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Polizeikonzept in Siegburg: Polizei bündelt an Karneval alle Kräfte

Polizeikonzept in Siegburg : Polizei bündelt an Karneval alle Kräfte

Mit einer speziellen Einsatzzentrale und noch nie dagewesener Personalstärke will die Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg für einen sicheren Karneval sorgen. „Die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln spielen dabei eine gewisse Rolle“, sagte am Donnerstag der verantwortliche Einsatzleiter Uwe Pasternak.

Bislang waren die jeweiligen Polizeiwachen zuständig. Das ändert sich: Die Einsatzleitung sitzt während der tollen Tage im Haupthaus in Siegburg. Das sei sonst nur bei Bedrohungslagen oder Demonstrationen der Fall, so Pasternak. Zur verhängten Urlaubssperre sagte Landrat Sebastian Schuster als Leiter der Kreispolizeibehörde: „Wir gehen Karneval mit dem maximalen Personaleinsatz an. Das umfasst auch die Kriminalpolizei und die Verwaltungsmitarbeiter. Wir wollen sicherstellen, dass die Menschen vernünftig Karneval feiern können. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung hat Schaden genommen.“

Seit Beginn des Jahres bereitet eine eigens gebildete Gruppe die Einsatzkonzepte vor. Das unterscheidet sich deutlich von denen der Vorjahre. Es gibt mehrere Varianten, da noch nicht klar ist, ob die angefragte Bereitschaftspolizei tatsächlich zur Verfügung steht. Kommt die Unterstützung nicht, müssten die Polizisten längere Schichten fahren oder gegebenenfalls auf ihren freien Tag verzichten, erklärte Pasternak. Und: „Vielleicht müssten wir auch überlegen, Kollegen einzusetzen, die schon Reisen gebucht haben.“ Zudem setzt die Polizei auch Kommissaranwärter ein, die noch studieren. „Die werden aber durch erfahrene Polizisten begleitet“, sagte Polizeisprecher Burkhard Rick. Zur Anzahl der eingesetzten Polizisten schwieg Pasternak aus einsatztaktischen Gründen.

Ein Schwerpunkt der Konzepte liegt auf den großen Veranstaltungen, unter anderem den Weiberfastnachtspartys in Siegburg und Hennef oder den großen Rosenmontagszügen. „Unsere Arbeit ist sehr, sehr komplex, weil wir nicht nur ein Stadtgebiet haben, sondern elf Kommunen. Wir müssen uns auf 44 Karnevalsumzüge vorbereiten“, sagte Pasternak.

Das Konzept umfasst neben der Einsatzzentrale vier weitere Säulen: Sichtbare Präsenz, spezielle Eingreifkräfte bei Konflikten, verdeckte Ermittler und eine Einheit zur Beweissicherung. Zudem will die Kreispolizeibehörde verstärkt auf die sozialen Netzwerke achten, um plötzliche Ereignisse wie etwa die sexuellen Übergriffe in Köln so zu erkennen.

Keine Hinweise auf geplante Straftaten an Karneval

Bislang gebe es aber noch keine Hinweise auf geplante Straftaten an Karneval, sagte Pasternak. „Wir sind aber besonders eingestellt auf mögliche Sexualstraftaten“, sagte er. Kreisdirektorin Annerose Heinze sagte: „Auch im Karneval gelten gewisse Regeln. Ein Nein ist ein Nein. Ein Bützchen ist keine Einladung zu Übergriffen.“ Der leitende Polizeidirektor Günter Brodeßer sagte: „Es geht nicht, dass Frauen Angst haben, sich abends auf öffentlichen Plätzen zu bewegen. Wir wollen aber nicht, dass Flüchtlinge unter Generalverdacht gestellt werden.“

Deshalb hat er die Kampagne „Respekt – auch im Karneval“ ins Leben gerufen. Zudem gibt es einen mehrsprachigen Flyer für Flüchtlinge, um sie auf den Karneval vorzubereiten.