Siegburg: Mann nach Messerattacke auf schwangere Freundin vor Gericht

Frau überlebte : 27-Jähriger nach Messerattacke in Siegburg vor Gericht

Ein 27-Jähriger muss sich seit Montag vor dem Bonner Landgericht verantworten. Am ersten Prozesstag räumte er ein, im Juli vergangenen Jahres in Siegburg seine schwangere Ex-Freundin mit einem Messer angegriffen zu haben.

Am 10. Juli 2019 attackierte ein Mann seine schwangere Freundin in Siegburg mit einem Messer. Die junge Frau hat überlebt, verlor aber ihr ungeborenes Kind und liegt seit Monaten im Wachkoma. Selbst kann sie nicht schildern, was bei ihr Zuhause passierte. Der 27-Jährige muss sich seit Montag vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Die junge Frau hat überlebt, verlor aber ihr ungeborenes Kind und liegt seit Monaten im Wachkoma. Selbst kann sie nicht schildern, was am Nachmittag des 10. Juli 2019 bei ihr Zuhause in Siegburg passierte, als der Ex-Freund den gemeinsamen Sohn abholen wollte. Der 27-jährige Bulgare muss sich seit Montag vor dem Bonner Landgericht verantworten. Ihm wird versuchter Mord und gefährliche und schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Gerade als die Mutter sich bückte, um dem Vater ihrer beiden Kinder drei Taschen mit Spielzeug hochzureichen, soll dieser ein mitgebrachtes Küchenmesser gezückt und es der 19-Jährigen in den Nacken gerammt haben. Dem ersten Stich folgten laut Anklage zwei weitere in den Rückenbereich; beim dritten Stich soll sogar die Klinge des Messers abgebrochen sein. Daraufhin habe der Mann die zu Boden gefallene Frau mit den Händen gewürgt und mit einem Griff der Einkaufstaschen bis zur Bewusstlosigkeit gedrosselt, so die Staatsanwältin. Die 19-Jährige konnte nach der Tat zwar reanimiert werden. Ob sie jemals wieder aus dem Koma erwacht, ist fraglich.

Ohne sichtbare Emotionen

Als der Angeklagte am Montag den Gerichtssaal betrat, wirkte er ruhig und nachdenklich. Ohne sichtbare Emotionen ließ sich der Mann mit den kurzgeschorenen Haaren die Handschellen abnehmen und nahm zwischen seiner Anwältin und einem Dolmetscher Platz. Er verstehe nur wenig Deutsch, ließ er den Vorsitzenden Richter des Schwurgerichts nach Verlesung der Anklage wissen. Fragen zur Person beantwortete der 27-Jährige mit Hilfe seines Dolmetschers.

Zum Tathergang verlas seine Anwältin in seinem Namen eine Erklärung, die auch das Zusammentreffen mit der 19-Jährigen beschreibt: „Als ich sie so vor mir sah, kamen alle Emotionen in mir hoch“, heißt es darin in den Worten des Angeklagten. Eifersucht und Trauer hätten ihn überwältigt und zu der Tat bewogen. Daran, zweimal zugestochen zu haben, erinnere er sich; auch das in der Anklage erwähnte dritte Mal könne so stattgefunden haben, gab der Mann zu.

Danach habe er seine Ex-Partnerin „sehr lange“ gewürgt, gesteht der 27-Jährige in der Erklärung. Ob es allerdings tatsächlich die von ihm während der polizeilichen Vernehmung angegebenen fünf Minuten gewesen seien, bezweifle er. Jedenfalls sei es ihm sehr lange vorgekommen.

„Ich wollte sie nicht töten“

„Ich wollte sie in dem Moment verletzen, das ist richtig“, heißt es in der Erklärung weiter. „Ich wollte sie aber nicht töten.“ Seine Tat tue ihm leid, er habe das so nicht gewollt. Insbesondere auch, dass sein älterer Sohn alles mit habe ansehen müssen, bedauere er.

Der Dreijährige erlebte die Gewalttat oder Teile davon mit. Jedenfalls rief sein lautes Schreien die im selben Haus lebende Großmutter der 19-Jährigen herbei, die Polizei und Rettungskräfte alarmierte. Der Angreifer flüchtete und wurde am folgenden Tag in Köln gefasst.

Als Motiv gab der 27-Jährige überbordende Eifersucht an. Nachdem er im Frühjahr seinen Job verloren hatte, habe er sich oft mit der 19-Jährigen gestritten. Sein Alkoholkonsum und seine Spielsucht waren dabei wohl das wichtigste Thema. Aber auch von der Familie seiner Partnerin habe er sich nicht akzeptiert gefühlt, so der Anklagte.

Im Mai zog er aus der gemeinsamen Wohnung in Siegburg wieder in seine alte Bleibe in Sankt Augustin zurück. Da hatte sich das Paar aber noch nicht endgültig getrennt, so die Auffassung des Mannes. Nach dem Auszug habe ihn der neue Freund der 19-Jährigen kontaktiert.

Ex-Freundin war arglos

Über ein soziales Netzwerk soll ihm der Nebenbuhler angeblich ein Bild mit dem späteren Opfer geschickt haben, verbunden mit der Drohung, er werde ihn aufsuchen und umbringen, wenn er das Ende der Beziehung nicht akzeptiere. Daraufhin habe er das Küchenmesser eingesteckt und sich auf den Weg zu seiner früheren Partnerin gemacht, so der Angeklagte. Was er genau mit dem Stichwerkzeug habe machen wollen, habe er sich da aber noch nicht überlegt, heißt es in der Verlesung. Unterwegs habe er dann noch an einem Kiosk angehalten und hastig vier oder fünf Flaschen Bier geleert.

Die zweifache Mutter, die mit ihrem dritten Kind schwanger war, war offenbar völlig arglos, als sie sich mit dem Ex-Freund traf. Offenbar war vorgesehen, dass er einige Tage mit seinem dreijährigen Sohn verbringen sollte.

Stichwunden und Lunge verletzt

Neben der tiefen Stichwunde im Nacken trug die Frau zwei fünf, beziehungsweise sechs bis sieben Zentimeter tiefe Stiche im linken Rückenbereich davon. Weil auch die Lunge verletzt wurde, drang Luft in die Brusthöhle ein und es kam zu einem hypoxischen Hirnschaden. Außerdem erlitt die Schwangere eine Fehlgeburt. Eigenen Angaben zufolge wusste der Angeklagte nicht, dass seine Ex-Freundin erneut schwanger war.

Vor Gericht wurde die 19-Jährige als Nebenklägerin von Rechtsanwältin Dagmar Schorn vertreten: Die Kinder befänden sich in der Obhut des Jugendamts, würden aber aktuell von den eigens aus Mazedonien angereisten Eltern des Opfers betreut, berichtete die Anwältin am Rande der Verhandlung. Der Prozess wird fortgesetzt.