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Siegburger Kita "Kinderreich": Neues Leben kurz vor der Schließung

Siegburger Kita "Kinderreich" : Neues Leben kurz vor der Schließung

Schon von Weitem fallen die bunten Bilder und Buchstaben ins Auge und sorgen gleich für gute Laune. Der Graffiti-Kursus im Rahmen der Zukunftswerkstatt des Jungen Forums Kunst (JFK) hatte für letzte Woche die Erlaubnis erhalten, sich an den tristen Innen- und Außenwänden der Kita "Kinderreich" im Stadtteil Zange, in dem dieses Jahr auch die Sommerakademie durchgeführt wird, kreativ auszutoben.

Rund 25 Kinder und Jugendliche waren an der Verschönerung der Kita, die 2016 einen Neubau bezieht, beteiligt. Kursleiter Markus Salgert verstand die Spraybilder als Botschaft an die Kinder der Tagesstätte: "Zum Schluss bringen wir euch noch mal Leben rein." Das ist ihm und seiner Gruppe gelungen. Die Pänz der Einrichtung drückten sich an den Scheiben die Nasen platt und "hätten am liebsten mitgemacht", erklärte Kita-Leiterin Birgit Bombien am Freitag nach Vollendung der Spray-Aktion.

Innerhalb einer Woche war der Kursus fertig geworden und "ganz schön platt", wie Salgert auch für sich selbst feststellen musste. Der gesamte Kindergarten "einschließlich der Eltern" freue sich nach den Worten Bombiens über das Ergebnis. Schon bei der Vorstellung der Idee habe die Organisatorin der Zukunftswerkstatt, Martina Clasen, bei ihr "offene Türen eingerannt". Der Hof der Kita sei jetzt bunt und fröhlich, sagte sie strahlend und bedankte sich bei allen Beteiligten.

Die waren selbst glücklich über das Geleistete. Stolz zeigten etwa Hannah (9) und Marie (11), zwei Nachbarskinder und nach eigener Aussage "beste Freundinnen" aus Troisdorf, die Stellen an den Mauern, an denen sie mit ihren Spraydosen zum Gesamtkunstwerk beigetragen hatten. Es habe "riesigen Spaß" gemacht, so die Mädchen, und kündigten an: "Nächstes Jahr sind wir auf jeden Fall wieder dabei." Die Kita-Leiterin kann sich vorstellen, Teile der besprühten Mauern "als Erinnerung" in dem neuen Domizil zu integrieren.

Anbieten würde sich da beispielsweise der Schriftzug "Die Zukunft der Kids in unseren Händen", der in großen Lettern an einer Außenwand zur Katharinenstraße hin zu lesen ist. Er habe bei der Planung zusammen mit den Kursteilnehmern viel Wert darauf gelegt, dass alle Motive zu den Kita-Kindern passen, erklärte Salgert und betonte: "Bestimmte Worte aus der Umgangssprache der Jugendlichen waren tabu." Das hätten aber alle ganz schnell verinnerlicht und sich sogar untereinander ermahnt, kindgerechte Motive zu wählen. So prangen unter anderem die beliebten Minions, kleine gelbe Wesen mit nur einem Auge, auf den Wänden.

Begeistert zeigte sich auch Herbert Honisch vom Kirchenvorstand der Großgemeinde Sankt Servatius, der das Kita-Gebäude und das Grundstück gehören. Bei der Anfrage um Erlaubnis hatte er Clasen sofort seine Zustimmung erteilt. Selbstverständlich unterstütze die Gemeinde ihre "kunstorientierten Aktionen mit Heranwachsenden", hatte er Clasen mitgeteilt. Die Themenwahl sollte aber positiv und "zukunftsorientiert" sein und sich nicht auf den Abriss beziehen.

Was Salgert und seine Truppe Honisch nach Verbrauch von rund 200 Spraydosen präsentierten, gefiel ihm ausnahmslos. Und auch Clasen war mehr als zufrieden. Besonders darüber, dass es ihr gelungen war, "Mauern aufzutreiben". Denn das sei etwas ganz anderes für Graffiti-Künstler, als "Sperrholzplatten und Papierbögen zu besprühen", meinte Markus Salgert.