Michaelisempfang in Siegburg: Kreiskatholikerat verleiht Rochuspreis

Michaelsempfang in Siegburg : Kreiskatholikenrat verleiht erstmalig den Rochuspreis

Pfarrer Franz Meurer war zu Gast beim Empfang des Kreiskatholikenrats im Servatiushaus in Siegburg. Erstmals in diesem Jahr wurde dabei auch der Rochuspreis für mehr Menschlichkeit verliehen.

Er ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, seine Meinung konsequent vertritt und auch gerne schon einmal aneckt. Franz Meurer, Kölner Sozialpfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Theodor und St. Elisabeth in den Stadtteilen Vingst und Höhenberg, schätzt die eigene Freiheit. Als Gast beim Michaelsempfang des Kreiskatholikenrats im Servatiushaus machte er sich im Dialog mit GA-Redakteur und Moderator des Abends Jörg Manhold Gedanken über die Zukunft der Kirche, ihren Platz in der Gesellschaft und die Aufgabe jedes einzelnen Christen.

Veränderte Lebensverhältnisse

Taten statt Worte seien gefragt, zeigte sich der streitbare Pfarrer überzeugt. Über die Zukunft der Kirche mache er sich keine Sorgen. Aber: "Wir müssen unter die Menschen gehen und nicht warten, dass sie kommen". Wichtig sei, aus der Sicht der Menschen zu handeln, um etwas zu erreichen. "Wir müssen einander nützlich und dienlich sein", lautet sein Credo. Die Lebensverhältnisse hätten sich verändert, darauf müsse man reagieren, um den Stellenwert der Kirche auch in Zukunft zu wahren. Mit Unverständnis wies er unter anderem darauf hin, dass Frauen immer noch ausgeschlossen seien und betonte: "Es geht heute nicht mehr ohne Gleichberechtigung." Für dieses Statement bekam er viel Applaus von den Zuhörern.

Katholikenrat verleiht erstmals in diesem Jahr Rochuspreis

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Bettina Heinrichs-Müller, Vorsitzende des Katholikenrats, die Gäste. Nach ihren Worten sollte der Empfang "einen Ort der Begegnung und des Austauschs untereinander und über gemeinsame Anliegen schaffen." Außerdem "eine Zeit des Innehaltens schenken, eine Zeit der Fokussierung auf das, was uns antreibt." Sie thematisierte globale, nationale, gesellschaftliche und politische Entwicklungen, auch die vor Ort, in deren Spannungsfeld christlich geprägte Menschen stünden und die "einen eigentlich nicht in Ruhe lassen können." Auf der einen Seite sehe sie Menschen, "die aufgrund von Armut, kriegerischen Konflikten, Barbarei und Klimaverwüstung, sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit um Lösungen bemüht" seien, auf der anderen Seite Menschen, "die von Angst und Gier berührt und getrieben sind." Abgrenzung bis hin zur Aggression seien Leitbild ihres Fühlens, Denkens und Handelns.

Senfkorn-Stiftung in Unkel unter anderem ausgezeichnet

Erstmals hat der Katholikenrat in diesem Jahr den Rochuspreis verliehen, einen Preis "für mehr Menschlichkeit, Hilfe und Linderung bei konkreten Notlagen, die eher im Stillen erbracht werden und unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit", wie Heinrichs-Müller vor der Übergabe des Förderpreises, der mit 1000 Euro dotiert ist, erläuterte. Aufgrund der Vielfalt und hohen Qualität der Bewerbungen hat sich die Jury für zwei Preisträger entscheiden. Ausgezeichnet wurde zum einen die Senfkorn-Stiftung in Unkel, die 2014 gegründet wurde, um eine finanzielle Unterstützung für wichtige Einrichtungen wie Kindergarten und Familienzentrum und für Projekte oder Aktionen der Seelsorge und der sozialen Dienste vor Ort zu erreichen. Zum anderen wurden die ehrenamtlichen Demenzbegleiterinnen caritativer Institutionen in Meckenheim bedacht.

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