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Energiesparen im Denkmal: Stadt Siegburg wertet Studienhaus energetisch auf

Energiesparen im Denkmal : Stadt Siegburg wertet Studienhaus energetisch auf

Am und im VHS-Studienhaus, in dem neben der städtischen Musikschule auch die Volkshochschule und die Studiobühne untergebracht sind, wird kräftig gearbeitet. Die Stadt Siegburg lässt das seit 1992 denkmalgeschützte Gebäude unter energetischen Aspekten sanieren.

Holz prangt unübersehbar dort, wo bis vor Kurzem noch große Buchstaben auf Bauhaus-Fenstern vom Spielort der Siegburger Studiobühne kündeten. Die imposante Backsteinfassade des älteren Gebäudeteils ist bereits seit Wochen eingerüstet und hinter dichten Netzen verborgen. Allesamt unverkennbare Zeichen dafür, dass am VHS-Studienhaus, in dem neben der städtischen Musikschule auch die Volkshochschule (VHS) und die Studiobühne untergebracht sind, kräftig gearbeitet wird. Wie berichtet, lässt die Stadt das seit 1992 denkmalgeschützte Gebäude unter energetischen Aspekten sanieren.

Im Keller ist es mollig warm, deutlich zu warm für einen Baustellenrundgang in dicker Jacke, wie Bauingenieur Kiriakos Lemonakis feststellt. Die großen Rohre unterhalb der Decke, die die Wärme im gesamten Gebäude verteilen, seien überdimensioniert, erklärt er. „Das allein zeigt, wie nötig eine energetische Sanierung ist“, sagt Anja Herkenhöhner vom Amt für Baubetrieb und Immobilienmanagement. Der Dachstuhl und die oberste Geschossdecke im 1888 als königliches Lehrerseminar erbauten Backsteinbau seien bereits gedämmt worden. Neue rote Dachziegeln haben ihre dunklen Vorgänger ersetzt. Aktuell arbeiten die Dachdecker an den Regenrinnen.

Im Hof bearbeitet ein Steinmetz einen Stein aus dem Kranz- und Gürtelgesims unterhalb des Dachs. Vor allem an der Westseite hat die Witterung den alten Tuff- und Sandsteinelementen im Gesims und an den Fensterstürzen zugesetzt. „Aus Sicherheitsgründen restaurieren wir Steine oder ersetzen sie durch neue“, erklärt Lemonakis von KKW-Architekten aus Lüdenscheid. Während Handwerker unterschiedlicher Gewerke rund um den historischen Bau arbeiten, läuft der Betrieb im Inneren ungehindert weiter. „Lärmintensive Arbeiten legen wir in die Ferien“, erklärt der Bauleiter. In den Herbstferien baute etwa eine Spezialfirma die noch original erhaltene Fensteranlage der Studiobühne aus. „Wir haben jemanden gefunden, der versteht, welchen Wert er da in seinen Händen hat“, sagt Lemonakis.

2,5 Millionen Euro für die energetische Sanierung

Denn, auch wenn der kubische Anbau auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, unter dem Aspekt des Denkmalschutzes ist er der weitaus wertvollere Trakt. „Er ist 1933 im Bauhaus-Stil errichtet worden und das einzige in der Qualität erhaltene Bauwerk dieser Zeit in Siegburg“, erklärt Anja Göbel von der Unteren Denkmalbehörde. Es sei sehr viel von der Originalsubstanz erhalten und die gelte es zu bewahren. Daher werden die aufwendig ausgebauten Stahlfenster aus der Bauhaus-Ära nun in einer Spezialwerkstatt restauriert und höherwertig verglast. In den Osterferien sollen sie wieder eingebaut werden.

„So verfahren wir mit allen Fenstern in diesem Gebäudeteil“, sagt Lemonakis. Im angrenzenden Backsteinbau, in dem nach dem heutigen Anno-Gymnasium kurzzeitig auch die Realschule untergebracht war, seien die Fenster hingegen bis auf die im Treppenhaus nicht mehr im Originalzustand gewesen und daher bereits durch neue ersetzt worden. „Bei der Untersuchung der noch originalen Treppenhausfenster haben wir entdeckt, dass die Holzrahmen ursprünglich nicht weiß, sondern dunkelbraun waren“, berichtet der Bauingenieur. Entsprechend würden nun die sechs Originalfenster restauriert und mit Spezialglas aufgewertet. Den dunklen Ton tragen auch die neuen Fensterrahmen – und verändern deutlich die Fassade des Baus.

Rund 2,5 Millionen Euro sind für die energetische Sanierung und weitere Arbeiten an Dach, Gesims oder Außenputz eingeplant, sagt Anja Herkenhöhner. Davon könnten 1,5 Millionen Euro über Fördermittel abgedeckt werden. In der Summe enthalten ist auch der Einbau eines Aufzugs. Er soll zwischen beiden Gebäudeteilen liegen, die unterschiedlichen Geschosshöhen von Alt- und Anbau überwinden und damit das Studienhaus barrierefrei machen.

Zurück im Keller fallen vereinzelt alte Bunkertüren rechts und links des Flurs auf. Die meisten stehen offen und lassen den Blick frei auf Brandschutztüren. Über ihren Ursprung vermag Anja Göbel nichts zu sagen, wohl aber, dass sie unter Denkmalschutz stehen. Hinter einer der Türen liegen die Versorgungsleitungen, die derzeit die Wärme vom Blockheizkraftwerk des benachbarten Helios Klinikums in das Studienhaus bringen. Mit einer neuen, eigenen Pelletheizung will sich die Stadt nun autark machen. Dann lasse sich die Wärme im Gebäude besser regulieren, sagt Herkenhöhner. Was bleibt, sind die massiven originalen Heizkörper im Bauhaus-Anbau: „Die sind ein Industriedenkmal, gebaut von einer Siegburger Firma.“