9473 Verkehrsunfälle im Jahr 2018: Rhein-Sieg-Kreis seit Jahren sicherster NRW-Kreis

9473 Verkehrsunfälle im Jahr 2018 : Rhein-Sieg-Kreis seit Jahren sicherster NRW-Kreis

Die Polizei stellt die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2018 vor. Handysünder sollen stärker ins Visier genommen und Pedelec-Fahrer über besondere Gefahren aufgeklärt werden.

Etwas mehr Verkehrsunfälle, mehr Schwerverletzte, mehr schwere Sachschäden, aber weniger Verkehrstote – das ist die Bilanz der Polizei Rhein-Sieg für 2018. Am Mittwoch stellten die Ermittler die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2018 vor. Für den Leitenden Polizeidirektor Günter Brodeßer, Abteilungsleiter Polizei, eine Herzensangelegenheit: „Für die Opfer und auch vor dem Hintergrund der mittelbaren Opfer, also den Angehörigen, und dem damit verbundenen Leid ist es eine wichtige Kernaufgabe der Polizei, Unfälle zu verhindern.“

Insgesamt zog Brodeßer für das Jahr 2018 eine gute Bilanz: Auch wenn die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich seiner Behörde insgesamt von 9430 um 43 Unfälle auf 9473 leicht gestiegen ist, sei die Wahrscheinlichkeit, umgerechnet auf 100.000 Einwohner, im Rhein-Sieg-Kreis in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, äußerst gering. „Im Land Nordrhein-Westfalen sind wir auf dem 1. Platz. Wir haben den besten Wert im Vergleich aller Behörden im Land. Das war bereits in den letzten zwölf Jahren so.“ Oder anders gesagt: Bezogen auf die Unfallwahrscheinlich sei der Rhein-Sieg-Kreis somit „der sicherste Kreis des Landes NRW“.

Kontrollen sollen intensiviert werden

Ein genaues Augenmerk werde die Polizei auf die Themen der Fahrtauglichkeit von jungen wie älteren Verkehrsteilnehmern legen, aber auch auf die Kontrolle des Handyverbots am Steuer. Die Dunkelziffer der Fälle, in denen die Handynutzung Unfälle verursacht habe, sei noch groß, weshalb man die Kontrollen intensivieren werde. „Wir stellen bei begründetem Verdacht nach Unfällen Handys sicher, wir werten sie aus und wir können die Nutzung auch nachweisen“, betonte Rainer Müller, Leiter der Direktion Verkehr, der die Statistik im Detail aufschlüsselte.

Personenschäden: Die Zahl der Leichtverletzten ist um sieben auf 1134 Verletzte gesunken. Bei den Schwerverletzten wurde eine Zunahme von 31 Personen auf 216 Verletzte verzeichnet. Die Zahl der Verkehrstoten ist von neun auf sechs gesunken: Zwei Pkw-Fahrer, zwei Radfahrer sowie zwei Motorradfahrer wurden 2018 bei Verkehrsunfällen getötet.

Junge Verkehrsteilnehmer: Die Zahlen der verunfallten Kinder sind mit 224 (2017: 222) und der verunglückten Jugendlichen mit 615 (2017: 591) leicht gestiegen. Dabei wurden weniger nicht-angeschnallte Kinder verletzt, lobt die Polizei: „Die Gurtpflicht ist in der Gesellschaft weitestgehend angekommen.“ Positiv sei auch das weiter gesunkene Unfallrisiko für Jugendliche im Rhein-Sieg-Kreis, das 16 Prozent unter Landesdurchschnitt liege. Bei den „jungen Erwachsenen“ zwischen 18 und 24 Jahren habe man das beste Ergebnis der letzten Jahre erreicht.

Senioren: Bei den Über-65-Jährigen hat sich die Prognose der Polizei bewahrheitet: Die Zahl der verunglückten Senioren ist von 229 auf 250 gestiegen. Das sei mitunter demografischen Effekten geschuldet, so Polizeioberrat Rainer Müller: „Im Kreis leben nun 1,25 Prozent mehr Senioren als noch im Jahr 2017.“ Besonders stark gestiegen sei die Zahl der mit dem Fahrrad verunfallten Senioren, von 56 im Jahr 2017 auf 67 im Jahr 2018.

Fußgänger: 137 Fußgänger waren 2018 an Verkehrsunfällen beteiligt. Anders als in den Vorjahren gab es keine getöteten Fußgänger, dafür 24 Schwerverletzte (2017: 23) und 113 Leichtverletzte (2017: 98). Die Zahl der Kinder stieg dabei von 26 auf 42, so Müller: „Allerdings nicht unbedingt auf den Schulwegen, es gab viele Ursachen.“

Radfahrer: 265 Radfahrer, neun mehr als im Vorjahr, wurden in Unfälle verwickelt. Dem Plus steht in der Zehnjahresbilanz ein Minus von 6,5 Fällen gegenüber. Landesweit steigt die Zahl der Fahrradunfälle weiter. Häufige Ursache seien abbiegende Pkw, die Radfahrer auf dem Radweg übersähen, so Rainer Müller: „Für uns ist das noch einmal ein klares Zeichen, dass Fahrradfahrer auf die Straße gehören, wo sie von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen werden.“

Pedelecs: Laut Zahlen des Handels werde derzeit nahezu jedes zweite Fahrrad mit elektrischer Unterstützung bis 25 Stundenkilometer als „Pedelec 25“ verkauft. Diese werden überwiegend von Erwachsenen und Senioren gefahren, die zuweilen den Schub der Fahrräder unterschätzten, so Guido Hoffmann, Direktor der Verkehrsinspektion. Weil Pedelecs meist schneller unterwegs sind, sind die Unfälle auch häufig schwerer als bei anderen Radfahren. Die Zahl der Pedelec-Unfälle ist seit 2017 von 16 auf 40 im vergangenen Jahr gestiegen. Neben Kon-trollen will die Polizei nun mehr Aufklärung und spezielle Pedelec-Trainings für Kaufinteressierte anbieten.