Abschied nach 34 Jahren: Siegburgs Stadtarchivarin Andrea Korte-Böger geht in den Ruhestand

Abschied nach 34 Jahren : Siegburgs Stadtarchivarin Andrea Korte-Böger geht in den Ruhestand

Die 65-Jährige hat sich 34 Jahre lang mit der Geschichte der Kreisstadt befasst. Ihre "Siegburger Blätter" sind mittlerweile fest etabliert. Den Verein der Freunde und Förderer des Michaelsbergs will sie weiter unterstützen.

Stadtgeschichte an die Öffentlichkeit zu bringen, sie bekannt und nachvollziehbar zu machen, war immer die Maxime der Leiterin des historischen Archivs der Kreisstadt Siegburg, Andrea Korte-Böger. Das wird bald jemand anderes übernehmen. Ende August geht sie nach 34 Jahren Tätigkeit im Rathaus der Stadt in den Ruhestand.

Am 1. Februar 1984 war sie nach Siegburg gekommen. Zu ihrem Tätigkeitsbereich gehörten auch die Betreuung des Torhausmuseums sowie Aufgaben der Unteren Denkmalbehörde. Studiert hat die gebürtige Wuppertalerin Rechtswissenschaften an der Universität Marburg, an der sie 1981 in Deutscher Rechtsgeschichte promovierte. Von 1980 bis 1981 nahm sie an einem Forschungsprojekt der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) teil, bei dem Akten des Reichskammergerichts aus der Zeit von 1495 bis 1795 erfasst wurden. Eine Karriere als Juristin hatte Korte-Böger nicht angestrebt. „Ich wollte mich nicht den Rest meines Lebens mit Streit beschäftigen“, lautet ihre Begründung.

Über Arbeit konnte sie sich mit Antritt der Stelle im Rathaus nicht beschweren. Als Untere Denkmalbehörde begann sie mit der Erstellung einer umfassenden Denkmalliste. „Bis dahin standen da neben der Abtei und der Servatiuskirche vielleicht noch zwei weitere Gebäude drauf“, erinnert sie sich. 2007 wurde die Untere Denkmalbehörde dem Planungs- und Bauaufsichtsamt angegliedert.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es in Deutschland ein wissenschaftliches Ordnungsprinzip, das regelt, wie man ein Archiv strukturiert, damit zukünftige Generationen damit arbeiten können. In Siegburg habe sie diese Vorgaben nur „rudimentär“ beachtet vorgefunden, berichtet die scheidende Stadtarchivarin. In mühevoller Detailarbeit habe sie Inventur gemacht und sogenannte Findbücher erstellt, die der inhaltlichen Gliederung dienen. Immerhin 2000 Regalmeter betraf das. „Im Vergleich zum Bundesarchiv in Koblenz mit 600 Regal-Kilometern nicht wirklich viel“, wie Korte-Böger relativiert.

"Siegburger Blätter" haben sich fest etabliert

Viel Engagement hat sie in das Torhausmuseum investiert und bis 2002, als es aus brandschutztechnischen Gründen geschlossen werden musste, über 200 Ausstellungen mit historischem Bezug konzipiert und umgesetzt. „Ich habe alles selbst gemacht. Vom Konzept über das Gestalten von Tafeln bis zur Bestückung der Vitrinen“, sagt sie. Eine der spektakulärsten Ausstellungen war die mit Exponaten der Töpferwerkstatt von Siegburgs berühmter Töpferfamilie Knütgen.

„Die Ausstellung wurde 1989 während der laufenden Ausgrabung an der Aulgasse bestückt“, berichtet Korte-Böger und erklärt: „Dabei ging es erstmals um die Technik der Töpferei und nicht um den künstlerischen Aspekt.“ Ein Großteil der Ausstellung wurde nach ihren Angaben später im Römisch-Germanischen Museum in Köln im Rahmen der Ausstellung „Ein Land macht Geschichte“ gezeigt. „Mit Schließung des Torhauses hatte ich wieder mehr Zeit und begann mit den Publikationen“, so die 65-Jährige.

Fest etabliert haben sich die „Siegburger Blätter“, in denen sie sich verschiedenen Orten, Gebäuden oder Personen aus der Geschichte Siegburgs widmet. Eine der umfangreichsten Arbeiten ist ihre Dokumentation über den Jüdischen Friedhof in Siegburg mit dem Titel „Steine und Erde“. Über vier Jahre hat die Stadtarchivarin zusammen mit vielen Fachleuten wissenschaftlich an dem weit mehr als 500 Seiten starken Werk gearbeitet, jeden der 400 Grabsteine fotografiert, die Texte, auch in Hebräisch, dokumentiert. „Was man im Buch sieht, kann man heute vor Ort nicht mehr erkennen, denn die Steine bestehen aus Sandstein, der schnell verwittert“, so Korte-Böger.

Das Bewahren der Geschichte sieht sie in Zeiten der Digitalisierung als die Herausforderung der Zukunft. Die Frage werde sein, wie man digital erstellte Medien auf Dauer archivieren könne. Ihre – jedenfalls heute – begrenzte Haltbarkeit erfordere eine ständige Aktualisierung, die sehr teuer und zeitintensiv sei. „Was man nicht ordentlich aufbewahrt, ist für die Geschichte weg“, stellt sie nüchtern klar.

Das musste sie auch bei Akten aus der NS-Zeit feststellen. Die gingen nämlich bei einem Bombenangriff 1944 auf das damalige Rathaus in der Mühlenstraße in Flammen auf, und auch Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sind verloren. Sie selbst arbeitet daran, dass Geschichte bewahrt wird. Daher will sie weiterhin Siegburger Blätter herausgeben, denn Stoff ist reichlich vorhanden. Außerdem wird sie weiterhin den Verein der Freunde und Förderer des Michaelsbergs unterstützen. Sie geht also „nicht so ganz“.

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