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Bonn und die Region: Nachfrage nach Abstellplätzen für Fahrräder steigt

Bonn und die Region : Nachfrage nach Abstellplätzen für Fahrräder steigt

Ein E-Bike kostet locker 2000 Euro, aber auch sonst steigen die Preise für Räder, weil die Ansprüche steigen. Damit wird aber die Frage, wo und wie man sein Rad sicher abstellen kann immer dringender. Eine Studie zeigt: In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis gibt es erheblichen Bedarf.

Fahrräder werden immer teurer. Elektrisch unterstützte Pedelecs sind das sowieso. Deshalb ist die Nachfrage nach wirklich sicheren Abstellplätzen stark gestiegen. „Das ist ein Wahnsinnsthema“, sagt Annette Quaedvlieg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Bonn/Rhein-Sieg (ADFC). „Das Angebot ist katastrophal.“

Schutz vor Diebstahl:

Eine Studie aus dem vergangenen Jahr der Düsseldorfer Spiekermann Consulting Engineers im Auftrag des Nahverkehr Rheinland (NVR) bestätigt das: „Die Wichtigkeit an qualitativ höherwertigen Abstellanlagen steigt äquivalent mit der Anzahl der Besitzer von teureren Fahrrädern und E-Bikes (beziehungsweise Pedelecs). Deren Besitzer wollen eine vor Diebstahl und Vandalismus gesicherte Abstellmöglichkeit an Mobilstationen vorfinden. Dies spiegeln auch die Ausstattungswünsche der Befragten wider. Explizit werden von den Befragten vermehrt B+R-Boxen gewünscht, die eine qualitativ höherwertige Abstellmöglichkeit garantieren“, heißt es da.

„Fahrraddiebstahl ist mittlerweile ein Massendelikt“, sagt ADFC-Sprecher Axel Mörer. „Und die Aufklärungsquote im Gebiet des Polizeipräsidiums Bonn beträgt gerademal 4,3 Prozent. Deshalb überlegt man es sich gut, mit seinem teuren Fahrrad in die Stadt oder zur Bahn zu fahren.“ Selbst die teuren Schlösser seien für Profiknacker kein Problem. „Die fahren gerne mit dem Transporter dort vor, wo viele Fahrräder stehen. Die haben Bolzenschneider mit eingebautem Elektromotor und schneiden jedes Schloss in Sekunden auf, laden die Fahrräder ein und sind weg. Die Fahrräder werden in Osteuropa verkauft. Die sehen Sie nie wieder.“

Zu wenig Radstationen:

Da das Rad in Zukunft eine immer größere Rolle bei der Mobilität und Vermeidung von Autoverkehr spielen wird, „muss es ein gutes Angebot an Abstellmöglichkeiten in qualitativer und quantitativer Anzahl für Fahrräder geben“, stellen die Gutachter fest. Doch die sind im Kreis rar gesät.

Die Fahrradstation am ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn zum Beispiel bietet zwar 178 Stellplätze. „Für monatlich zwei Euro können Sie so Ihr Fahrrad sicher und trocken unterstellen“, werben die Stadtwerke Siegburg. Doch wer dort anruft, wird auf eine Warteliste vertröstet. Das gilt ebenfalls für jene, die ihr Fahrrad nur für ein paar Stunden oder einen Tag abgeben wollen. „Dasselbe Problem herrscht in Bonn in der neuen Radstation am Hauptbahnhof. Von den 500 Plätzen sind gerade mal 15 für Tagesparker reserviert. 30 Plätze braucht die Werkstatt. Für die Leihräder werden 120 Stellplätze benötigt. Der Rest sind Dauerparker“, hat Mörer festgestellt. „Wir brauchen wesentlich mehr kleinere Radstationen, etwa vollautomatische an neuralgischen Punkten wie Bahnhaltestellen oder in zentralen Lagen“, sagt Quaedvlieg.

Zumal immer mehr Arbeitgeber Fahrradleasing in Form eines Dienstrads anbieten. Manche Arbeitgeber wie etwa der Rhein-Sieg-Kreis stellen ihren Mitarbeitern Fahrradkeller zur Verfügung, aber das sind Ausnahmen. Fast hundert Stellplätze gibt es im Keller des Kreishauses für die Mitarbeiter, die das gut annehmen, wie eine Sprecherin bestätigte. Zugang haben nur Mitarbeiter der Verwaltung mit Schlüssel oder Zahlencode.

Beispiele:

Wer mit dem Fahrrad in die Siegburger Innenstadt fährt, merkt schnell, dass auch herkömmliche Radabstellplätze fehlen, um sein Fahrrad etwa an einen Bügel anzuketten. Vereinzelt sieht man sogenannte Wildparker. An der Kreissparkasse gibt es Abstellplätze und sogar Anschlüsse, um sein E-Bike aufzuladen. Auch am Amtsgericht gibt es Bügel für Fahrräder. Ansonsten sieht es eher mau aus. Am ICE-Bahnhof stehen massenhaft Fahrräder – trotz Bügel wirkt das alles sehr ungeordnet. Die Stadt Siegburg will noch in diesem Sommer mit dem Bau von elf sogenannten Mobilstationen beginnen – mit Abstellanlagen, Ladestationen, Luftpumpen und Schließfächern. „In Siegburg besteht erheblicher Nachholbedarf, unter anderem am Bahnhof, am Markt, an den Schulen und anderen Radverkehrszielen“, sagt Sebastian Gocht, Sprecher des ADFC Siegburg. Auch wenn Siegburg die Bedeutung des Radverkehrs erkannt habe, seien die Abstellplätze noch lange nicht ausreichend. Der ADFC habe der Stadt eine umfassende Bestandsaufnahme und Vorschläge für Abstellanlagen vorgelegt. Sie seien indes nicht berücksichtigt worden.

In der neuen Radstation am Bonner Hauptbahnhof gibt es dem ADFC zufolge nur 500 Stellplätze. Davon stehen den Dauer- und Tagesparkern nur 350 zur Verfügung: Ganze 15 davon sind für Tagesparker reserviert. 30 Plätze braucht die Werkstatt. Für die Leihräder werden 120 Stellplätze benötigt. Mörer: "Und die 15 Plätze für Tagesparker reichen vorne und hinten nicht."

Wie es geht, zeigt die Stadt Sankt Augustin mit ihrem Radhaus, das sie vor einem Jahr an der Haltestelle Sankt Augustin-Zentrum/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg eröffnet hat. Pendler können dort ihr Rad sicher abstellen, es gibt abschließbare Spinde für Helm und Fahrradtasche, Stromanschlüsse zum Aufladen von Fahrradakkus. Eine dynamische Fahrgastanzeige direkt am Radhaus zeigt die nächsten Verbindungen an, auf Knopfdruck auch durch eine Ansage.

In Bad Honnef wurde zuletzt über Fahrradstellplätze auf der Insel Grafenwerth diskutiert. Im Zuge der „Auffrischung“ des beliebten Ausflugsziels sollen zwar die 253 Abstellplätze für Räder erhalten bleiben. Allerdings war strittig, ob gute Sicht auf den Rhein oder gute Sicht aufs teure Pedelec wichtiger ist.

Das Gutachten des Nahverkehr Rheinland:

Spiekermann Consulting hat im vergangenen Jahr eine komplette Erfassung des Ist-Zustands der Haltestellen im gesamten NVR-Gebiet vorgenommen. An einigen Haltepunkten gibt es beispielsweise die abschließbaren Fahrradboxen, so wie etwa in Hangelar-Ost, in Alfter-Impekoven oder am Bahnhof Eitorf. 22 Prozent der Haltestellen mit B+R-Anlagen im NVR-Gebiet sind mit solchen Boxen ausgestattet. Diese bieten dem Nutzer einen umfangreichen Diebstahl- und Wetterschutz. In der Regel sind die Fahrradboxen kostenpflichtig und müssen vorher als Stellplatz reserviert werden. Bei der Erhebung wurde festgestellt, dass die Barrieren für die Nutzung der Abstellanlagen teilweise sehr hoch sind. Beispielsweise muss vor der Abstellmöglichkeit ein Mietvertrag bei der Verwaltung abgeschlossen werden. Zudem ist die Nutzung einer Box oft an eine lange Nutzungsdauer (Monat, Jahr) gekoppelt, sodass diese Art der Abstellmöglichkeit nichts für Gelegenheitsnutzer bietet.

Ebenfalls im NVR-Gebiet bereits vorhanden sind Haltestellen mit Stellplätzen in Fahrradparkhäusern, die per App oder im Vorfeld über das Internet für eine flexible Dauer gebucht werden können. Die sind aber sehr rar – sie gibt es beispielsweise am Bahnhof Erftstadt. Es besteht damit die Möglichkeit als Nutzer kurz- oder aber auch langfristig zu planen. Die Abrechnung erfolgt ebenso über die App oder das Internet mittels verschiedener Bezahlmöglichkeiten. 44 Prozent der Haltestellen sind der Studie zufolge mit überdachten Abstellanlagen ausgestattet, wodurch die abgestellten Fahrräder zwar vor Wind und Wetter, aber nicht vor Diebstahl und Vandalismus geschützt sind.

Insgesamt an vier der 455 untersuchten Haltestellen (Bergisch-Gladbach Bahnhof, Brühl Bahnhof, Düren Bahnhof/ZOB, Horrem Bahnhof) sind heute Radstationen im Corporate-Design der Radstationen NRW vorhanden. Aus den Radstationen dieses Verbunds können zum Beispiel Fahrräder ausgeliehen werden und bei einer anderen wieder abgegeben werden. Die Radstationen an den Hauptbahnhöfen von Aachen, Bonn und Köln sowie in Siegburg gehören nicht zu dem Verbund.

Ein System für 19 Kommunen:

„Und das ist ein Problem“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion Wilhelm Windhuis aus Alfter. „Wir müssen 19 Kommunen unter einen Hut bringen – und am besten die Bundesstadt noch dazu. Das ist ein No Go, dass Sie kein Fahrrad in Rheinbach ausleihen und in Bornheim oder Bonn abgeben können.“

Der NVR hat im Juni gemeinsam mit der RSVG die Kommunen über Möglichkeiten von Radverleihsystemen und Mobilitätsstationen informiert. Mindestens 60 bis 70 Stationen müssten im Gebiet des Rhein-Sieg-Kreises geschaffen werden, hieß es. Der Kreis soll nun gemeinsam mit den Kommunen ein gemeinsames Strategiepapier erarbeiten, so eine Sprecherin aus dem Kreishaus. „Der Kreis hat da keine Handhabe, denn die Flächen, die geschaffen werden müssen, gehören den Kommunen“, erklärt Windhuis. Gemeinsam mit dem Koalitionspartner CDU habe man das Thema auch ganz nach oben gesetzt. „Fünf bis sieben Prozent Radnutzer sind zu wenig. Unser Ziel sind 15 Prozent.“

Tiefgaragen für Fahrräder öffnen:

Der ADFC fordere schon seit Jahren, dass die Kommunen mehr machen müssten, sagt Sprecherin Annette Quaedvlieg. „Es gebe eine einfache Möglichkeit, um das Radfahren zu fördern“, so ADFC-Sprecher Mörer: Fahrradabstellplätze in Tiefgaragen bereitzustellen. „Aber da beißen wir uns bei den Kommunen und den Garagenbetreibern seit Jahren die Zähne aus. Dabei verfügen sie alle über ungenutzte Bereiche. Der Vorteil: Da gibt es Videoüberwachung. Das Gegenargument der Parkhausbetreiber: Sie müssten für Radfahrer eigene Zufahrten schaffen. „Das ist doch nur vorgeschoben“, meint Mörer. „Wenn man wollte, könnte das sofort angeboten werden.“