverfügung der Stadt Siegburg hervorgeht.

Das Ordnungsamt kontrolliere, ob die Regeln eingehalten werden, kündigt die Stadt an. Zu den weiteren Auflagen zählt, dass Besucher Namen und Kontaktdaten angeben müssen. „Ansonsten dürfen wir nichts verkaufen“, sagt Tommasini. Die Umsätze gingen bereits jetzt deutlich zurück, die Verunsicherung ist groß. „Wie es weitergeht, wissen wir nicht“, sagt er. Er rechne damit, dass sie zeitnah komplett schließen müssten.

„Die einzige Lösung ist, nicht raus zu gehen“

Eine komplette Schließung hält Sandro Giorgi, Inhaber des Eiscafés Teatro, für sinnvoll. Er könne nicht verstehen, wieso Restaurants generell noch geöffnet haben dürften. Kein Verständnis habe er zudem für die Leute, die trotz aller Appelle wenig an ihrem Verhalten ändern. „Die einzige Lösung ist, nicht raus zu gehen“, sagt er. Von sich aus schließen wolle er jedoch nicht. Dann gingen die Leute nur woanders hin, das bringe auch nichts.

Die Frage nach der Zukunft beschäftigt auch die Einzelhändler. „Wie geht es überhaupt weiter?“, fragt Kees Gerlings, Geschäftsführer des Blumenladens City Fleur. „Es ist eine kleine Katastrophe“, sagt er. 50 Prozent Rabatt bekommen Kunden an diesem Tag. Ob und wann er den Laden schließen muss, weiß Gerlings am Dienstag noch nicht. Offiziell gebe es noch keine Informationen dazu. Für die nächsten Tage lägen noch Aufträge vor. Ob er diese ausführen kann, ist unklar.

Stefanie Hiller hat ihr Bekleidungsgeschäft bereits geschlossen. Seit der vergangenen Woche habe sie das Personal reduziert. Dass die Bundesregierung am Montag die Schließung von weiteren Geschäften angekündigt hat, habe sie nach den jüngsten Entwicklungen nicht wirklich überrascht. „Ich hab da letzte Woche schon dran gedacht.“ Trotzdem soll das Geschäft nicht komplett ruhen. „Ich möchte ein Signal setzen, dass es weitergeht“, sagt sie. Mit einem Aushang kündigt sie seit Dienstagmorgen an, wie bisher das Schaufenster jede Woche neu zu dekorieren. Wenn Kunden etwas gefällt, können sie sich per E-Mail oder Telefon an sie wenden. Einzeln werde dann abgesprochen, ob die Kleidungsstücke zurückgelegt oder zugeschickt werden. „Ich will dem Kunden Normalität und ein gutes Gefühl geben“, sagt sie. Sie appelliert zugleich an Kunden, auch alle kleineren Geschäfte „in dieser schwierigen Zeit“ wenn möglich zu unterstützen.

„Ich muss gucken, wie es weitergeht“

Die Unsicherheit ist aber auch bei ihr groß. „Ich muss gucken, wie es weitergeht. Ich weiß nicht, wie lange das dauern wird.“ Die Situation sei trotz Reserven existenzbedrohend, Miete und Kosten für Kollektionen müssten auch ohne Umsätze bezahlt werden. Hiller: „Umso länger es dauert, desto schwieriger wird die Situation.“

Ähnlich sehen das Giovanni Tommasini und sein Kollege Zlatko Miota für das Capablanca. „Wir müssen zusehen, wie wir da rauskommen“, sagt Miota. Tommasini glaubt, dass die nächsten Monate ihre Spuren deutlich in der Gastronomie und im Einzelhandel hinterlassen werden. „Sehr viele Läden werden schließen müssen“, befürchtet er. „Wir hoffen, dass es weitergeht, aber wir können es nicht vorhersagen.“ Die Ungewissheit ist überall groß.

Um 18.55 Uhr kündigte die Stadt Siegburg in ihrem Newsletter schärfere Maßnahmen an. „Nach einer soeben eingegangenen Ergänzung der Verfügung der Landesregierung vom 15. März müssen ab sofort alle Gaststätten und Restaurants um 15 Uhr geschlossen haben. Geöffnet werden darf ab 6 Uhr. Kneipen, Cafés etc. müssen geschlossen bleiben“, so die Stadt. Alle Betreiber werden unterrichtet. Bitte zeigen Sie Respekt gegenüber den Kolleginnen und Kollegen des Ordnungsamtes, die in diesen Stunden mit großem Einsatz einen schwierigen Job erledigen“, so der Appell aus dem Siegburger Rathaus.