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Arbeitsmarktprojekt: Neue Chance für Suchtkranke im Rhein-Sieg-Kreis

Arbeitsmarktprojekt : Neue Chance für Suchtkranke im Rhein-Sieg-Kreis

Der Rhein-Sieg-Kreis möchte gemeinsam mit der Diakonie ein Arbeitsangebot für Drogenabhängige starten. Beispiele gibt es bereits in anderen Kommunen in NRW.

Der Rhein-Sieg-Kreis möchte ein Projekt für Drogenkranke starten, um ihnen durch ein Arbeitsangebot zu einer Tagesstruktur zu verhelfen. Bei dem Projekt „Rhein-Sieg-Feger“ sollen abhängige Menschen unter Anleitung eines Sozialarbeiters täglich gemeinsam Abfall sammeln. „Es handelt sich um ein ganz niederschwelliges Angebot“, sagte Stephan Liermann vom Kreissozialamt am Montag im Sozialausschuss. Der Fokus richte sich auf suchtmittelabhängige Menschen, die in der Obdachlosen- und Drogenszene verkehren, und damit um einen Personenkreis, „der oftmals aus den sozialen Sicherungssystemen herausfällt“, heißt es von der Verwaltung.

Die Idee geht auf einen Beschluss des Ausschusses vom November 2018 zurück. Die Mitglieder hatten damals die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zu erstellen, wie die im Doppelhaushalt 2019/20 für Arbeitsmarktprojekte eingestellten Mittel eingesetzt werden können, um Menschen mit psychischen oder psychosozialen Einschränkungen beim Einsteig in das Erwerbsleben zu unterstützen. Die Verwaltung hat daraufhin Gespräche aufgenommen, um einen Kooperationspartner zu finden. Nach Treffen mit dem Diakonischen Werk an Sieg und Rhein sowie dem Verein für Gefährdetenhilfe Bonn möchte die Verwaltung nun das Projekt „Rhein-Sieg-Feger“ umsetzen.

Projekt soll in Troisdorf starten

In Essen, Köln und Bonn laufe ein solches Projekt bereits erfolgreich. Im Rhein-Sieg-Kreis soll es nun erst einmal im Bereich der Stadt Troisdorf starten, wo es bereits mit dem Café Koko der Diakonie einen Anlaufort für Süchtige gibt. Die Mitarbeiter bieten unter anderem warme Mahlzeiten an und stehen für Gespräche und Beratungen zur Verfügung. Das Projekt sieht vor, dass die Menschen montags bis freitags vom Café aus ihre Runde starten, Müll aufsammeln und dort auch wieder zusammenkommen. Da die Streetworker der Diakonie schon länger mit den suchtkranken Menschen zusammenarbeiten würden, bestehe bereits ein Vertrauensverhältnis. Dies würde das Finden geeigneter Personen für das Projekt erleichtern.

Die Politiker begrüßten die Idee. „Wir finden den Ansatz und die Anbindung an das Café gut“, sagte Harald Eichner (SPD). Christoph Küpper (FDP) sieht das Projekt ebenfalls positiv, er befürchtet jedoch mögliche Hemmungen bei den Drogenabhängigen, da diese – ausgestattet mit Arbeitsmitteln und Westen – deutlich zu erkennen sind und „so mit einem Stempel herumlaufen“ würden. Patrick Ehmann, Geschäftsführer der Diakonie Rhein/Sieg, entgegnete ihm: „Die Leute sagen, dass sie was tun wollen, um eine bessere Stellung in der Gesellschaft zu bekommen.“ Die Verwaltung will den Menschen ebenfalls vermitteln, dass „auch sie für die Gesellschaft wertvolle Arbeit leisten können“. Zudem werde der Beitrag zur Verbesserung des Stadtbildes von der Bevölkerung positiv aufgenommen, glaubt die Verwaltung.

Gabi Deussen-Dopstadt (Grüne) begrüßte die Maßnahme und dachte noch einen Schritt weiter. „Wir sollten die Perspektive der Menschen nicht aus den Augen verlieren und dabei auch auf ergänzende Angebote aufmerksam machen“, sagte sie. Das sah Matthias Schmitz (CDU) ähnlich: „Andere Aktivitäten sind zu vertiefen“, sagte er.

Kreis prüft Rahmenbedingungen

Das Arbeitsmarktprojekt sieht dies vor. Neben dem gemeinsamen Arbeitseinsatz soll es auch gemeinsame Mahlzeiten geben. Zudem bestehe das Angebot aus „gegebenenfalls erforderlichen weiteren unterstützenden Maßnahmen durch die betreuenden Sozialarbeiter“, heißt es von der Verwaltung.

Der Rhein-Sieg-Kreis prüft derzeit, ob und wenn ja, unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen der Auftrag an die Diakonie vergeben werden kann. Das Thema soll nun auch im kommenden Bau- und Vergabeausschuss besprochen werden.