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Weiberfastnacht in Siegburg: Sebastian I. und Siegburgia Margret I. begeistern das jecke Volk

Weiberfastnacht in Siegburg : Sebastian I. und Siegburgia Margret I. begeistern das jecke Volk

Siegburgia Margret I. zieht noch einmal die roten Lippen nach, Prinzgemahl Sebastian I. trinkt derweil in Ruhe sein Glas Sekt aus. Dann kann es losgehen.

Von ihrer Hochburg aus, dem Restaurant Peperoni, starten die Siegburger Tollitäten an Weiberfastnacht zu insgesamt elf Terminen, die bis in den Abend reichen.

Der Tag hat schon früh begonnen. Während der Prinz wie gewohnt etwa zehn Minuten braucht, um sein Ornat anzulegen, dauert es bei ihrer Lieblichkeit etwas länger, zumal auch noch eine Friseurin für den perfekten Sitz des Haares sorgt. Vorher muss sie allerdings dem Gatten beim Anlegen seines närrischen Outfits helfen. "Das Ornat ist wie ein Panzer und wird am Rücken zugeknöpft." Das könne er nicht alleine, erklärt Schuster. Zu seinen Aufgaben gehört außerdem frühmorgens das Einpacken von abgezählten Orden und Strüssjer zum Verteilen.

Und ganz wichtig: Er muss an die Orden denken, die er selbst schon im Laufe der Session erhalten hat. "Es gehört sich, dass man den Orden der jeweiligen Gastgeber trägt, bei denen man noch einmal eingeladen ist", so der Prinz. Abgeholt werden die beiden am Wohnort Oberpleis von Adjutant Jörg Sola-Schröder, der sie in die Hofburg chauffiert, wo mit Gefolge und Komitee-Präsident Günter Krengel ein gemeinsames Frühstück und ein Glas Sekt auf dem Programm stehen.

"Für den Kreislauf", so Margret I. mit verschmitztem Lächeln. Dann folgt noch ein kurzes Briefing zum Tagesablauf durch Krengel, der in jeder Session die Aufgabe eines Zeremonienmeisters hat. So gibt er dem jeweiligen Prinzenpaar beispielsweise vor jedem Einzug in einen Saal kurze Informationen, wer zu begrüßen ist oder einen Orden erhalten muss. Das ist alles streng geregelt, und bei Formalitäten hört der Spaß im Karneval auf.

Der erste Termin findet in den Räumen der VR-Bank am Europaplatz statt. Gut beschirmt vom Adjutanten eilt die Siegburgia bei strömendem Regen zum Eingang, wo ein Jugendlicher sie abfängt und um ein Selfie bittet. Kein Thema für Margret. Und rein ins Vergnügen. Standartenträger Daniel vorweg, dann das Gefolge, zum Schluss die Hauptpersonen. Sebastian I. winkt den Bänkern fleißig zu, Margret spart nicht mit Kusshändchen.

Sie übernimmt auch gleich als Angehörige des weiblichen Geschlechts, das ihrer Feststellung nach Weiberfastnacht ja das Sagen hat, das Mikrofon, stellt das Gefolge vor und gibt dann eine Erklärung ab, warum sie sich seinerzeit in den Prinzen verliebt hat: "Im Winter kann ich mich an ihm wärmen, im Sommer wirft er 'nen üppigen Schatten." Die Jecken sind begeistert von der Natürlichkeit und dem Charme der Siegburgia. Gegenseitige Ordensverleihungen mit dem Gastgeber, Bützje links und rechts, Anstoßen mit einem Kölsch, ein dreifaches Alaaf auf Prinzenpaar, Gastgeber und Siegburg, schon guckt Krengel wieder auf die Uhr. Abmarsch.

Beim Gang zur Kreissparkasse kommt bei Schuster für einen Moment der Landrat durch: "Ich finde es erschreckend, dass hier am S-Carré um diese Uhrzeit schon so viele alkoholisierte Jugendliche herumlaufen", sagt er und zeigt sich gleichzeitig zufrieden mit der hohen Präsenz von Polizei- und Ordnungskräften. Dann ist er wieder ganz Prinz und hat im Nu die Jecken begeistert. Und zwar mit der Feststellung: "Ich habe gehört, die weiblichen Mitarbeiter sind chronisch unterbützt." Das werde er sofort ändern und die "Spitze(n)männer" aus Oberpleis, sein Gefolge, ausschwärmen lassen, "um mit der Therapie zu beginnen". Die Banker sind hingerissen, der nächste Termin wartet.

Gleiche Prozedur im Finanzamt. Zuerst ergreift Margret das Wort, danach Sebastian. Dann ist Pause. Besuch und Mittagessen im Kaufhof stehen auf der Liste des Prinzen-Trosses. Von da aus geht es zur Kreisverwaltung, später unter anderem noch zu Veranstaltungen nach Kaldauen, auf den Stallberg, nach Buisdorf und in die Rhein-Sieg-Halle. Und zum Abschluss haben die beiden Sympathieträger noch ein Heimspiel: bei der Damensitzung in Oberpleis. Fazit der Schusters: "Es hat riesigen Spaß gemacht, die Stimmung war überall großartig, und wir sind bei jedem Auftritt herzlich empfangen worden."