Zwischen Kampfgeist und Selbstkritik: So reagieren die Rhein-Sieg-Kandidaten auf die Wahl

Zwischen Kampfgeist und Selbstkritik : So reagieren die Rhein-Sieg-Kandidaten auf die Wahl

Fünf Abgeordnete vertreten den Rhein-Sieg-Kreis im neuen Bundestag. Am Tag nach der Wahl sortieren sich Kandidaten und Parteien. Mit dem Gedanken an Jamaika müssen sich vor allem FDP und Grüne erst noch anfreunden.

Der Rhein-Sieg-Kreis wird auch in der neuen Wahlperiode von fünf Abgeordneten vertreten. Jedoch haben sich die Akzente verschoben. Die FDP ist jetzt drin, die SPD hat nur noch einen statt zwei Abgeordnete. Und selbst das kristallisierte sich erst im Laufe der Wahlnacht heraus: Sebastian Hartmann (SPD) zog über die Liste ins Parlament ein, ebenso wie Alexander Neu (Linke). Schon früher stand fest, dass Nicole Westig (FDP) über die Liste ihr Ticket nach Berlin gelöst hatte. Direkt gewählt wurden Elisabeth Winkelmeier-Becker und Norbert Röttgen (beide CDU), trotz Stimmenverlusten.

Die Nacht war kurz, und die Erkältung hatte ihn voll erwischt. Als Sebastian Hartmann Montag früh aufstand, schaute er erst einmal auf die Zahlen – um festzustellen, dass sein 15. Platz auf der Landesliste tatsächlich für den erneuten Einzug in den Bundestag reicht. Seine eigenen Verluste hielten sich in Grenzen. Er verbuchte 49.988 Erststimmen, 283 weniger als 2013. Mit 27,6 Prozent der Stimmen lag er deutlich über dem katastrophalen Bundesergebnis. „Dieses Erststimmenergebnis sehe ich als große Bestätigung meiner Arbeit“, so Hartmann, der auch SPD-Kreisvorsitzender ist und am Montag mit der Basis das Ergebnis analysierte. Für ihn ist klar: Die SPD müsse nun im Bundestag die Opposition führen. Parteikollegin Bettina Bähr-Losse gelang der Wiedereinzug nicht mehr; sie war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kämpferisch zeigte sich am Montag Alexander Neu, der am Wahlabend im Kreishaus etwas zerknirscht gewesen war. Er hatte sich ein besseres Ergebnis für die Linken erhofft. „Die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag werden nun von rechten und neoliberalen Parteien gehalten. Wir werden dagegen halten“, erklärte er und versprach Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und menschliches Miteinander. Nicht gereicht hat es für den Sankt Augustiner Grünen Martin Metz. Er zog via Facebook eine positive Bilanz: „Im Rhein-Sieg-Kreis insgesamt haben wir als Grüne prozentual leicht verloren, an absoluten Stimmen jedoch dazugewonnen.“ Für seine Partei beginne jetzt eine „schwierige Debatte“. Am Freitag werde sich der Kreisverband treffen, „um über das Wahlergebnis und die Konsequenzen basisdemokratisch zu beraten“. Persönlich sehe er eine Jamaika-Koalition mit Union und FDP „hochproblematisch“. Er erkenne in diesem Bündnis keine Visionen.

Auch bei der FDP gibt es Vorbehalte: Dort hatte Direktkandidat Ralph Lorenz einen Anti-Grünen-Wahlkampf geführt und 10,4 Prozent der Erststimmen gewonnen. „Wir sollten das Thema Jamaika rein rational betrachten und es von Inhalten abhängig machen“, sagte FDP-Kreisvorsitzender Jürgen Peter. Es bringe nichts, jetzt alte ideologische Feindschaften zu pflegen. Ingo Steiner, Fraktionschef der Grünen im Kreistag, sah es am Wahlabend pragmatisch: „Ich habe in 17 Jahren gute Erfahrungen mit der CDU im Kreistag gemacht“, sagte er. Und auch in der FDP kenne er Politiker, mit denen man zusammenarbeiten könne. Die CDU-Abgeordneten Winkelmeier-Becker und Röttgen freuten sich unterdessen über ihre erneuten Direktmandate. In ihren Statements am Montag schwang jedoch Selbstkritik mit. „Bundespolitisch muss das Ergebnis für uns ein wirklicher Grund zum Nachdenken sein. Die CDU bleibt stärkste Fraktion, hat aber insgesamt einen Vertrauensverlust erlitten, den wir nicht beschönigen dürfen“, so Röttgen. Ähnlich äußerte sich Winkelmeier-Becker.

Quer durch alle Parteien sorgte das hohe Wahlergebnis für die AfD für Entsetzen. Sie kam kreisweit auf etwa zehn Prozent der Zweitstimmen. Wie der AfD-Kreisverband das bewertet, ist unbekannt. Die Partei gab dazu keine Stellungnahme heraus, und eine GA-Anfrage blieb am Montag unbeantwortet.

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