Tourismus in der Naturregion Sieg: So viele Besucher wie noch nie

Tourismus in der Naturregion Sieg : So viele Besucher wie noch nie

Die Region ist beliebt: 2015 ist die Zahl der Übernachtungen in den Siegtalgemeinden Eitorf, Hennef, Siegburg und Windeck um fast fünf Prozent gestiegen. Ein Besuch am Siegwasserfall.

Schladern – das mag für den ein oder anderen aus den städtischeren Gebieten des Rhein-Sieg-Kreises nach Hinterland klingen. Tatsächlich aber ist es weniger als eine halbe Stunde mit dem Regional-Expess ab Siegburg zu dem Windecker Ortsteil, einem Tourismus-Magneten. Vorbei an grünen Wiesen und viel Wald erreicht man hinter Hennef und Eitorf erst Herchen und schließlich den Wanderbahnhof Schladern. Von dort aus sind es vielleicht 300 Meter bis zur Sieg. Neben dem Sieg-Radweg und dem Natursteig Sieg ist dort vor allem der Siegwasserfall Anziehungspunkt. Von einer Aussichtsplattform aus können Besucher auf den größten Wasserfall in Nordrhein-Westfalen blicken.

Julia Göttfert aus der Nähe von Nürnberg ist zu Besuch bei einer Bekannten in Windeck: „Ich empfinde das hier wie Urlaub – sehr idyllisch“, sagt sie. „Ich wäre aber nie alleine darauf gekommen, hierher zu fahren. Es wirkt schon wie ein Insider-Tipp.“ Und tatsächlich: Trotz frühlingshafter Temperaturen an diesem Samstag in den Osterferien sieht man nur vereinzelte Wanderer, Spaziergänger mit Hunden und Motorradfahrer, die am Café und Biergarten Elmores auf dem Gelände der früheren Metallwarenfabrik einen Halt machen.

Jessica Oestereich aus Leuscheid genießt mit ihrem Freund die Ruhe. „Im Sommer sind schon deutlich mehr Leute hier. Wir kommen gerne zum picknicken und schwimmen hierher“, erzählt die Abiturientin. Gerade das Elmores ziehe aber auch Leute von weiter her an, etwa aus Waldbröl.

Positive Entwicklung dank Erlebniswegen und Vermarktung

Das Windecker Ländchen, zu dem Schladern zählt, kann so wie die Naturregion Sieg insgesamt auf eine positive touristische Entwicklung blicken: „Im Vergleich zur ganzen Region konnten wir die Besucherzahlen im vergangenen Jahr noch deutlicher über zehn Prozent steigern“, sagt Thomas Maffei, Geschäftsführer des Vereins Tourismus Windecker Ländchen, der sich in Zusammenarbeit mit der Gemeinde um den Tourismus kümmert. Die positive Entwicklung hänge vor allem an dem Natursteig Sieg, den Erlebniswegen und einer verbesserten gemeinsamen Vermarktung innerhalb der Gemeinden.

„Die Gäste kommen inzwischen auch nicht mehr nur aus dem Kölner Raum und dem Ruhrgebiet, sondern auch aus Berlin und den Benelux-Staaten“, sagt Maffei. Geografiestudenten der Uni Bonn hatten im Herbst eine Umfrage unter Touristen und Übernachtungsbetrieben im Windecker Land durchgeführt. „Die Gäste waren grundsätzlich zufrieden und haben uns im Schnitt die Schulnote zwei gegeben.“ Probleme sahen die Befragten bei der Gastronomie. „Wir brauchen ein größeres und besseres Angebot. Herchen und Dattelfeld sind Hauptorte, die unterversorgt sind“, sagt Maffei. Zudem bemängelten sie fehlende Angebote für Kinder, wie Spielplätze und Kletteranlagen.

Im Zuge eines Dorfentwicklungskonzeptes will Windeck mit Waldbröl die Naturregion und das Bergische Land besser vernetzen. Seit Januar gibt es etwa einen Bummelzug vom Panarbora Naturerlebnispark bei Waldbröl nach Windeck. Der Bahnhof Schladern soll zudem in einem Pilotprojekt zur Mobilstation werden, an der verschiedene Fortbewegungsmöglichkeiten, wie Zug, Fahrrad und Auto, vernetzt werden.

Auch in der Nachbargemeinde Eitorf freut man sich über eine positive Entwicklung. „Der Natursteig Sieg ist ein absolutes Erfolgsmodell“, sagt Barbara Kisteneich, Geschäftsführerin beim Touristik-Service Eitorf. Zusammen mit zwei Erlebniswegen speziell für Kinder seien das die Stellen, die besonders von Familien besucht würden. Auch rund um das Schloss und die Orangerie in Merten seien seit zwei bis drei Jahren spürbar mehr Besucher unterwegs. Die Unterkünfte, die als Qualitätsgastgeber Sieg zertifiziert wurden, seien bei Rucksack-Touristen sehr beliebt.

Trotz alledem hat auch Eitorf mit Problemen zu kämpfen: „Unser großes Manko: Wir haben in Eitorf Zentrum kein Hotel. Das nächste ist über einen Kilometer entfernt“, sagt Kisteneich. Bislang sei die Suche nach einem Investor und Betreiber in der Innenstadt vergeblich gewesen. Außerdem gebe es entlang der Wanderstrecken wenig Einkehrmöglichkeiten.