Michaelsberg in Siegburg: Merkel und Woelki haben KSI eröffnet

Michaelsberg in Siegburg : Merkel und Woelki haben KSI eröffnet

Nach dem Umzug von Bad Honnef nach Siegburg ist das KSI auf dem Michaelsberg am Donnerstagmittag durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki offiziell eröffnet worden.

Das Ziel ihres Siegburg-Besuches hat die Bundeskanzlerin schon beim Anflug mit dem Hubschrauber vor Augen. „Wenn man sich der Stadt nähert, zentriert sich der Blick geradezu auf den Michaelsberg“, sagt Angela Merkel. Er sei weithin sichtbar und biete von oben einen guten Überblick. „Das sind gute Voraussetzungen für eine Bildungsstätte.“ Die Entscheidung, an dieser Stelle das Katholisch-Soziale Institut (KSI) anzusiedeln, bezeichnet sie als wegweisend. Zusammen mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat die Bundeskanzlerin das Tagungshaus des Erzbistums Köln am Donnerstag offiziell eröffnet. In einem Festakt vor 150 geladenen Gästen aus Kirche, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft.

Die können die Ankunft der Kanzlerin via Leinwand vom Europaforum aus verfolgen. Wie sie mit dem Erzbischof ins Gespräch vertieft im Innenhof der Abtei steht, von dort aus das KSI betritt und Worte mit Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn und Prior Pater Rockson Chulickal von den auf dem Michaelsberg beheimateten Unbeschuhten Karmeliten wechselt. Wie sie auf die Dachterrasse des Neubaus tritt, wo sie mit Kardinal Woelki das Eröffnungsband durchschneidet. Und wie sich ins Goldene Buch der Stadt und des KSI einträgt. Als sie das Europaforum, den größten Tagungssaal des KSI betritt, brandet Applaus auf.

Wirkung weit über das Erzbistum hinaus

Wie berichtet, ist das KSI nach 65 Jahren in Bad Honnef im Februar auf den Michaelsberg gezogen. Dort hatten die Benediktinermönche am 8. November 2010 – fast 950 Jahre nach der Klostergründung – das Ende ihres Konvents verkündet. 121 Zimmer bieten in der ehemaligen Abtei nun Platz für maximal 176 Tagungsgäste, in dem neu errichteten Anbau finden unter anderem im Europaforum Tagungen für bis zu 260 Gäste statt. Die Arbeiten ließ sich das Kölner Erzbistum in Gänze rund 47 Millionen Euro kosten.

„Es ist uns eine ganz besondere Freude, sie hier heute unter uns zu wissen“, sagt Kardinal Woelki. Der Besuch der Kanzlerin markiere, dass es nicht irgendein katholisches Bildungsinstitut sei, das nun in Siegburg eröffne, sondern dass das KSI weit über die Grenzen des Erzbistums hinaus wirke. Schon Konrad Adenauer sei dabei gewesen, als das von Kardinal Frings gegründete KSI 1947 an den Start ging. „Auf dem Michaelsberg kann es zu einer Art Leuchtturm werden und Orientierung für Seele und Gewissen jedes Einzelnen wie für die Gestaltung des Gemeinwohls geben“, so Woelki.

Als Ort des Dialogs und der Meinungsbildung wolle das KSI seiner Verantwortung dafür gerecht werden und mit seiner Arbeit den Einzelnen zur Verantwortung befähigen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Europa auf die Probe gestellt werde, etwa durch das Erstarken von Rechtspopulismus und Nationalismus. „Ziel der Akademiearbeit ist die Auseinandersetzung mit der Frage der sozialen Gerechtigkeit auf allen Ebenen des zunehmend komplexen und weltweit vernetzten Lebens“, sagt der Erzbischof.

47 Millionen Euro Umbaukosten

Als Beispiel dafür, wie nahe Wehmut und Hoffnung, Abschied und Neuanfang beieinanderliegen, bezeichnete Angela Merkel die Entwicklung von der Benediktinerabtei hin zum Sitz des KSI. Wie berichtet, hatten die Benediktiner 2011 den Michaelsberg nach fast 950 Jahren verlassen und ihren Konvent aufgelöst. In den vergangenen Jahren ließ das Erzbistum die Klosteranlage für insgesamt 47 Millionen Euro zum neuen Sitz des KSI umbauen, das zuvor in Bad Honnef beheimat war.

„Die Ordensgemeinschaft trauerte nicht nur um ihre Vergangenheit, sie sah in der Veränderung auch eine Chance“, sagt die Bundeskanzlerin. Diese zu begreifen und dann auch zu ergreifen, sei entscheidend. „Man sollte offen sein gegenüber Wandel, sich auf ihn einlassen und ihn mitgestalten“, so Merkel. Dabei brauche man aber auch Orientierung. Diese könnten Menschen im KSI finden. „Gerade ein Ort wie der Michaelsberg mit seiner jahrhundertealten Tradition regt dazu an, über Bleibendes und Wesentliches nachzudenken und diese Aspekte häufiger zum Maßstab des eigenen Handelns zu machen.“ Sie hoffe, dass das KSI zu einem Ort werde, an dem Diskurs und Streit in einem positiven Sinn erfahren werden. „Die Einrichtung in der früheren Benediktinerabtei knüpft an die große Tradition der Klöster als Bildungsträger an“, so Merkel.

Eröffnung des KSI in Siegburg

„Endlich mal eine gute Einladung“, habe sie sich gefreut, bekräftigt Merkel. „Sonst hätte ich dieses Kleinod nicht kennenlernen dürfen.“ Und nicht erfahren, dass Siegburg keinen Oberbürgermeister hat. „Bei mir zu Hause wären sie das bei einer so großen Stadt“, versichert Merkel Bürgermeister Franz Huhn. „Ich bin zutiefst dankbar und zufrieden über diese Lösung“, bekennt der. Es sei ein riesiger Zugewinn für die ganze Region. „Wir wollen uns an diesem Ort etablieren“, sagt Generalvikar Dominik Meiering und betont, der Leuchtturm des Glaubens sei kein Elfenbeinturm. „Wir freuen uns, hier unseren Glauben leben zu können, und dass Menschen aus der Region daran teilhaben.“ Bezogen auf die Bauzeit bis hin zur Eröffnung zitiert Meiering Mark Twain: „Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig. “

Erleichtert zeigt sich KSI-Direktor Ralph Bergold: „Als ich hier Platz genommen hatte, konnte ich endlich durchatmen.“ Nun freue er sich auf die nächsten Festtage, insbesondere den Tag der offenen Tür am Sonntag, zu dem er alle einlädt – und auf Montag. „Dann kommen wir endlich zu dem, für das wir eigentlich hier sind.“

Zum Auftakt gibt es einen großen Festgottesdienst, den Joachim Kardinal Meisner und Erzbischof Kardinal Woelki ab 10 Uhr am Sonntag auf dem Siegburger Marktplatz zelebrieren.

Das ausführliche Programm mit allen Veranstaltungen finden Sie unter www.ksi.de.

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