Streik im Rhein-Sieg-Kreis: RSVG-Busse rollen wieder

Streik im Rhein-Sieg-Kreis : RSVG-Busse rollen wieder

Ein unangekündigter Streik bei der Rhein-Sieg Verkehrsgesellschaft (RSVG) führte am Morgen zu großen Störungen im Busverkehr im Rhein-Sieg-Kreis.

Wie leergefegt sah es am Freitagmorgen am Siegburger Busbahnhof aus. Ein unangekündigter Streik der Gewerkschaft Verdi sorgt am Freitagmorgen für erhebliche Einschränkungen auf den Buslinien der RSVG. Nach ersten Informationen sind alle Linien betroffen. Gegen 11 Uhr beendete das Personal den Ausstand. Ab 11.30 Uhr rollte der Busverkehr allmählich wieder an.

Das Verkehrsunternehmen wurde selbst am frühen Morgen von der Nachricht überrascht. Eine Streikankündigung oder Informationen zu den Auswirkungen hat die RSVG daher zunächst nicht veröffentlichen können. Eine Mitarbeiterin des Siegburger Kundenzentrums sagte dem General-Anzeiger, sie habe von dem Streik erst über die Anzeigetafeln am Busbahnhof erfahren.

"Guter Stil wäre es gewesen, uns 24 Stunden vorher über den Streik zu informieren", sagte RSVG-Sprecher Bernd Lescrinier. Die Internetseite des Unternehmens brachen wegen der zahlreichen Aufrufe am Freitagmorgen zusammen. Eine erste Meldung erfolgte daher über den Kurznachrichtendienst Twitter. Auch der telefonische Kundendienst war zwischenzeitlich überlastet. Die RSVG befördert täglich durchschnittlich rund 100.000 Fahrgäste.

"Ich wollte eigentlich in einer Stunde in Troisdorf sein. Wer ersetzt mir jetzt den Verdienstausfall?", sagte ein aufgebrachter Fahrgast dem GA-Reporter am Siegburger Busbahnhof. Für Verwirrung sorgte bei einigen Kunden dort zudem die Anzeigentafel. "Alle Linien sind wie geplant angezeigt, nur ein kleiner Zusatz verrät, dass kein Bus fährt", beschwerte sich ein junger Fahrgast.

Auch die Busfahrer der Subunternehmen waren völlig unvorbereitet von dem Streik getroffen. "Wir haben auch null Informationen bekommen", sagte ein Fahrer.

Unmut äußerten viele Kunden vor allem über den Ausfall von Schulbussen. "Besonders ärgerlich ist das, weil heute auch noch Abiturprüfungen stattfinden", sagte Lescrinier. Auch Grundschulkinder standen vergebens an den Bushaltestellen.

Auch auf der Facebookseite des General-Anzeigers kritisierten User das Vorgehen der Gewerkschaft.

Schulen im Rhein-Sieg-Kreis: Kein Unterrichtsausfall

„Einige Schüler konnten tatsächlich gar nicht kommen. Vor allem Schüler aus kleinen Dörfern, wo nur ein Linienbus fährt, waren aufgeschmissen", sagte Schulleiter Martin Roth vom städtischen Gymnasium in Hennef auf GA-Anfrage. Viele Eltern hätten von dem Streik zu spät erfahren und waren selbst schon auf dem Weg zur Arbeit, so Roth. „Die haben dann angerufen und uns mitgeteilt, dass ihr Kind heute gar nicht kommen kann.“

Keine negativen Auswirkungen hatte der Streik derweil auf das schriftliche Abitur in Französisch. „Ich muss sagen, da haben sich die Schüler sehr gut gegenseitig unterstützt, so dass wir mit den Prüfungen pünktlich um 9 Uhr starten konnten“, so Roth. Viele Schüler hätten sich etwa über WhatsApp-Gruppen organisiert und beispielsweise kurzfristig Fahrgemeinschaften gebildet. Auch im Siegburger Gymnasium Alleestraße konnte die Abiturprüfung problemlos starten: "Alle angehenden Abiturienten waren da", berichtet Schulleiterin Margret Sagorski.

Charlotte Baer aus dem Sekretariat des Rhein-Sieg-Gymnasiums in Sankt Augustin sagte: „Es ist durchaus so, dass Schüler und auch Lehrer aufgrund des Streiks zu spät gekommen sind. Da keine Busse fuhren, waren ja auch die Straßen entsprechend verstopft. Abitur-Prüfungen sind heute bei uns aber keine angesetzt und es musste auch kein Unterricht ausfallen.“

Michael Arndt, stellvertretender Schulleiter des Anno-Gymnasiums in Siegburg: „Es ist natürlich unerfreulich, dass dieser Streik uns so unerwartet erreicht hat. Natürlich sind einige Schüler und Lehrer zu spät gekommen, es musste aber kein Unterricht ausfallen.“

Keine Auswirkungen hatte der Streik der RSVG auch für die Schüler des städtischen Siebengebirgsgymnasiums in Bad Honnef, wo am Freitag wie an den anderen Schulen im Verbreitungsgebiet die Abiturklausuren im Fach Französisch geschrieben wurden. Weder Leistungskurs-, noch Grundkursschüler, die in der Fremdsprache ihre Prüfungen ablegen mussten, kamen zu spät, teilte die Schule auf GA-Anfrage mit. Lediglich ein Schüler aus Windhagen stieg am Morgen in das elterliche Auto um und ließ sich so ebenfalls noch rechtzeitig zur Schule bringen, hieß es.

Ein ähnliches Bild am Gymnasium Schloss Hagerhof am Menzenberg: Auch dort erreichten alle Schüler pünktlich die Schule, so dass die Französisch-Grundkursklausur ohne Probleme starten konnte. In Königswinter lief ebenfalls alles glatt: „Alle Schüler waren rechtzeitig da“, hieß es am Gymnasium am Oelberg in Königswinter. Und auch an der Jugenddorf Christophorusschule in der Königswinterer Altstadt kamen alle Abiturienten pünktlich zu Klausurbeginn. „Einige sind selbst mit dem Auto gekommen, andere wurden von ihren Eltern gebracht“, so Pressesprecherin Astrid Karres, die den Zeitpunkt für den unangekündigten Streik besonders schlecht gewählt findet. Allerdings vermutet sie, dass die Gewerkschaft die Abiturklausuren vermutlich gar nicht auf dem Schirm hatten.

Streik startete ab 3.30 Uhr

Verdi hatte die Beschäftigten der RSVG und der Bus- und Bahn Verkehrsgesellschaft mbH des Rhein-Sieg-Kreises (BBV) seit 3.30 Uhr zum Warnstreik aufgerufen.

Ziel sei es, den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen bei der RSVG-BBV zu erhöhen, teilte Verdi mit. „Nach zwei Verhandlungsrunden gibt es keine Anzeichen für eine Bewegung auf Arbeitgeberseite“, kritisiert Peter Büddicker, Fachbereichsleiter Verkehr im Verdi-Landesbezirk NRW.

Lescrinier reagierte mit Unverständnis angesichts der drastischen Maßnahme der Gewerkschaft, mit der Verbesserungen im Haustarif des Unternehmens angestrebt werden. "Die Beschäftigten haben erst am 1. Februar eine Lohnerhöhung von 2,35 Prozent durchgesetzt", so der Sprecher.

Wie die Verkehrsgesellschaft mitteilt, sind Busse der Subunternehmer nicht betroffen. Welche Linien daher im Einzelnen von dem Streik ausgenommen sind, war zunächst nicht zu erfahren. (Marcel Dörsing, Sebastian Meltz, Laszlo Scheuch, Katrin Janßen, Claudia Sülzen)

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