39. Siegburger Literaturwochen: Stadt zieht positive Bilanz nach Literaturwochen

39. Siegburger Literaturwochen : Stadt zieht positive Bilanz nach Literaturwochen

Besinnlicher Abend mit August Zirner zum Ausklang der 39. Literaturwochen im Stadtmuseum. Neue Orte und Formate kommen gut an und sollen auch künftig eine wichtige Rolle spielen.

Es sind Worte, die berühren – und das über Generationen. Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ zählt zu den meistgelesenen Büchern. Dass die 1943 im Exil niedergeschriebenen Worte nichts an ihrer Aktualität verloren haben, verdeutlichte August Zirner am Samstag mit seiner Lesung im ausverkauften Foyer des Siegburger Stadtmuseums. Der Schauspieler ließ die Parabel um den kleinen, wissbegierigen Prinzen fern allen Kitsches wirken, übertrug ihre Aussagen auf die aktuelle Politik und den generellen Umgang miteinander. Die Worte wirkten nach, die musikalischen Einlagen von Kai Struwe am Kontrabass und Zirner an der Querflöte ließen Raum für Reflexion. Ein besinnlicher Abend zum Ausklang der Siegburger Literaturwochen.

Die stehen auf der Schwelle zu etwas Neuem. Wie berichtet, forciert die Stadt einen Wandel der beliebten Lesereihe und reagiert damit auf eine veränderte Interessenlage. Dazu hat sie in den zurückliegenden Tagen bewusst neue Orte und neue Formate getestet und überdies die Meinung des Publikums abgefragt. Bibliotheksleiterin Christiane Bonse, die mit ihrem Team für das Programm verantwortlich zeichnet, ist zufrieden mit der 39. Auflage des Lesereigens, der längst mehr ist als reines Vorlesen. „Die klassische Autorenlesung ist nicht mehr zeitgemäß“, zieht Bonse ein erstes Fazit. Die schon seit Längerem gewonnene Erkenntnis habe sich noch einmal bestätigt.

„Wir haben viele bekannte Gesichter im Publikum entdeckt, aber auch viele neue, die teils auch von außerhalb nach Siegburg gekommen sind“, sagt Bonse. Besonders großen Zulauf hätten Abende mit aktuellen Themen, frisch erschienen Romanen und mit Akteuren, die sich repräsentieren können, gehabt. Die Idee, neue Orte und neue Formate auszutesten, sei aufgegangen. So habe etwa die Lesung von Jess Jochimsen in der Trauerhalle des Nordfriedhofs begeistert. „Da wollen wir weiter machen“, sagt Bonse. Ein Ziel auf dem Weg zum Wandel ist daher, besondere Orte, die zum Inhalt der Abende passen, zu wählen.

Die Bewertungen des Publikums fielen überwiegend positiv aus, so Bonse. In den meisten Fällen seien die Daumen hochgegangen, nur bei einzelnen Lesungen habe es eine „mäßige“ Bewertung gegeben. Einmal war es zu warm, dann wieder dauerte ein Abend zu lang oder, im Fall der Lesung von Kate Morton, es wurde zu viel Englisch gesprochen, berichtet die Bibliotheksleiterin. An der Idee, fremdsprachige Autoren in die Kreisstadt zu holen, möchte sie dennoch festhalten. Auch der Abend mit Literaturkritiker Dennis Scheck sei sehr gut angekommen.

Neu überdenken möchte Christiane Bonse die Lesungen, die sie den Siegburger Schulen bietet. „Es wird keine große Veranstaltungen mehr im Stadtmuseum geben“, sagt sie. Zu unruhig sei dort eine der Lesungen von Anne Freytag gewesen. Künftig solle es kleinere Rahmen für maximal zwei Klassen geben. „Da ist der Kontakt zwischen Jugendlichen und Autoren viel direkter“, so Bonse. Das habe etwa die Lyriklesung in der Musikwerkstatt gezeigt. Grundsätzlich soll es aber weiter eine Zusammenarbeit mit Schulen geben: „Es ist mir wichtig, Lesen auch für junge Leute salonfähig zu machen.“ Wie sich der Wandel der Literaturwochen genau gestaltet, ist noch immer ungewiss. Zwei Termine für die 40. Auflage stehen aber schon, mit Liedermacher Dominik Planger und Youtuber Kayef.

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