Naherholung und Hochwasserschutz: Pläne für die Renaturierung der Sieg werden konkret

Naherholung und Hochwasserschutz : Pläne für die Renaturierung der Sieg werden konkret

Im Bereich der Sieg soll der Hochwasserschutz verstärkt und die Naherholung noch attraktiver werden. Seit 2012 gibt es Pläne für eine erfolgreiche Renaturierung der Sieg.

Idyllische grüne Auen, darin ein sich gemächlich windender Fluss mit Sandbänken, Inseln und breiten Ufern: So könnte die Sieg in Zukunft einmal aussehen. Zumindest theoretisch. Bereits seit 2012 gibt es Umsetzungsfahrpläne, um in regionaler Kooperation der Kommunen entlang der Sieg die Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen und die Sieg schrittweise zu renaturieren.

Denn über viele Jahrzehnte war die Sieg weniger ein Fluss als vielmehr ein Kanal, an dessen grünen Ufern massive Steinblöcke den Verlauf des Gewässers bestimmten. Seit 2012 werden die Zügel schrittweise gelockert. Hatten die Pläne der „Entfesselung der Sieg“ seinerzeit noch für große Sorgen und Proteste der Landwirte, Freizeitnutzer und Anlieger entlang des Flusses gesorgt, ist es über die Jahre an der Front der Kritiker ruhiger geworden, wie Dirk Schneemann, Sprecher der Bezirksregierung Köln, auf Nachfrage bestätigte. Und am Fluss auch natürlicher.

Gemäß dem 2012 verabschiedeten Umsetzungsfahrplan wurden im Zuge der Gewässerunterhaltung der Bezirksregierung durch den Siegbetriebshof Eitorf verschiedene Projekte umgesetzt. Etwa im Bereich Siegburg-Zange zwischen Sieg-Kilometer 11,0 und 11,35. Dort sind künstliche Steinreihen „eingebaut“ worden, um die Strömung der Sieg zu lenken sowie das Siegufer auf Siegburger Seite neu zu modellieren. Dabei war im September 2018 eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und nach umfangreicher Evakuierung auch entschärft worden.

Alle Maßnahmen sollen eigendynamische Entwicklung des Flusses ermöglichen

Wo einst die Bombe hinter massiven Steinreihen verborgen lag, hat sich der Fluss in einem „eigendynamischen Entwicklungsprozess“ das Ufer zurückerobert und früher am Ufer stehenden Bäumen zu einer eigenen Insel verholfen. Ähnliches entwickelte sich in Sankt Augustin-Mülldorf nahe der Siegbrücke, wo die Bezirksregierung eine „Redynamisierung des Gewässerprofils“ vornehmen ließ und einen Altarm für den Fluss wieder erreichbar machte.

Auch in Hennef, Eitorf und Windeck seien solche kleineren Projekte bereits umgesetzt worden, so Schneemann: „Bei allen Maßnahmen ist zu beachten, dass diese nur ein Initial darstellen, welches eine eigendynamische Entwicklung des Gewässers ermöglichen soll. Das langfristige Ziel ist, dass die Sieg in den Folgejahren – insbesondere bei Hochwasserabflüssen – die Ufer weiter abflacht, das Gewässerbett verbreitert, die Lauflänge vergrößert und verschiedene Strukturen im Wasserkörper wie Kiesbänke und Flachwasserbereiche selber entwickelt“, sagte Schneemann.

Zurzeit befinde sich ein größeres Projekt zur Laufverlängerung und Aufweitung der Sieg im Bereich oberhalb der Siegbrücke der B 56 in Zusammenarbeit mit der Stadt Siegburg in der Planungsphase, so Schneemann: Da dafür ein Planfeststellungsverfahren erfolgen müsse, sei die Umsetzung jedoch noch nicht absehbar. In Arbeit sei auch das Planfeststellungsverfahren für den letzten Siegabschnitt zwischen Troisdorf und dem Rhein. „Nach der Offenlage der Planunterlagen im Jahr 2014 sind Änderungsplanungen beauftragt worden, die kurz vor der Fertigstellung stehen“, so der Sprecher der Bezirksregierung.

Mehr Hochwasserschutz und mehr Möglichkeiten zur Freizeitnutzung

Das Projekt sieht eine Stärkung des Hochwasserschutzes, eine Steigerung der Attraktivität für die Freizeitnutzung und Naherholung sowie die Reaktivierung der naturnahen Auen- und Gewässerstrukturen vor. Dafür benötigt die Sieg Platz, der in den Siegauen überwiegend auf den bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen zu finden ist.

Der Platzbedarf war 2012 zum großen Streitthema der Renaturierung geworden. Nach der Überarbeitung ihrer Pläne werde die Bezirksregierung sich erneut um intensive Abstimmungen bemühen und vertragliche Regelungen mit den betroffenen Kommunen, Naturschutzbehörden und der Landwirtschaft treffen, kündigte Schneemann an. Seit 2014 sei die öffentliche Diskussion zwar „bis zum Erliegen“ gekommen, doch mit einer Belebung sei im weiteren Fortschritt des Verfahrens zu rechnen.

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