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Parksituation in der Aulgasse in Siegburg: Sicht aus Ausfahrt wird nach Jahren verbessert

Parksituation in der Aulgasse in Siegburg : Sicht aus Ausfahrt wird nach Jahren verbessert

Seit zwei Jahren bemüht sich eine Siegburgerin um bessere Sicht aus ihrer Ausfahrt an der Aulgasse. Durch die Verhältnisse hatte ihr 19-jähriger Sohn bereits einen schweren Unfall. Nun hat die Stadt reagiert.

Dass es jetzt so schnell ging, daran hatte Bettina Struss nicht geglaubt. Seit fast zwei Jahren bemüht sich die Siegburgerin um eine bessere Sicht aus ihrer Einfahrt an der Aulgasse. Abgestellte Fahrzeuge auf dem Parkstreifen versperren die Sicht auf die Straße. Nun ist eine Lösung in Sicht, die Stadt will dort zwei Pfosten aufstellen – nach zahlreichen Schreiben an offizielle Stellen, einem schweren Unfall und einem Facebook-Post, der Dutzende Reaktionen hervorrief.

„Man sieht halt nichts“, sagt Struss. Wenn sie oder ein Familienmitglied aus ihrer Ausfahrt fahren will, müssen sie sich ganz langsam an die Straße herantasten. An ihrer Ausfahrt befindet sich ein Parkstreifen, abgestellte Wagen machen es kaum möglich, auf der Straße fahrende Auto- oder Radfahrer zu erkennen. „Vor allem morgens ist es schlimm“, sagt Struss mit Blick auf den Verkehr auf der Aulgasse. Das Problem trete auch nicht jeden Tag auf, am Wochenende sei es besser. Doch das Risiko habe nicht nur ihre Familie, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. „Die anderen sehen uns ja auch nicht. Das ist für alle gefährlich“, sagt sie.

Schwere Verletzungen nach Unfall an dieser Stelle

Wie gefährlich es tatsächlich ist, zeigte sich bei einem schweren Unfall im vergangenen November. Der 19-jährige Sohn Leon wollte morgens aus der Ausfahrt nach links abbiegen. Dabei stieß er mit dem Wagen einer 57-Jährigen zusammen, die in Richtung Innenstadt unterwegs war. Es kam zum Unfall, obwohl er sich langsam an die Straße herantastete und obwohl die Frau der Polizei zufolge noch versuchte, auszuweichen. Beide wurden schwer verletzt in Krankenhäuser gefahren, die Straße musste für mehr als eine Stunde komplett gesperrt werden. Trotz des Unfalls sieht die Polizei dort keinen Unfallschwerpunkt. „Aus polizeilicher Sicht ist die Straße nicht auffällig“, sagte Polizeisprecher Burkhard Rick auf GA-Anfrage mit Blick auf die komplette Aulgasse.

Leon Struss geht es heute wieder besser, die Unsicherheit beim Herausfahren sei jedoch dadurch noch gewachsen. „Die Angst ist immer dabei. Nach links fahr ich nicht mehr raus“, sagt er. Einen möglichen Umweg und den Zeitverlust nähmen sie dafür in Kauf. „Das kalkulieren wir mit ein“, sagt sie.

Bereits 2018 machte sie mit mehreren Briefen auf ihre Situation aufmerksam. Sie wandte sich an das Ordnungsamt, den Bürgermeister, die Polizei, das Verkehrskommissariat und das Beschwerdemanagement der Stadt Siegburg. Das Anliegen wurde sogar vor Ort geprüft, allerdings änderte sich erst mal nichts. Begründet wurde das unter anderem damit, dass die Situation nicht wesentlich anders sei als an anderen Ausfahrten, wie aus Schreiben an sie hervorgeht.

Überraschende Resonanz in Siegburger Facebook-Gruppe

Zudem habe es dort weder Parkverstöße noch Beschwerden anderer gegeben. Stattdessen müsse dort „gebührende Sorgfalt“ angewendet werden, hieß es. Entweder durch Herantasten oder mit Hilfe eines Einweisers solle die Einfahrt verlassen werden. Aber es sei nicht immer jemand da, der sie leiten könnte, sagt Struss.

In der vergangenen Woche machte sie mit einem langen Post in einer Siegburger Facebook-Gruppe auf die Situation vor ihrer Haustür aufmerksam. „Ich wollte mir Tipps und Anregungen holen. Man weiß als Laie selbst nicht, was es noch für Möglichkeiten gibt“, erklärt sie den Gedanken dahinter. Die Resonanz war riesig und für sie überraschend. Nach einem Tag hatte der Beitrag schon mehr als 100 Kommentare, viele gaben ihr Tipps. Auch Stadtratsmitglieder von SPD und CDU nahmen sich daraufhin der Sache an, besuchten die Siegburgerin und machten sich ein Bild von der Situation.

Anfang dieser Woche reagierte die Stadt. Bürgermeister Franz Huhn war am Montag bei der Familie und ordnete an, dass zeitnah auf dem Parkstreifen zwei rot-weiße Poller installiert werden sollen. Am Dienstag wurden dort Halteverbotsschilder aufgestellt. „Durch die Poller wird sichergestellt, dass die Sicht nach links erweitert wird“, erklärt der Bürgermeister. Den bisherigen offiziellen Einschätzungen zur Verkehrssituation widerspricht er nicht. „Fachlich ist alles okay“, sagt er, führt jedoch an: „Ich bin der Meinung, dass die Sicherheit erhöht werden muss.“ Durch die Poller ginge ein Parkplatz verloren, die Anwohner sollen mit einem Schreiben informiert werden.

„Wir sind sehr überrascht, dass jetzt doch so schnell etwas geschieht“, sagte Struss am Dienstagmittag. Sie zeigte sich vorsichtig optimistisch: „Wie das dann in der Praxis aussehen wird mit den Pfosten, und ob es hilft, bessere Sicht zu haben, wird sich zeigen.“ Nun seien sie erst einmal froh, dass „nach fast zwei Jahren Bewegung in die Sache kommt.“