Siegburg: Pendler klagen über Wegfall wichtiger Verbindungen

Bahnhof Siegburg/Bonn : Siegburger Pendler klagen über Wegfall wichtiger ICE-Verbindungen

Am ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn steht ein Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn an. So reagieren die Pendler auf den Wegfall von einiger Verbindungen nach Mannheim und Stuttgart.

Den bevorstehenden Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn sehen Pendler und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisch. "Insbesondere der Wegfall einiger Fernzüge in der Relation Siegburg/Bonn-Mannheim-Stuttgart-München schmerzt sehr", teilte der VCD-Vorsitzende Rainer Bohnet mit. Vor allem der Korrespondenzbahnhof Mannheim sei wichtig, "weil dort direkte Anschlüsse in Richtung Karlsruhe, Freiburg und Basel bestehen". Diese Verbindungen seien traditionell stärker nachgefragt als die Verbindungen über Würzburg und Nürnberg.

Der Verkehrsclub fordert die politisch Verantwortlichen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis sowie im Land NRW auf, sich aktiv dafür einzusetzen, Zugausfälle und Fahrplanausdünnungen wieder rückgängig zu machen. Die Anzahl der ICE-Halte in Siegburg steigt zwar leicht an. Geänderte Verbindungen führen aber dazu, dass zum Beispiel Reisende in Richtung München künftig öfter umsteigen müssen. "Mit Entsetzen habe ich Ihren Artikel zum Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn gelesen", schreibt ein GA-Leser, der seit zehn Jahren täglich zwischen Siegburg und Frankfurt pendelt. Er kritisiert, dass der ICE 10, der um 19.21 Uhr aus Frankfurt ankommt, wegfallen soll. "Täglich steigt bei diesem Zug mindestens die Hälfte der Fahrgäste in Siegburg aus.

ICE nach Frankfurt seit Anfang des Jahres nur mit einem Zugteil

Bereits vor dem Fahrplanwechsel hat die Bahn die Kapazitäten auf der Strecke Siegburg-Frankfurt faktisch reduziert. Zum Beispiel der ICE 813, der morgens um 7.35 Uhr nach Frankfurt fährt. In den vergangenen zehn Jahren bestand der ICE aus zwei Zugteilen. Seit Anfang 2019 hat die Bahn es nicht mehr geschafft, den Zug mit zwei Teilen fahren zu lassen - 'Störungen im Betriebsablauf'", berichtet der Pendler. "Im Juni wurde der Fahrplan still und heimlich angepasst, und seitdem fährt regulär nur ein Zugteil. Der Zug ist jeden Tag völlig überfüllt und unerträglich, insbesondere wenn dann noch kaputte Klimaanlagen oder defekte Toiletten hinzukommen."

Die zusätzlichen Verbindungen um die Mittagszeit oder am Wochenende, die der Fahrplanwechsel am 15. Dezember mit sich bringe, seien "reine Augenwischerei". Ein anderer GA-Leser pendelt regelmäßig nach Stuttgart, dem Stammsitz seiner Firma, die auch ein Außenbüro in Siegburg hat. "Regelmäßig fahren wir zu Schulungen, Seminaren und Tagungen ins Stammhaus. Diese beginnen in der Regel um 9 Uhr, sodass man mit der 6.09 Uhr-Verbindung und dem ÖPNV vor Ort pünktlich dort sein kann, was wir aufgrund der Verkehrssituation rund um Stuttgart auch gerne nutzen", so der Mitarbeiter.

Zwei Möglichkeiten um pünktlich in Stuttgart zu sein

Wenn die Verbindung gestrichen werde, gebe es für ihn und die Kollegen zwei Möglichkeiten, um pünktlich in Stuttgart zu sein: "Vorabendanreise mit Übernachtung, was natürlich besonders bei eintägigen Veranstaltungen höchst unwirtschaftlich ist, oder eben doch wieder die Anreise per Pkw. Die Bahn kann nicht ernsthaft erwarten, dass solche Fahrgäste stattdessen den 4.19-Uhr-Zug nehmen. Für uns ist das also, gerade im Hinblick auf den Klimaschutz, ein massiver Rückschritt." Ein Pendler aus Niederkassel kritisiert häufige Zugausfälle auf der Schnellstrecke zwischen Siegburg und Frankfurt: "Die Folge: drangvolle Enge, Zwangsstopps aus Sicherheitsgründen in Montabaur oder Limburg bis Fahrgäste 'freiwillig' aussteigen, Verspätungen."

Auch komplette Zugausfälle oder technische Pannen bei Reservierungsanzeige, Bistro, Klimaanlage, Toiletten und Türen häufen sich nach seiner Beobachtung. "Ich habe seit 2006 eine Bahncard 100, aber so schlecht wie seit über einem Jahr lief es auf der Strecke noch nie", so der Niederkasseler. Ein Leser aus Sankt Augustin vermutet, dass der Wegfall von Verbindungen den 2020 anstehenden Bauarbeiten auf der Schnellstrecke Mannheim-Stuttgart geschuldet ist: "Leider lässt die Fernverkehr AG mangels genügend Fahrzeugmaterials den Vorlauf, zum Beispiel Dortmund-Mannheim wie auch den Nachlauf Stuttgart-München ausfallen. Dies führt auch bei den Pendlern in Süddeutschland zu großen Problemen."

Mehr von GA BONN