Preisträger des Rheinischen Kunstpreises 2016: Masoud Sadedin: „Meine Bilder fallen aus dem Kopf“

Preisträger des Rheinischen Kunstpreises 2016 : Masoud Sadedin: „Meine Bilder fallen aus dem Kopf“

Wer am Sonntagmittag über die B 56 nach Siegburg fuhr, hat sich vermutlich gefragt, welche Großveranstaltung wahre Pilgerströme in das Pumpwerk an der Bonner Straße lockte. Zu sehen gab es dort das Unsichtbare.

„Invisible“ lautet der vielversprechende Titel einer Ausstellung, die am Sonntag im Rahmen der Preisverleihung des Rheinischen Kunstpreises 2016 eröffnet wurde. Masoud Sadedin (60) erhielt aus den Händen von Landrat Sebastian Schuster den mit 20 000 Euro dotierten Preis, der seit 2002 im gesamten Rheinland und den europäischen Partnerregionen des Rhein-Sieg-Kreises ausgeschrieben wird.

Der Preis hat Strahlkraft und ist einer der höchst dotierten Kunstpreise Deutschlands. Landrat Schuster lobte bei der Preisverleihung Sadedins Kunst und ihre Aussage. Sie sei „nicht belehrend, sondern Mittel zum Begreifen“, sagte Schuster und stellte Kunst als „eine der tragenden Säulen unserer Gesellschaft“ heraus.

Viermal ging der Rheinische Kunstpreis des Rhein-Sieg-Kreises, der in Kooperation mit dem Bonner LVR-Landesmuseum des Landschaftsverbandes Rheinland und dem Kunstverein für den Rhein-Sieg-Kreis alle zwei Jahre ausgeschrieben wird, bislang nach Düsseldorf und jeweils einmal nach Köln, Nettersheim und Bad Honnef.

Mit Masoud Sadedin trifft es diesmal einen regionalen Künstler aus Troisdorf, der vor dreißig Jahren aus dem Iran floh und sich in der Kreativwerkstatt Troisdorf und in der gesamten Region mit einer Vielzahl an Ausstellungen und künstlerischen Gestaltungen im öffentlichen Raum einen Namen gemacht hat. Für ihn selber war es eine „große Überraschung“, die ihn „richtig gefreut“ habe. Eingereicht hatte er seine Bilder auf Drängen seiner Frau Jette Jertz, die ebenfalls Künstlerin ist. „Ohne sie wäre der Preis nicht wirklich.“

370 Bewerbungen auf den Rheinischen Kunstpreis 2016 mit jeweils zehn Kunstwerken hatte die Jury unter Vorsitz von Gabriele Uelsberg, Direktorin des LVR-Landesmuseums Bonn zu beurteilen. „Am Schluss waren wir nicht nur einstimmig, sondern alle glücklich“, bekannte Uelsberg bei ihrer Laudatio. Das Besondere an Sadedins Kunst, die letztlich zur einstimmigen Jury-Entscheidung geführt habe, sei eine Art des Realismus, der mit Fotorealismus nichts zu tun habe. Sadedin lasse hinter seinen realen Bildern einen abstrakten, surrealen Raum entstehen.

Als gedankliche Hintergründe und motivische Inspiration nimmt Sadedin Anregungen aus der Kunstgeschichte – Assoziationen mit der Kunst eines Magritte, Duchamp, Malewitsch oder Breughel d. Ä. sind kein Zufall. Tatsächlich aber ist es immer eine Spannung zwischen realistischer Abbildung und unsichtbarer Welt hinter dem Bild, die die Kunst Sadedins ausmacht. „Meine Motive fallen aus dem Kopf“, sagt Sadedin, der diese Bilder anschließend im Atelier „inszeniert“. In Konstruktionen aus Holz oder Stahl entwirft er mit seinen Modellen Szenen, die er wie fotografierte Skizzen mitnimmt in sein Troisdorfer Atelier: eine Frau, die in selbstbewusster, aufrechter Pose, mit einem Tuch über dem Kopf mitten im Raum steht. Ein junger Mann, der einen in Zickzack geöffneten Zollstock in der Hand hält und das ungeordnete Maß mit Verwunderung betrachtet. Eine Frau mit Schatten.

Das „Unsichtbare“, das unter dem Titel „Invisible“ im Pumpwerk an der Bonner Straße noch bis zum 3. März in einer Ausstellung Sadedins zu sehen ist, zeigt sowohl die Wettbewerbs-Beiträge als auch andere Bilder aus den vergangenen fünf Jahren. „Dieses Unsichtbare ist mein Hauptthema“, sagt Sadedin zu seinem künstlerischen Anspruch. „Kunst sollte immer den Anstoß zu etwas geben, das eigentlich verborgen bleibt.“