Rettungshundestaffel Bonn/Rhein-Sieg: Silvia Wessels: "Man braucht viel Zeit und Geduld"

Rettungshundestaffel Bonn/Rhein-Sieg : Silvia Wessels: "Man braucht viel Zeit und Geduld"

Im Interview spricht Silvia Wessels über 20 Jahre Rettungshundestaffel Bonn/Rhein-Sieg. In diesem Jahr mussten die Tiere schon zu einigen Einsätzen ausrücken.

Bereits 19 Mal kam es in diesem Jahr zu Einsätzen der Rettungshundestaffel Bonn/Rhein-Sieg, die von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsorganisationen hinzugezogen wird, wenn es darum geht, Menschen zu finden, die als vermisst gemeldet werden. Oft sind es Kinder oder alte Menschen, die sich verlaufen haben. Manchmal ist aber auch ein Unfall oder ein akutes gesundheitliches Problem der Grund, der die Gesuchten in eine lebensbedrohliche Situation gebracht hat, in der sie sich nicht mehr selber helfen können.

In der Fahndung nach ihnen kommt es neben Hubschraubern, Wärmebildkameras und Drohnen auch zum Einsatz von Rettungshunden. Mit Silvia Wessels (54), der Vorsitzenden der Rettungshundestaffel Bonn/Rhein-Sieg, die am Wochenende 20 Jahres besteht, sprach Stefan Hermes.

Sie sind auch zertifizierte Ausbilderin und Zugführerin und zudem stellvertretende Landesbeauftragte für die zwölf Hundestaffeln in NRW, die dem Bundesverband Rettungshunde angeschlossen sind. Da scheint nicht mehr viel Platz für anderes zu sein?

Silvia Wessels: Das ist richtig. Das Ehrenamt füllt mich komplett aus. Ohne die Unterstützung meines Mannes, der auch Mitglied in unserem Verein ist, wäre das kaum zu machen.

Erinnern Sie sich an den ersten Einsatz mit einem Rettungshund?

Wessels: Etwa 20 Jahre ist es her, dass wir nach einem Vierjährigen an der Agger gesucht hatten. Und eine eher schöne Erinnerung ist das Auffinden eines etwa zweieinhalbjährigen Mädchens, nach dem schon überall gesucht wurde. Erst als ich die Polizei bat, doch noch einmal mit meinem Hund in das Haus der Eltern gehen zu dürfen, fand sich das Kind, das zwischen zwei Betten gerutscht war und dort friedlich schlief.

Wie ist Ihre Rettungshundestaffel aufgestellt?

Wessels: Im Moment zählt unser Verein 40 ehrenamtliche Mitglieder, wovon 19 auch Hundeführer sind, die mit 23 geprüften Rettungshunden einsatzbereit sind.

Wie bekommen Sie Ihre Einsätze?

Wessels: Es passiert meistens nachts, dass wir von Polizei, Feuerwehr oder anderen Rettungsdiensten angefordert werden und nach Suizidenten oder Alzheimerpatienten suchen. Unser Verein ist seit 1997 eine anerkannte Katastrophenschutzorganisation für den Rhein-Sieg-Kreis und seit 15 Jahren auch per Vertrag mit der Bonner Polizei verbunden.

Sind alle Hunde gleichermaßen befähigt, Vermisste aufzuspüren?

Wessels: Ja. Nur in der Ausbildung unterscheiden sich die Hunde nach ihren Einsatzgebieten. Wir benötigen größtenteils Flächenhunde für die Suche nach Vermissten, haben aber auch vier geprüfte Trümmerhunde für die Suche nach Verschütteten. Doch dabei spüren unsere Hunde nicht auf und gehen auch keiner Spur nach. Anders als bei den Mantrailern, die über den Geruch der Spur eines Gesuchten folgen, entscheiden unsere Rettungshunde etwas intelligenter, indem sie ihren Hundeführer auf alles aufmerksam machen, was nicht der Norm entspricht.

Das heißt, sie riechen nicht nach den Vermissten?

Wessels: Genau. Da wir meistens nachts unterwegs sind und dann nur wenige Menschen im Wald und auf den Straßen sind, riechen unsere Hunde natürlich den frischen Menschengeruch und machen uns dann darauf aufmerksam. Bewegt sich ein Mensch jedoch für ihn untypisch, geht verwirrt im Kreis herum oder liegt versteckt in einer Ecke, wird das unserem Rettungshund auffallen und er schlägt sofort an.

Wie lange dauert es erfahrungsgemäß, bis ein Hund in die Rettungsstaffel aufgenommen werden kann?

Wessels: Zwei Jahre braucht die Ausbildung. Man benötigt eine Begleithundprüfung, die man im Prinzip für jeden Sporthund auch braucht. Da wird geprüft, wie führig und grundgehorsam der Hund ist. Dann kommt noch eine Zusatzausbildung als Rettungshund für Fläche oder Trümmer hinzu, die jährlich überprüft werden muss.

Wie bringen Sie einen Hund dazu, die Spur eines vermissten Menschen aufzunehmen?

Wessels: Unsere Hunde laufen ja keine Spur. Unsere Hunde suchen nach vermeintlich hilflosen Personen. Egal, ob das ein Liebespärchen im Gebüsch ist, oder jemand auf der Wiese mit einem Buch. Der Hund zeigt die an, weil deren Verhalten für ihn nicht normal ist. Und so werden sie auch trainiert. Findet er die von uns versteckte Person, die hinter Mülleimern liegt oder an einem Baum steht oder sich seltsam bewegt, dann wird er mit Leckereien belohnt.

Kann das jeder Hund oder sind bestimmte Rassen dafür besonders geeignet?

Wessels: Alles, was laufstark ist, mittelgroß und intelligent. Wir haben viele Labradore, Australian Shepards. Hütehunde sind gut geeignet.

Und was wird von den Hundeführern erwartet? Braucht man spezielle Fähigkeiten?

Wessels: Auf jeden Fall. Man braucht viel Zeit und Geduld, darf auch keine Angst haben, nachts in den Wald zu gehen. Man braucht das Bewusstsein, helfen zu wollen. Wir brauchen niemanden, der nur seinem Hund etwas Gutes tun will und darauf aus ist, die Rettungshundprüfung abzulegen, um zu zeigen, wie gut sein Hund ist.

Welche Rolle spielt Technik bei den Einsätzen?

Wessels: Wir arbeiten mit GPS, und die Hunde haben Tracker am Halsband, mit denen wir alle Bewegungen nachzeichnen und unsere Einsätze protokollieren können. Inzwischen arbeiten wir auch mit Drohnen.

19 Mal wurde die Hundestaffel bereits in diesem Jahr angefordert. Ist es emotional nicht sehr belastend, nach einem vermissten Menschen zu suchen? Haben Sie nicht auch Angst, mit einer schrecklichen Situation konfrontiert zu werden?

Wessels: Natürlich ist das immer der Fall, wenn es um Kinder geht. Doch im Moment des Einsatzes ist vor allem Professionalität gefragt. Da liegt die Konzentration ganz auf der Sucharbeit.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 20 Jahre Ihres Vereins?

Wessels: Wir suchen nach einem geeigneten Trainingsgelände, wie wir es früher in Alfter hatten. Jetzt müssen wir immer recht weit fahren. Und dann wünsche ich mir, dass die Hunde, die ich ausbilde, ein wenig länger bleiben.

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