Vor Bonner Landgericht verurteilt: Mann war mit neun Kilo Kokain im Auto unterwegs

Vor Bonner Landgericht verurteilt : Mann war mit neun Kilo Kokain im Auto unterwegs

Ein Albanischer Tourist wird vor dem Bonner Landgericht zu einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Er hat neun Kilo Kokain in seinem Wagen transportiert.

Eigentlich wollte er nur Urlaub machen und nebenbei ein Auto kaufen. Das behauptete zumindest ein albanischer Tourist, der mit einem geliehenen VW-Passat in eine Routine-Zollkontrolle bei Siegburg geraten war. Weil die Beamten unter der Mittelkonsole des Fahrzeugs aber ein professionelles Versteck mit neun Kilogramm Kokain entdeckten, wird der Deutschlandaufenthalt des 29-jährigen Mannes aus der Hauptstadt Tirana nun etwas länger als geplant dauern: Zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten wurde er vor dem Bonner Landgericht wegen Drogenbesitzes in nicht geringer Menge sowie Beihilfe zum Handel verurteilt.

Vor Gericht hatte sich der Mann gleichermaßen geständig wie ahnungslos gegeben: Er arbeite in Tirana als Anwalt, habe aber noch keine Zulassung. Für einen Monat habe er Urlaub in Deutschland machen wollen und sei von Freunden in deren Auto mitgenommen worden. Zurückgefahren wäre er gerne in einem neuen Wagen der Mercedes-A-Klasse, den er im Ruhrgebiet kaufen wollte. Es habe sich aber nicht das Richtige gefunden und mit der Zeit sei das Geld knapp geworden. 2000 Euro habe er zur Lebenshaltung mitgebracht, weitere 3000 seien für den Kauf des Wagens gedacht gewesen.

Als ihm Bekannte dann angeboten hätten, eine Kurierfahrt für sie zu machen, habe er nicht nein sagen können. 1000 Euro sollte er nach seiner Rückkehr erhalten, wenn er den Passat von Oberhausen nach Friedrichshafen am Bodensee fahre; dort sollte das Auto von einem anderen Kurier übernommen werden. Dass er wusste, dass sich Drogen in dem Wagen befanden, gab der Angeklagte unumwunden zu. Nur über die genaue Menge habe er nichts gewusst.

So ganz konnte die Geschichte aber wohl nicht stimmen: Schon bei der Angabe des genauen Einreisedatums verstrickte sich der 29-Jährige in Widersprüche. Außerdem waren auf seinem Handy Aufnahmen einer Autobahnfahrt in Italien gefunden worden; dazu kam eine Hotelrechnung aus Monza. Nach einigen kritischen Nachfragen der vorsitzenden Richterin gab er dann an, länger in Norditalien geurlaubt zu haben, bevor er sich aufmachte, um die Schönheiten des Ruhrgebiets zu entdecken.

Dennoch erschien es der Kammer relativ unwahrscheinlich, dass die kurze Fahrt die Premiere des Albaners als Drogenkurier darstellte; insbesondere, weil man einem kompletten Neuling wohl nicht gleich neun Kilogramm anvertrauen würde. Auf der Straße verkauft, lässt sich mit einer solchen Menge hierzulande derzeit rund eine halbe Million Euro erzielen. Dass der Mann bereits häufiger als Drogenkurier unterwegs gewesen ist, ließ sich allerdings nicht belegen.

Mindestens die Hälfte der Strafe muss der junge Albaner nun in Deutschland verbüßen; frühestens dann könnte er abgeschoben werden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von sieben, die Verteidigung von weniger als fünf Jahren gefordert.

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