Siegburg: Waldkindergarten eingeweiht

Im Einklang mit der Natur : Waldkindergarten in Siegburg eingeweiht

Die schiefen Wände und spitzen Dächer sind einzigartig: In Siegburg hat die Kindertagesstätte I-Tüpfelchen ihren ersten Waldkindergarten eingeweiht. Dort können 20 Kinder einen besonderen Bezug zur Natur entwickeln.

"Da möchte man noch einmal klein sein." Diesen Satz hörte man am Freitagmittag immer wieder von Eltern, Onkeln und Tanten, Opas und Omas, die zur Einweihung des ersten Waldkindergartens, der bereits bestehenden dreigruppigen Kindertagesstätte I-Tüpfelchen an der Römerstraße in Kaldauen angegliedert ist, gekommen waren.

Mit einem Haupt- und drei kleinen Nebengebäuden ähnelt die Einrichtung mit ihren spitzen Dächern und den windschief wirkenden Häuschen wie aus einem Märchen übernommen. Jeden Moment könnten Hänsel und Gretel erscheinen oder Pipi Langstrumpf aus einem der Fenster schauen. 20 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren verbringen zukünftig das gesamte Jahr über in der Natur und werden im Rahmen eines besonderen Konzepts von zwei Erziehern und einer jungen Frau, die hier ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert, betreut und gefördert.

"Wir haben die Hoffnung, dass die Kinder die Natur, der sie so nah sind, lieben lernen und daher auch schützen, also einen selbstverständlichen Bezug zur Natur entwickeln", sagte die Leiterin Silvia Drees. Die Gruppe könne durch verschiedene Aktivitäten im Wald den jahreszeitlichen Rhythmus erleben und erfahren und Pflanzen und Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten.

Bereits 2017 gab es erste Ideen zur Gründung des Waldkindergartens in Siegburg

Nach jedem Aufenthalt im Freien besteht die Möglichkeit, die gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten. Dazu stehen ihnen eine Werkstatt, eine Töpferei und ein Atelier zur Verfügung. "Die Kreativität kennt keine Grenzen, denn der Wald liefert kein fertiges Spielzeug", so die Leiterin. Genutzt werden hauptsächlich Materialien und Gegenstände, die so auch in der Natur vorkommen, und die man dort findet. Erste Überlegungen zur Gründung einer Waldgruppe hat es laut Siegburgs Beigeordnetem Andreas Mast bereits im Jahr 2017 gegeben, da die Gesamtkonzeption der Einrichtung den Umgang der Kinder mit Natur und Umwelt als einen ihrer Schwerpunkte beinhalte.

2018 hatte der Landschaftsverband Rheinland bereits eine Übergangserlaubnis für die Waldgruppe erteilt. Allerdings standen für die 20 I-Tüpfelchen-Mädchen und -Jungen seit August des gleichen Jahres täglich nur ein beheizter Container und ein Toilettenwagen am Waldrand an der Baumschulallee zur Verfügung. Das Grundstück für die Errichtung der festen Unterkünfte hatte die Stadt schnell gefunden. "Es ist eine städtische Fläche, auf der vor Jahren einmal eine Jugendherberge gebaut werden sollte", erklärte Bürgermeister Franz Huhn in seiner Begrüßungsrede zur Einweihung des neuen Domizils der Waldgruppe, das am vergangenen Montag bezogen werden konnte.

Zuschüsse für den Waldkindergarten vom Land NRW

Im Haupthaus befinden sich ein Gruppenraum mit angrenzendem Spielflur, sanitäre Einrichtungen, ein Garderoben- und Umkleidebereich und eine integrierte Küche für die Frühstücks- und Mittagsessenzubereitung. Die Nebengebäude beinhalten eine Werkstatt mit Brennofen und Werkbänken, ein Spielhaus und ein Gerätehaus. Die Baukosten der Gesamtanlage, die unter Trägerschaft des Evangelischen Kirchenkreises an Sieg und Rhein steht, bezifferte Mast mit rund 600.000 Euro.

Das entspräche 30.000 Euro je Platz und damit exakt dem Betrag, der nach Landesrichtlinien maximal förderfähig ist. Und Mast hatte eine faustdicke Überraschung auf Lager. Erst am späten Donnerstagnachmittag erfuhr er, das das Land NRW die Maßnahme mit 539.100 Euro und damit zu 90 Prozent bezuschusst.