Siegburger Rosenmontagszug: Spülmittel statt Kamelle - Schuldige gesucht

Siegburger Rosenmontagszug : Spülmittel statt Kamelle - Schuldige gesucht

Beim Siegburger Rosenmontagszug sind nicht nur Kamelle, sondern auch Spülmaschinen-Tabs geflogen. Das teilten besorgte Eltern, die ein Tab der Marke "Alio" nach dem Zoch in den Kamellebeuteln ihrer Kinder gefunden hatten, dem Siegburger Karnevalskomitee mit.

Zugleiter Uwe Schulz warnte daraufhin in einer Mitteilung alle Eltern, die Kamelle zu kontrollieren, und bat sie, sich gegebenenfalls beim Komitee zu melden. "Ich bin entsetzt", sagte Schulz dem General-Anzeiger.

"Das ist eine bodenlose Frechheit." Die Spülmaschinen-Tabs sähen auf den ersten Blick aus wie Brausebrocken: "Da wir nicht davon ausgehen können, dass jeder kontrolliert, was seine Kinder gefangen haben, besteht die Gefahr, dass sich ein Kind so etwas in den Mund steckt."

Das sei seiner Kenntnis nach bisher zum Glück nicht passiert, sagte Schulz weiter. Ihm hatte beim traditionellen Fischessen am Mittwochabend eine Bekannte den Spülmaschinen-Tab übergeben, den eine Bekannte bei ihrem Kind gefunden habe. Dass noch weitere Tabs verteilt wurden, wie einige Siegburger auf Facebook mitteilten, konnte Schulz am Donnerstagnachmittag nicht bestätigen.

Er sucht jetzt Hinweise darauf, woher das ungewöhnliche Wurfmaterial kam. "Wir hoffen, dass Leute sich melden und Bescheid sagen, wo sie standen, als sie die Tabs bekommen haben", sagt Schulz. So will das Komitee herausfinden, welche Gruppe oder welcher Verein die Spülmaschinen-Tabs in Siegburg geworfen oder verteilt hat.

Wird der Schuldige gefunden, will das Komitee Anzeige erstatten - denn was auf dem Rosenmontagszug in Siegburg geworfen werden darf und was nicht, das ist eindeutig in entsprechenden Richtlinien festgehalten: Mit dem Vermerk "Unbedingt lesen!!!" weist das Komitee in seinen Unterlagen für die Teilnehmer des Rosenmontagszugs darauf hin, dass "Bonbons, Popcorn, Lakritz, Blumen und andere weiche Gegenstände" erlaubt sind.

Pralinen und Schokolade dürfen nicht geworfen, sondern "nur von Hand zu Hand" gegeben werden. Ganz explizit heißt es dann: "Das Werfen von Apfelsinen, Flaschen, Dosen, Feuerwerkskörpern, Reinigungstabletten für Spülmaschinen und Ähnlichem ist verboten."

Aus gutem Grund, denn Spülmaschinen-Tabs können bei Verzehr großen Schaden anrichten: "Das kann richtig gefährlich werden", sagt der Siegburger Kinderarzt Dr. Wolfgang Wahl und erklärt: "Diese Tabs enthalten hochätzende Substanzen. Wenn die in die Speiseröhre gelangen, kann das zu bleibenden Verengungen führen." Eltern, deren Kinder ein Spülmaschinentab in den Mund genommen oder sogar hinuntergeschluckt haben, sollten sofort mit ihnen zum Arzt gehen.

In Siegburg sei "so etwas bisher noch nie vorgekommen", sagte Günter Krengel, Präsident des Karnevalskomitees, auf Nachfrage. "Es ist mir schleierhaft, wie man so etwas machen kann", sagte Krengel. Auch der Komiteepräsident hofft, dass die Schuldigen gefunden werden, sagt aber: "Rauszukriegen, wer das war, wird sehr schwierig."