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Kriegsende 1945 : So endete am 9. April der Zweite Weltkrieg für Siegburg

Kriegsende 1945 : So endete am 9. April der Zweite Weltkrieg für Siegburg

Die Amerikaner setzten am 9. April 1945 im Morgengrauen mit Booten über die Sieg und rückten nach Siegburg vor. Sie trafen auf geringen Widerstand, die Menschen harrten in den Kellern aus. Der Häuserkampf dauerte dennoch zwei Tage.

Mit dem Schlachtruf „Go on boys“ ist es am 9. April 1945 um 6 Uhr morgens mit der Nachtruhe vorbei für die Soldaten des 303. Regiments der 97. Amerikanischen Infanteriedivision aus Texas. Captain William B. Forse gibt seinen Leuten, die schon seit Wochen nahe des Siegwehrs auf Buisdorfer Seite lagern, den Befehl zum Angriff. Es ist für die Stadt Siegburg der Anfang vom Ende des Zweiten Weltkrieges.

„Die GIs stülpen die Helme auf, drücken die Zigarettenkippen ins taunasse Erdreich und legen die Sicherheitsflügel der Sturmgewehre herum“, notiert ein Chronist. Minuten später springen die Soldaten nahe des Siegburger Stadtteils Deichhaus aus ihren Stahlbooten ans rechte Ufer der Sieg, suchen Deckung und arbeiten sich Straßenzug für Straßenzug vor.

Nach wochenlangen Artillerieangriffen mürbe

Der Widerstand an diesem Montag nach dem Weißen Sonntag ist gering. Wochenlang hatte die Artillerie Siegburg mürbe geschossen. Seit dem Vortag herrschte pausenloses Trommelfeuer, jetzt ist Stille. Die Menschen hocken in den Kellern, Splittergräben oder in einem der drei Luftschutzstollen im Michaelsberg.

Die sollten ursprünglich in einen zentralen Raum münden, waren aber nicht fertig geworden. So gibt es zum Zeitpunkt des Sturms drei einzelne Höhlen. Und die Gefahr, dass ein Ausgang zerstört und die Schutzsuchenden verschüttet werden, ist allgegenwärtig.

Kaum ein Haus ist unbeschädigt

Keine unberechtigte Angst, denn die Stadt liegt in Trümmern. Nur drei Prozent aller Häuser sind unbeschädigt. Mit Granatwerfern, Maschinengewehren und Pistolen gehen die Soldaten der Alliierten gegen die Dritte deutsche Grenadierdivision und versprengte Widerstandsnester von Volkssturm und Hitlerjugend vor.

Vorbei am Wolsberg in Richtung Innenstadt stürmen die Infanteristen über die steile Seite des Michaelsberges. Weiter in Richtung Markt und Holzgasse. Nach fünf Stunden Offensive sind zwei Drittel der Stadt eingenommen.

Im Morgengrauen des 10. April leben die Gefechte wieder auf. Im Zentrum lauern noch Heckenschützen, Kämpfe lodern auch auf an Goldener Ecke und Kaiserstraße, wo sich die NSDAP-Führungsriege in der Parteizentrale verschanzt. Und es gibt Schießereien an Bach- und Ringstraße, im alten Gymnasium an der Humperdinckstraße und am Krankenhaus.

Der deutsche Kampfkommandant, dessen Gefechtsstand im Gymnasium untergebracht war, soll eine Übergabe selbst dann noch ablehnen, als die Amerikaner den Backsteinbau schon umstellt haben. Sein Adjutant erzwingt die Übergabe laut Chronisten letztlich mit vorgehaltener Pistole.

Die Anwohner der Frankfurter Straße bekommen nur wenig mit von den Kämpfen. Einer wird laut Zeugen morgens beim Einsammeln von Granatsplitter-Souvenirs von einem US-Soldaten ertappt und in den Keller zurückgejagt.

Anwohner der Wellenstraße müssen auf Befehl der Amerikaner dagegen aus den Kellern heraus und einige Stunden auf der Zeithstraße warten, bis ihre Häuser nach deutschen Soldaten durchsucht sind. Zeitzeugen berichten, dass der damalige Dechant Becker von Keller zu Keller eilt, um den durch den Beschuss und die Kämpfe verängstigten Menschen Trost zu spenden. Und der Pastor von Sankt Servatius war außer sich, als GIs in seiner Kirche nach einem Waffenlager suchten.

Als besonders tragisch erweist sich das Schlusskapitel der Schlacht. Als der Hausmeister des Kolpinghauses, Peter Zerwas, und Hilarius Schmitz den heranrückenden Amerikanern mit der weißen Fahne in der Hand entgegenlaufen, um für die in den Luftschutzkeller des Krankenhauses Geflüchteten, die Kranken und das Personal Schonung zu erbitten, werden sie von zwei Hitlerjungen hinterrücks erschossen.

Der Häuserkampf endet nach zwei Tagen. Die letzten Gefechte verstummen am Abend des 10. April. Doch die schwerste Schlacht steht dem 303. Regiment noch bevor: Der Kampf um die Mannstaedt-Werke in Friedrich-Wilhelms-Hütte an den folgenden Tagen.

Siegburg ist für das Regiment nur der Anfang des Vormarsches aufs Ruhrgebiet, das seit dem Ersten Weltkrieg als Schlüsselziel gilt. Deshalb hatte Captain Forse seinen Leuten mit auf den Weg gegeben: „Wir knöpfen den Ruhrkessel auf.“ Er hatte die Hoffnung, dass die schnelle Einnahme Siegburgs zu einem zügigen Ende des Krieges beitragen könnte.