Ratsbürgerentscheid: Siegburger entscheiden am Sonntag über ihr Rathaus

Ratsbürgerentscheid : Siegburger entscheiden am Sonntag über ihr Rathaus

Sanierung oder Neubau? An diesem Sonntag geht es beim Ratsbürgerentscheid um die Zukunft des Siegburger Rathauses. Sollte das nötige Quorum nicht erreicht werden, fällt die Entscheidung zurück an die Politik.

Die Tannenbäume, die aktuell in den Abendstunden an der Fassade des Siegburger Rathauses leuchten, können nicht darüber hinwegtäuschen: Der 1968 eingeweihte Verwaltungssitz ist marode. Davon künden undichte Fenster, alte Leitungen, bröckelnde Fassade, provisorische Brandschutztreppen. Der Handlungsbedarf ist akut und bekannt. Seit Jahren diskutiert die Politik über die Zukunft des Rathauses. In sechs Bürgerwerkstätten wirkten die Siegburger mit. Mehrere Optionen verwarf die Politik, so dass es nun nur noch um die Frage Sanierung oder Neubau auf dem Allianzparkplatz geht. Da es in der Politik keine klare Mehrheit für eine Lösung gibt, sollen nun die Bürger entscheiden. Beim Ratsbürgerentscheid am ersten Adventssonntag mit einem Ja oder Nein auf die Frage: „Soll das Rathaus am bisherigen Standort erhalten, kernsaniert und um ein Geschoss aufgestockt werden?“

Schon einmal haben sich die Siegburger für den Erhalt ihres Rathauses ausgesprochen: mit 9905 Stimmen beim von der Bürgerinitiative Siegburg 2010 erwirkten Bürgerentscheid. Damals verhinderten sie durch ihr Ja den Bau der geplanten ECE-Einkaufsgalerie, für die das Rathaus abgerissen werden sollte. Mindestens 20 Prozent der 33 331 Stimmberechtigten müssen auch jetzt mit Ja stimmen, soll das Rathaus erhalten und saniert werden. Wird das Quorum nicht erreicht, fällt die Entscheidung zurück an den Rat, der sich noch im Dezember erneut beraten müsste. Eine Möglichkeit wäre, dass er die Stadt beauftragt, Verhandlungen für den Neubau auf dem Allianz-Parkplatz aufzunehmen.

Alle Zahlen beruhen auf Machbarkeitsstudien

Der war von Anfang an eine Option für die Zukunft des Verwaltungssitzes. Die hat Architekt Klaus H. Petersen seit 2015 im Auftrag der Stadt in einer Machbarkeitsstudie untersucht und im Bau- und Sanierungsausschuss sowie in Bürgerwerkstätten vorgestellt. Den angedachten Umzug in das VDAK-Verwaltungsgebäude verwarf die Politik aber ebenso wie Neubauten neben der Rhein-Sieg-Halle, auf dem Parkplatz Haufeld, am Busbahnhof, auf dem Rathaus-Grundstück und zuletzt neben dem Facharztzentrum. Im Herbst 2017 rückte der Allianz-Parkplatz, der wegen der ungeklärten Grundstücksfrage lange die größten Unwägbarkeiten barg, in greifbare Nähe: Die Kreissparkassen-Tochter Pareto kaufte das Areal und bot der Stadt an, ihr dort ein Rathaus zu bauen.

Die Sanierung: Klaus H. Petersen hat Verwaltung und Politik schon im Oktober 2014 die Augen für den Wert des von Architekt Peter Busmann entworfenen Rathauses geöffnet. „Es versinnbildlicht den Versuch, sich nicht mehr gegenüber dem Bürger abzuschotten, sondern sich zu öffnen“, erklärte der Experte für Verwaltungsbauten der Nachkriegszeit. Die grundsätzliche Einteilung sei immer noch aktuell. Trotz aller, vor allem energetischer Probleme im Bau hob er hervor: „Das Stahlbetongerüst ist in einem guten Zustand.“ Er schlug eine Kernsanierung vor, bei der die ursprüngliche Struktur erhalten bliebe, aber auf den neuesten Stand gebracht würde. Alles sei bei laufendem Betrieb möglich. Über eine Aufstockung soll auch der gewachsene Raumbedarf abgedeckt werden. Die Baukosten schätzt er auf 18,5 Millionen Euro. Zahlen, die das Büro Arcadis gegengerechnet und um einen „Puffer“ auf 20,3 Millionen Euro erhöht hat. Im Abstimmungsheft rechnet die Stadt aus haushalterischen Gründen mit 19,9 Millionen und 21,8 Millionen Euro. „Unsere Zahlen sind solide“, hält Petersen entgegen. Die Berechnungen entsprächen einer fortgeschrittenen Planungsstufe. Die Stadt verweist darauf, dass alle Zahlen, auch die für den Neubau, auf Machbarkeitsstudien beruhen und daher vorläufig sind.

Der Neubau: Ein schlüsselfertiges Rathaus auf dem Allianz-Parkplatz bietet die Pareto der Stadt für einen Festpreis von 22,6 Millionen Euro. Darin sind die vier Millionen berücksichtigt, die das Kölner Unternehmen für das Rathausgrundstück zahlen würde. Dort sollen, kommt es zum Neubau, 95 Eigentumswohnungen entstehen. „Wir befassen uns bereits seit 2015 mit der Marktpassage und sehen, dass man hier – unter Einschluss des Parkplatzes – ein sinnvolles Miteinander verschiedener Gebäudenutzungen schaffen kann, die eine große Stahlkraft für die gesamte Stadt haben und die Passage wieder zu einem lebendigen Mittelpunkt machen“, sagt Pareto-Geschäftsführer Heinz-Jürgen Rodehüser. Dazu könnten einige Dinge geändert, anders aufgestellt und so insgesamt besser werden. „Ein Rathausneubau wäre ein zusätzlicher, wertvoller, belebender Faktor, der auch der Gastronomie dort zu Gute kommt“, so Rodehüser. Die solle in jedem Fall erhalten bleiben, nimmt er den Gastwirten die Angst um ihre Existenz. „Wir konnten bislang jedoch mit den Mietern in der Passage nicht sprechen, weil der Verkauf noch nicht komplett vollzogen war.“ Nach Abschluss von Brandschutzarbeiten sei das nun erfolgt, und die Pareto damit juristischer und wirtschaftlicher Eigentümer. Eines stellte Rodehüser klar: „Unabhängig vom Ausgang des Ratsbürgerentscheids: Der Allianz-Parkplatz ist eine Fläche, auf der Pareto eine städtebaulich sinnvollere Lösung entwickeln wird. Sprich: Der Parkplatz wird bebaut werden“.

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