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Plädoyer: "Jugend im öffentlichen Raum": Mehr Verständnis für Jugendliche

Plädoyer: "Jugend im öffentlichen Raum" : Mehr Verständnis für Jugendliche

Wenn es um Treffen auf öffentlichen Plätzen geht, liegen die Sichtweisen von Jugendlichen und Erwachsenen weit auseinander. Was für die Jugend Spaß und Rumhängen ist, ist für die Erwachsenen oft Lärm, Krawall und Radau.

"Dass sich Jugendliche im öffentlichen Raum aufhalten, führt häufig zu Reibungsverlusten", sagt Monika Engels vom Kreisjugendamt. "Aber sie müssen die Räume auch nutzen können."

Um für das Thema zu sensibilisieren, neue Denkanstöße zu bekommen und Konflikte zwischen den unterschiedlichen Altersgruppen zu vermeiden, hatte das Jugendamt des Rhein-Sieg-Kreises am Montagabend eine Podiumsdiskussion im Siegburger Stadtmuseum initiiert.

Dazu waren unter anderem Vertreter des Jugendhilfeausschusses des Kreises sowie der Kommunen gekommen. Impulse und Denkanstöße erhielten sie zunächst von Richard Münchmeier, langjähriger Professor für Sozial- und Jugendpolitik sowie ehemals Leiter der Abteilung für Jugend- und Jugendhilfeforschung am Deutschen Jugendinstitut München.

Dorfplätze und versteckte Ecken sind für Jugendliche unverzichtbar

Für die Jugendlichen seien Dorfplätze oder versteckte Ecken unverzichtbare Orte, so Münchmeier. Sie entwickeln dort ihre Identität, setzen sich in Szene, sammeln Erfahrungen. Probleme wegen Alkohol- oder Drogenkonsum bleiben dabei nicht aus. Grundsätzlich sei der Anteil an Krawallmachern aber sehr gering.

Laut dem Experten zeigt die Kriminalstatistik: Jugendliche Gewalttaten, Vandalismus und Zerstörungen im öffentlichen Bereich gehen seit Jahren deutlich zurück. Münchmeier wünscht sich deshalb mehr Verständnis von den Erwachsenen. Und: "Dass wir einfach auch mal schmunzeln oder darüber lächeln können."

Für mehr Akzeptanz plädierte auch Martina Leshwange vom Landesjugendamt in einem Gespräch vor der Podiumsdiskussion. "Ich habe das Gefühl, dass wir viel zu wenig die Sicht der Jugendlichen einnehmen." Die Erwachsenen müssten sich an die eigene Jugend erinnern - und auch daran, dass Grenzverletzungen zum Erwachsenwerden gehörten.

Man muss beiden Seiten gerecht werden

"Es ist nicht das Ziel der Gesellschaft, dass nur noch alte Menschen in der Stadt sind", sagte Leshwange, die als Moderatorin durch den Abend führte. Das will Landrat Sebastian Schuster ebenfalls vermeiden. "Ich weiß als Vater von drei Kindern aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, dass Kinder sich mit ihrer Altersgruppe treffen", so Schuster. Man müsse beiden Seiten gerecht werde.

"Wir müssen lernen, zu verstehen, was Jugendliche tun! Denn, wenn das Verstehen vorhanden ist, ist das Verständnis nicht weit", erläuterte auch Kreisjugenddezernent Thomas Wagner.

"Es ist nicht alles schlecht, was Jugendliche tun, und in einer Zeit, in der durch Nutzung von Internet und modernen Medien eher die Gefahr der Vereinsamung droht, muss es uns geradezu ein Anliegen sein, Jugendliche in den öffentlichen Raum zu holen."

Jugendexperte Münchmeier hatte einige Ideen für die Besucher parat. So solle die Jugendarbeit junge Menschen stärker an ihren Treffpunkten aufsuchen. Und nicht nur darauf hoffen, dass die Jugendlichen zu ihnen kommen.

Sie habe die Aufgabe, Dolmetscher für Heranwachsende und ihre Interessen zu sein. Auch sollen die Kommunen die Jugendlichen an der Stadtplanung beteiligen - etwa mit Jugendparlamenten oder Anhörungen. Gut drei Stunden dauerte die rege Diskussion im Siegburger Stadtmuseum. Laut Wagner soll sie nun in den einzelnen Kommunen fortgesetzt werden.