Nahverkehr: Rhein-Sieg-Kreis will mehr Pendler auf dem Fahrrad

Nahverkehr : Rhein-Sieg-Kreis will mehr Pendler auf dem Fahrrad

Der Rhein-Sieg-Kreis plant, 2200 Pendler zum Umstieg vom Auto auf das Fahrrad zu bewegen. Investitionen in gute Verbindungsradwege sollen dabei helfen.

Die Straßen und Autobahnen im Kreis sind überfüllt, Autofahrer stehen ständig im Stau. Eine Alternative zum Auto könnte das Fahrrad sein. Radfahren war daher das dominierende Thema im Ausschuss für Planung und Verkehr des Rhein-Sieg-Kreises. Viel diskutiert wurde etwa über eine Machbarkeitsstudie zu leistungsfähigen Radpendlerrouten im Rechtsrheinischen. Darin gehen die Gutachter von einem Potenzial von zusätzlich rund 2200 Radfahrern im Rhein-Sieg-Kreis aus.

„Wir haben festgestellt, dass die Infrastruktur stark überlastet ist“, sagte Gutachter Philipp Nahr, der die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorstellte. Durchgeführt wurde diese von der Lindschulte Ingenieurgesellschaft aus Düsseldorf im Projektteam mit SSP Consult aus Köln. Sie untersuchten vier Routen. Eine davon soll von Niederkassel und Troisdorf nach Köln-Deutz führen. Ein Zubringer zur Haupttrasse ist vom S-Bahnhof in Troisdorf-Spich angedacht.

Für den Rhein-Sieg-Kreis seien zudem weitere Verknüpfungen betrachtet worden, etwa eine Verbindung zwischen Troisdorf und Siegburg, aber auch Anbindungspunkte zu Radschnellwegeverbindungen nach Bonn. „Wir haben einfach mal geschaut: Wo sind Schulen? Wo sind Arbeitgeber? Wo sind vielleicht auch Naturschutzgebiete?“, erklärte Nahr. Das Ziel bestehe darin, Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsorte mit hohem Verkehrsaufkommen für den Radverkehr attraktiver zu machen und „gleichzeitig die Funktion des Fahrrads als Zubringer zum Schienenverkehr zu stärken.“

Ein großes Ergebnis der Machbarkeitsstudie sei zudem das hohe Verlagerungspotenzial des Verkehrs aufs Fahrrad. Laut Gutachter Nahr rechnen die Experten damit, sechs Prozent der Autofahrer auf den Radverkehr ummünzen zu können. Finanziert werden soll das Projekt über die Regionale 2025 „Bergisches Land“. Horst Becker (Grüne) äußerte Zweifel an der Beteiligung des Kreises, der „nicht nur als Bestandteil, sondern als profitierender, erweiterter Wirkungsraum“ Teil des Projekts sein müsse. Er schlug vor, die Route entlang der Landesstraße 288 über Lohmar und Rösrath zu erweitern, denn „das wäre ein Teilstück, das durch den Rhein-Sieg-Kreis führen würde“, so Becker.

ADFC befürwortet Verlängerung von Route

Auch eine Erweiterung nach Neunkirchen-Seelscheid regte er an. „Die Planung kann nicht an den Kreisgrenzen aufhören“, meinte auch Oliver Krauß von der CDU. Da waren sich die Politiker einig: Die Erweiterung der angedachten Route von Troisdorf/Niederkassel nach Köln-Deutz wurde einstimmig beschlossen. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub befürwortet die Verlängerung der Route über Lohmar, wie der ADFC in einer Pressemitteilung äußert: „Auf diese Weise würde der Radweg entlang der L288, der sich in einem miserablen Zustand befindet, endlich die überfällige Sanierung erhalten“, heißt es dort.

Um Kritik des ADFC an einigen Wegeabschnitten des Agger-Sülz-Radwegs ging es beim nächsten Tagesordnungspunkt. Der Radweg östlich der Agger zwischen Troisdorf und Lohmar ist laut ADFC zwischen der K20 und der L84 in einem nicht optimalen Zustand. Besonders eine der drei dort parallel verlaufenden Fahrradrouten habe eine naturnahe Wegeoberfläche, die bei Regen matschig werden würde. Da diese Route allerdings durch das Naturschutzgebiet „Wahner Heide“ verläuft, sind dem Ausbau der Wege dort laut Vorlage der Kreisverwaltung enge Grenzen gesetzt.

Die Politiker einigten sich darauf, diesen Radweg sichtbar als Naturroute auszuweisen. Die zweite Route, die direkt durch Lohmar führt und teilweise asphaltiert ist, solle als Schlechtwetter- und Pendlerroute genutzt werden und die dritte Route über die Hauptstraße und entlang des Jabaches als Stadtroute ausgewiesen werden. „Dann entsteht keine Verwirrung und die Leute können sich daran orientieren“, so der Lohmarer Horst Becker.

Einstimmig beschlossen wurde, dass die Kreisverwaltung prüfen solle, ob Mobilstationen Teil des Nahverkehrs werden könnten. Gerade im ländlichen Raum könnten die einen wesentlichen Beitrag zur Erreichbarkeit verschiedener Ziele leisten.

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