Zehn Jahre Rhein-Sieg-Halle: Lobgesang auf das einstige Sorgenkind

Zehn Jahre Rhein-Sieg-Halle : Lobgesang auf das einstige Sorgenkind

Die Stadt Siegburg feiert den zehnten Geburtstag ihrer Veranstaltungsstätte, deren Bau nicht unumstritten war. Zu Beginn lief der Betrieb der Rhein-Sieg-Halle nicht rund. Seit 2013 betreibt die Stadt das Haus selbst - mit wachsendem Erfolg.

Der erste Eindruck, war kein guter. Zumindest akustisch. Das räumt Bürgermeister Franz Huhn ein. Bei der offiziellen Eröffnung der Rhein-Sieg-Halle mit einer Unicef-Benefizgala am 2. September 2006 begrüßte er die Gäste: „Ich habe selber nicht gehört, was ich gesagt habe.“ Lange sei an der Akustik gearbeitet worden, mit Erfolg. „Inzwischen loben renommierte Musiker die gute Akustik“, sagt Huhn. Etwa das Musikkorps der Bundeswehr. Auch die Mitglieder der Kölner Band Brings nicken zustimmend. „Es ist eine der bestklingendsten Hallen im Land“, sagt Peter Brings. Zum zehnten Geburtstag ist er mit seiner Band nach Siegburg gekommen, um in das Loblied auf das Geburtstagskind einzustimmen.

Das war zwischenzeitlich ein Sorgenkind. Schon der Weg zum Spatenstich im März 2005 war steinig. Mehr als zehn Jahre suchte die Stadt vergeblich nach einem Investor für den Bau zwischen Bach- und Ringstraße, nahm das Vorhaben schließlich selbst in die Hand. Im März 2004 präsentierte der damalige Bürgermeister Rolf Krieger Pläne nach dem Vorbild der Stadt Alsdorf, der Rat beschloss den Bau der Rhein-Sieg-Halle mehrheitlich. Die FDP sprach dagegen, fand den Bau überdimensioniert und für Kongresse ungeeignet.

Der Baubeginn verzögerte sich immer wieder wegen Vergabestreitigkeiten. Elf bis zwölf Millionen Euro haben die Stadtbetriebe in den Bau investiert. Mehrkosten entstanden auch, weil die Bestuhlung fehlte und geleast werden musste. Als Betreiber gewann die Stadt Gegenbauer. Nach der Eröffnung blieb der erhoffte Erfolg zunächst aus. Pannen begleiteten die ersten Monate. „Bei der ersten Karnevalsveranstaltung der Funken Blau-Weiß gab es um 21 Uhr kein Bier mehr“, sagt Franz Huhn. Funken-Präsident Ferdi Büchel erinnert sich gut an die bangen Stunden. Während die Funken hinter den Kulissen Nachschub besorgten, beruhigten Bürgermeister und Hallenmanagerin das Publikum und versprachen Freibier.

Akustik und Bierversorgung funktionierten schnell, die Zusammenarbeit mit den Vereinen, die die Halle ausdrücklich nutzen sollten, aber nicht. „Wir hatten einen Betreiber, der die Mentalität der Rheinländer nicht verstanden hat“, bringt es der Bürgermeister auf den Punkt. Gegenbauer reagierte, wechselte nach zwei Jahren den Manager, der nach weiteren zwei Jahren an den heutigen Leiter Frank Baake übergab. „Ich hatte das Glück, dass alle Fehler schon gemacht worden waren, als ich kam“, sagt der. Er ist geblieben, auch als sich Gegenbauer 2013 verabschiedete und die Stadtbetriebe selbst die Regie übernahmen.

Die Funken Blau-Weiß ließen sich von der Bierpanne nicht abschrecken. Sie feiern bis heute Karneval in der Halle und mit ihnen allein in diesem Jahr 5000 Jecke. „Wenn der Karneval funktioniert, läuft alles“, sagt Stephan Brings. Die Kölschrocker kommen am Samstag, 10. September, mit ihrem Mitsingkonzert in die Rhein-Sieg-Halle, es ist ihr elftes Konzert in Siegburg. „Es ist immer richtig, in eine Kulturstätte zu investieren“, findet sein Bruder Peter.

Mehr als eine halbe Millionen Besucher hat die Halle in zehn Jahren gezählt. Im Schnitt seien davon ein Drittel Siegburger, sagt Frank Baake. Als „Theater der Vielfalt“ sieht er „seine“ Halle. Dazu gehörten Comedy, Karneval, Theater, Ballett, Musical und Konzerte – von Pop bis Klassik. „Wir sind stolz, dass wir seit 2008 ein Teil des Ganzen sind“, sagt Dettloff Schwerdtfeger, kaufmännischer Leiter des Beethovenfestes. Das gastiert am Sonntag, 11. September, mit dem Marialy Pacheco Trio an der Bachstraße.

„Die Halle muss leben“, sagt Frank Baake. Danach richte sich das Programm. Derzeit werde für 2018 gebucht. „Seit wir die Regie übernommen haben, läuft die Halle“, freut sich Huhn. Waren es 2012 noch 78 Belegtage, seien es inzwischen jährlich 110. Von 150 war man einmal ausgegangen. Franz Huhn ist sich sicher: „Die Halle ist in Siegburg angekommen.“

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