Fische werden auf die Reise geschickt: Schüler aus Siegburg setzen Lachse in der Sieg aus

Fische werden auf die Reise geschickt : Schüler aus Siegburg setzen Lachse in der Sieg aus

Etwa 90 Schüler haben Mini-Lachse in der Sieg ausgesetzt. Insgesamt wurden 1500 Fische auf eine lange Reise geschickt. Die Zahl ist im Vergleich zu weiteren Aktionen aber nur ein Bruchteil.

Sie sind noch ganz winzig und schwimmen aufgeregt in Eimern herum. Die Rede ist von den Mini-Lachsen, die etwa 90 Schüler unterhalb des Buisdorfer Wehrs in der Sieg aussetzen. Das tun sie in kleinen Gruppen nach den Anweisungen von Christian Starkloff. „Ihr müsst erst vorsichtig Wasser reinlaufen lassen“, sagt der Agraringenieur, und alle Kinder halten ihre Eimer in die Strömung. Dann kippen sie sie vorsichtig aus. 1500 Mini-Lachse gelangen auf diese Weise in die Sieg. Doch das sind nur Peanuts.

„Normalerweise setzen wir 10 000 bis 20 000 Lachse aus. Das hier ist nur ein Schaubesatz für die Kinder“, sagt Frank Molls. Der Geschäftsführer des Rheinischen Fischereiverbandes und der Stiftung Wasserlauf NRW hatte zuvor den Schülern der Hans-Alfred-Keller-Grundschule, der Alexander-von- Humboldt-Realschule und der Gesamtschule Siegburg Urkunden für ihre Mitarbeit überreicht. Hintergrund für die Umweltkampagne mit dem Titel „Der Lachs soll endlich wieder nach Siegen kommen“ sind die noch immer nicht beseitigten Hindernisse im Flusslauf. Während gerade erst die Fischschutzanlage am Wasserkraftwerk Unkelmühle in Eitorf in Betrieb ging, lauert die nächste Gefahr am Siegwasserfall in Schladern. Das Wasserkraftwerk ist in privater Hand, aber das Land könnte den Anstoß und Fördergelder geben, um diese Anlage für Fische besser passierbar zu machen.

Lachse werden unter Kontrolle aufgezogen

„Ich weiß nicht, wo es hakt“, sagt Molls mit Blick auf andere Wehre und Kraftwerke am Oberlauf in Rheinland-Pfalz. Darum fordert der Rheinische Fischereiverband, der wie die Stiftung seinen Sitz am Buisdorfer Wehr hat, die Sieg für Wanderfische wieder durchgängig zu machen. Die Kampagne, die von einigen großen Unternehmen und der Wildtier- und Biotopschutz-Stiftung NRW unterstützt wird, startete schon zwei Tage zuvor und wurde in Siegen, Wissen und Eitorf.

Die kleinen Fischchen entstammen keiner Zucht, sondern wurden von „Lachsflüsterer“, wie Molls den Fischwirt Sven Wohlgemuth augenzwinkernd nennt, aus dem Laich freilebender Lachse gewonnen. Dazu sind die Fachleute zwischen September und November jeden Tag am Wehr und entnehmen der Hälfte der aufsteigenden Lachse ihren Laich, um ihn kontrolliert aufzuziehen. „Wir nennen das Zwischenvermehrung“, sagt Molls und erklärt, dass damit der Bestand gestärkt werde, da die Verluste in der freien Natur deutlich größer seien. In der Wildlachsstation beim Wahnbachtalsperrenverband wachsen die Tiere heran. Nach ihrer Auswilderung bleiben sie etwa zwei Jahre in der Sieg und wandern dann flussabwärts in den Rhein und weiter ins Meer. Vor Grönland leben sie etwa drei bis vier Jahre, bevor sie sich wieder auf den bis zu 6000 Kilometer langen Weg zurück zu ihren Laichgewässern machen.

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