Siegburger Wirtschaftsdialog: Neue Wege für den Handel

Siegburger Wirtschaftsdialog : Neue Wege für den Handel

Der erste Siegburger Wirtschaftsdialog diskutiert mit 170 Besuchern die Zukunft des Einkaufens. Themen für die Entwicklung der Siegburger Innenstadt waren Parken, freies WLAN und die Bildung einer Immobilienstandortgesellschaft.

Alle müssten an einem Strang ziehen, um Siegburg weiter nach vorne zu bringen, sagte Bürgermeister Franz Huhn am Dienstag zur Begrüßung der Gäste beim Siegburger Wirtschaftsdialog im Stadtmuseum. Dabei stellten Wirtschaftsförderin Silke Göldner und Vertreter aus Handel und Politik Themen und Projekte vor, die für die Entwicklung der Siegburger Innenstadt relevant sein könnten – vom Parken über freies W-LAN bis hin zur Bildung einer Immobilienstandortgesellschaft.

Die Ideen waren vorab im „Arbeitskreis Einkaufsstadt Siegburg“ entwickelt worden, einem Gremium des Wirtschaftsförderungsausschusses. Die Ansätze wurden erstmalig in der Öffentlichkeit präsentiert und anschließend in kleinen Gruppen diskutiert. Rund 170 Teilnehmer, darunter viele Unternehmer, waren gekommen. Denn durch den Onlinehandel und den Huma-Neubau in Sankt Augustin – der wird 2017 fertig – verändern sich auch für die traditionelle Einkaufsstadt Siegburg die Rahmenbedingungen. Wie sich der Einzelhandel in diesem schwieriger werdenden Umfeld besser wappnen kann, dazu strebt Silke Göldner eine breite Diskussion an. Der Abend im Stadtmuseum sollte der Anfang sein, und es wurde schnell klar, dass die Unternehmer auch selbst gefordert sind.

„Ziel ist es, mitzumachen statt nur zuzuhören“, erklärte Huhn. „Die städtebaulichen Vorteile Siegburgs sind uneinholbar, wir müssen uns nun miteinander auf Ziele verständigen.“ Silke Göldner forderte die Geschäftsleute in ihrem Vortrag „Gemeinsam mehr bewegen“ dazu auf, intensiver zusammenzuarbeiten.

Bei der Präsentation von Otto Brandenburg von der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK) ging es um die Frage, wie der Einzelhandel die Herausforderungen der digitalen Zukunft meistern könne. Er empfahl einen Workshop unter dem Titel „digital und kundennah“ mit Zertifizierung durch die IHK. Beim Thema „Online“gebe es keine Patentlösung, machte Göldner deutlich. Wie sich ein Geschäft im Internet präsentiert, das müsse immer von Fall zu Fall betrachtet werden.

Die Gründung von Immobilien- und Standortgemeinschaften (ISG) in der Innenstadt regten Norbert Krudewig und Thomas Kronefeld an. Es handele sich dabei um Zusammenschlüsse von Grundeigentümern, Einzelhändlern und Dienstleistern. Diese haben das gemeinsame Ziel, „einen abgegrenzten Standort durch den Einsatz von personellen und finanziellen Mitteln auf der Basis eines gemeinsam entwickelten Handlungsprogramms zu sichern und weiter zu entwickeln“. Das klingt sperrig, soll aber letztlich die oft sehr verschiedenen Akteure – beispielsweise in einer größeren Einkaufsstraße – zusammenschweißen. Für sie fungiert zugleich eine ISG als Sprachrohr. Solche Interessengemeinschaften gibt es zum Beispiel in Bergisch Gladbach in Form eingetragener Vereine.

Mit Einkaufen und Parken beschäftigte sich Marik Hermann von der Firma „evopark“, die deutschlandweit Lösungen für verbesserte Parksituationen bietet. Ziel soll sein, Kunden länger in der Stadt zu halten. Marik berichtete, dass laut Studien bereits 60 Prozent der Autofahrer einen Besuch im lokalen Handel aufgrund der Parksituation ablehnen. Die seien aber die kaufkräftigste Kundengruppe des Einzelhandels.

Die derzeitige Parksituation in Siegburg und die mögliche Neuaufstellung eines Rückvergütungssystems stellte Geschäftsmann Winfrid Schneller vor. Ein WLAN-Konzept für die Siegburger Innenstadt sowie ein Online-City-Portal für das ganze Stadtgebiet präsentierte Bernd Lehmann von der Stadtverwaltung.

Für die Aktion „Heimat shoppen“, die 2017 in NRW startet, rührte schließlich Adalbert von der Osten, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Bonn Rhein-Sieg-Euskirchen, die Werbetrommel. Dabei geht es darum, den stationären Handel zu stärken und die Kunden von den Vorteilen des Einkaufs vor Ort statt im Internet zu überzeugen.

Silke Göldner wertete den Abend als Erfolg: Der Wirtschaftsdialog soll weitergehen und sich auch um andere Themen drehen.

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