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Konzertreihe "Siegburg live": Und mittwochs rockt das Murmeltier

Konzertreihe "Siegburg live" : Und mittwochs rockt das Murmeltier

Jeden Mittwoch, pünktlich um 18 Uhr, das gleiche Bild: Vom Kleinkind bis zum Senior strömen ganze Heerscharen auf den Markt, nehmen ihre gewohnten Plätze ein. Denn Musik im Rahmen der Konzertreihe "Siegburg live" ist angesagt.

Die Rockerkluft ist ebenso zu sehen wie Schlips und Kragen. Man kommt barfuß oder in schicken Pumps. Das Aussehen spielt keine Rolle, der Spaß steht im Vordergrund. Auch am Mittwoch wieder, wenn die Band "Orange Cake Band" ab 18 Uhr spielt.

Deutlich zu erkennen ist bei "Siegburg live" eine Dreiteilung des Publikums. Da sind zunächst diejenigen, die ausschließlich der Musik wegen kommen und immer am gleichen Ort anzutreffen sind. Möglichst nahe an der Bühne, von Anfang an mitten drin, statt nur dabei.

Ihr Aktionsradius beschränkt sich auf einen halben Quadratmeter, auf dem sie je nach gebotenem Song die Luftgitarre auspacken, rhythmisch die Faust in den Himmel strecken, den Background-Chor bilden oder sich der Welt entrückt dem individuellen Ausdruckstanz hingeben.

Kategorie zwei: Meist ältere, aber jung gebliebene Herrschaften machen es sich auf den Bänken der Biergarnituren gemütlich, beobachten bei einem Getränk aufmerksam ihre Umgebung oder halten ein Schwätzchen. Die Aktiven unter diesen stillen Genießern nicken hin und wieder im Takt, den die Bands vorgeben.

Zeit, um sich mit Freunden zu treffen

Für etwa die Hälfte der Zuschauer sind die Acts auf der Bühne "zweitrangig", wie Rosi Kahmann-Weber erzählt, die sich seit Jahren jeden Mittwoch mit Freunden trifft, wenn es ihre Zeit erlaubt. "Wichtig ist doch, im Sommer draußen zu sein, sich mit Freunden zu treffen und Spaß zu haben", so die Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Gaby Stern und Maria Troatz sehen das ebenso. "Wir verabreden uns jede Woche hier genauso wie andere. Ich glaube, die Musik zieht die Leute nur an, wichtiger ist denen, dass sie quatschen können, der Rest steht vorne", so Stern. Trotzdem höre sie natürlich auch zu, wenn ihr ein gespielter Song gut gefalle.

Auf die Frage, ob ihm die Coverbands nicht zu wenig Abwechslung böten, antwortet Norbert Heines, der auch nicht zu den "Harten vor der Bühne" wie er sie nennt, gehört: "Das ist meine Musikrichtung, davon kann ich gar nicht genug bekommen".

Kahmann-Weber stimmt ihm "prinzipiell" zu, fände es aber besser, "wenn auch einmal jungen Nachwuchsbands die Chance gegeben würde, sich vor einem größeren Publikum zu präsentieren." Denn auf Dauer möchte sie nicht immer die gleichen Musiker hören und sehen.

Sechs Bands in neun Wochen

Allein in diesem Jahr nahmen an dem neunwöchigen Spektakel sechs Bands teil, die auch schon in den vergangenen Jahren in Siegburg auftraten. Die Veranstaltung selbst kommt unvermindert positiv bei den Besuchern an. Detlev Pütz erklärt: "Wenn der Eintritt für so viele Konzerte lediglich über den einmaligen Kauf eines Trinkbechers bezahlt werden kann, dann ist das fast geschenkt".

Kritik übt er an der vorverlegten Anfangszeit auf 18 Uhr. Beruflich schaffe er selten, pünktlich zu sein, und erst nach dem halben Konzert zu kommen, habe er "keine Lust mehr". Kahmann-Weber wünscht sich ebenfalls wieder den Beginn um 19 Uhr: "Da ich mich sonst so abhetzen muss", sagt sie. Um das Weiterbestehen von Siegburg live macht sie sich keine Sorgen, denn die Konzerte seien "ein Selbstläufer".

Allerdings hält sie eine größere musikalische Bandbreite für notwendig, "damit sich das Ganze nicht irgendwann totläuft". Ihre Befürchtung teilen auch viele andere Zuhörer, die aber in diesem Jahr noch mehr als zufrieden sind und ganz sicher auch beim letzten Konzert heute Party machen werden.

Zum letzten Konzert bei "Siegburg live" ist am Mittwoch die Coverband "Orange Cake Band" zu Gast. Los geht es um 18 Uhr auf dem Siegburger Markt.