Täter schuldunfähig: Prozessbeginn: Ehefrau in Siegburg mit 39 Beilhieben getötet

Täter schuldunfähig : Prozessbeginn: Ehefrau in Siegburg mit 39 Beilhieben getötet

Wegen des Mordes an seiner Frau steht seit diesem Donnerstag ein 37-jähriger Mann aus Siegburg vor Gericht. Er hatte seiner 28-jährigen Ehefrau mit einem Beil den Kopf eingeschlagen. Er gilt als schuldunfähig.

Mit 39 Beilhieben auf Kopf und Nacken hat er seine Ehefrau in der Nacht zum 1. Oktober 2017 in der gemeinsamen Wohnung in Siegburg getötet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus dem Kosovo zwar Mord vor, doch vor dem Bonner Schwurgericht geht es seit Donnerstag nicht darum, wie der 37-Jährige zu bestrafen ist. Denn Psychiatern zufolge leidet er an Schizophrenie und beging die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit. Deshalb beantragt der Ankläger nun, ihn zum Schutz der Allgemeinheit in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen.

Erst einen Monat vor der Tat hatte der 37-Jährige seine 26-jährige Frau nachkommen lassen aus dem Kosovo, wo das Paar im April geheiratet hatte. Er war 1998 als Kriegsflüchtling nach Deutschland gekommen und in Siegburg heimisch geworden. Seinen Lebensunterhalt verdiente er in der Gastronomie. Und was passiert sein soll, als er nach Kriegsende in die Heimat abgeschoben werden sollte, hat er seinem Anwalt Max Ziemer diktiert. Der verliest diese Erklärung nun zu Prozessbeginn. Der Bruder des Opfers sitzt dem 37-Jährigen als Nebenkläger gegenüber und hört genau zu.

Vor der Abschiebung habe sein Mandant große Angst gehabt, erklärt der Anwalt. Dann habe der 37-Jährige gehört, dass man nicht abgeschoben würde, wenn man an einer psychischen Erkrankung leide, und wenig später habe er tatsächlich große psychische Probleme bekommen, sei sogar in der psychiatrischen Klinik gewesen, wo man eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert habe.

Andere Ärzte hätten später die Diagnose Schizophrenie gestellt, und er habe Medikamente bekommen. Als er wegen seiner Erkrankung erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht geklagt und eine Duldung erhalten habe, sei es ihm besser gegangen, und schließlich habe er die Medikamente abgesetzt. 2015 habe er seine Frau im Kosovo kennengelernt. Die sei zwar mit einem anderen verlobt gewesen, habe aber unbedingt ihn gewollt. Irritiert habe ihn zwar, dass ein Kollege zu ihm gesagt habe, seine Braut sei mit dessen Bruder zusammen, den sie auch immer noch liebe. Aber im April 2017 sei im Kosovo die Hochzeit gefeiert worden, er habe in Siegburg eine Wohnung gefunden und eingerichtet.

Am 28. August sei sie endlich zu ihm gezogen, und er sei glücklich gewesen, denn er habe sie sehr geliebt. Doch hier sei sie plötzlich ganz anders gewesen. Sie habe schlecht über seine Familie geredet, und dann sei er auch noch von seinem Chef schlecht behandelt worden. Ihm sei es immer schlechter gegangen. Kurz vor der Tat habe in der Hotelküche plötzlich ein Mann gestanden und gesagt, er nehme ihm seine Frau weg für seinen Bruder, und drei Tage vor der Tat habe seine Frau ihm den sexuellen Kontakt verweigert.

In der Nacht zum 1. Oktober habe er schlaflos im Bett gelegen, als seine Frau plötzlich eine Textnachricht auf ihrem Handy erhielt. Er habe geglaubt, die sei von ihrem Ex-Verlobten, und sie lesen wollen. Als sie das abgelehnt habe, sei es zum Streit und zum Handgemenge gekommen, sie habe erneut ihn und seine Familie beleidigt und verhöhnt und ihm eine Ohrfeige gegeben. Das habe er nicht hinnehmen können, denn in seiner Heimat dürfe eine Frau ihren Mann nicht schlagen. Er habe sie auch geschlagen und sie habe ihn weiter provoziert, gesagt, er sei ein Idiot und dass sie ihn verlasse. Da habe er Messer und Beil geholt, zugestochen und zugeschlagen. Die Frau verblutete. Er rief seinen Bruder an, der ihm riet, die Polizei zu holen.

„Er bereut die Tat zutiefst, aber er war nicht mehr er selbst“, erklärt Anwalt Ziemer. Aber sein Mandant versichere auch, er sei nicht der Alleinschuldige. Seine Frau habe ein falsches Spiel gespielt und ihn ausgenutzt. Der psychiatrische Gutachter wird dem Gericht demnächst erklären, ob diese Schilderungen der wahnhaften Vorstellung des 37-Jährigen entspringen.

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