62 historische Fenster: Stadt Siegburg saniert das VHS-Studienhaus

62 historische Fenster : Stadt Siegburg saniert das VHS-Studienhaus

Die Bauhaus-Fenster kehren zurück nach Siegbug. Die historischen Elemente wurden in den vergangenen Monaten in Paderborn aufwendig restauriert. Die Studiobühne legt bis Mai eine Spielpause ein.

Licht fällt in den sonst immer verdunkelten Raum, der Blick hinaus auf die gegenüberliegenden Fassaden an der Humperdinckstraße ist frei. Und die Blicke der Vorbeigehenden richten sich unweigerlich auf Ludger Ploß und seinen Kollegen. Die beiden Mitarbeiter von Mühlenhof Restaurierungen sind seit Donnerstag an der Siegburger Studiobühne im Einsatz. Sie bauen ein, was sie im vergangenen Herbst ausgebaut haben: die großen, historischen Bauhaus-Fenster, die in den vergangenen Monaten in Paderborn aufwendig restauriert wurden. Damit schreitet die energetische Sanierung des Studienhauses der Volkshochschule (VHS) Rhein-Sieg sichtbar voran.

Einzelne Requisiten rufen zwischen Werkzeug und Fensterscheiben in Erinnerung, dass im 1933 im Bauhaus-Stil errichteten Anbau des Studienhauses sonst Theater gespielt wird. Angesichts der Arbeiten hat die Studiobühne aber eine Spielpause eingelegt. Momentan weichen die Ensembles der Institution, die Schauspielschule, Studiobühne und das Jugendtheater „Tollhaus“ vereint, auf andere Räume aus.

Mit der Wiedereröffnung Anfang Mai sind dann die Tage, an denen die Studiobühne regelmäßig zur Sauna avancierte, gezählt. Denn im Zuge der energetischen Sanierung erhält das Theater auch die lang ersehnte Lüftungs- und Klimaanlage.

Schlechtes Raumklima lange bekannt

Wiederholt hatte René Böttcher, der die 1998 gegründete Studiobühne zusammen mit Maike Mielewski leitet, auf das schlechte Raumklima hingewiesen. Die Bühne werde oft und von ganz unterschiedlichen Nutzern bespielt, die Raumhöhe sei niedrig und der Bühnenraum gering, zählt er auf, warum die gemütliche Atmosphäre im Theater immer wieder gekippt sei. „Nicht selten wurden wir auf diesen störenden Makel hingewiesen. Häufig scheuten vor allem ältere Mitbürger einen wiederholten Besuch“, so Böttcher. 2012 hatten er und seine Mitstreiter deswegen begonnen, Spenden für eine Belüftungsanlage zu sammeln. Bürgermeister Franz Huhn sagte den Theaterleuten damals Hilfe zu.

Die kommt nun sieben Jahre später mit der seit dem vergangenen Jahr laufenden energetischen Sanierung des denkmalgeschützten, 1888 als königliches Lehrerseminar erbauten Studienhauses, in dem neben dem Theater auch die Musikschule und die Volkshochschule untergebracht sind. Wie berichtet, sind für die Sanierung sowie Arbeiten an Dach, Gesims und Außenputz rund 2,5 Millionen Euro eingeplant.

Davon können laut Stadt 1,5 Millionen Euro über Fördermittel abgedeckt werden. In der Summe enthalten ist auch der Einbau eines Aufzuges. Der soll zwischen den Gebäudeteilen liegen, die unterschiedlichen Geschosshöhen von Backstein- und Bauhausbau überwinden und das Studienhaus barrierefrei machen. Der Aufzugbau soll die Arbeiten zum Jahresende abschließen. Der monatelang gesperrte Haupteingang ist nun wieder geöffnet.

Schwieriger Ausbau, schwieriger Einbau

Vorsichtig reicht Ludger Ploß seinem Kollegen eine Fensterscheibe durch den wieder montierten Rahmen aus der Bauhauszeit nach Außen. „Der Ausbau war schwierig und sehr aufwendig“, sagt der gelernte Zimmermann. Auch beim Einbau hätten die Metallrahmen einzeln nacheinander über Schienen eingesetzt, verklebt und verschraubt werden müssen.

Ähnlich sieht es bei den Scheiben aus. Bis zum Ende der Osterferien sollen die 62 Fenster an ihrer Stelle sitzen. Auch in der benachbarten Küche beginnt sehr bald der Wiedereinbau. Dafür gehen die ebenfalls im Original-Bauhaus-Stil erhaltenen Fenster aus dem Windfang am Studiobühneneingang auf Reisen. „Sie werden restauriert und vermutlich in den Sommerferien wieder eingebaut“, sagt Anja Göbel von der Unteren Denkmalbehörde.

Die Ensembles der Studiobühne proben derweil in Musikschule, den Siegburger Gymnasien, der VHS-Turnhalle und in der Mensa der Gesamtschule am Neuenhof – und damit an einem Ort, der das neue Zuhause der Studiobühne werden könnte. Wie berichtet, soll das Theater mit der Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums dort einen neuen Sitz erhalten. René Böttcher und seine Kollegen freuen sich vorerst auf ihre Wiedereröffnung im Mai mit vielen Terminen – und mit frischer Luft.

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