Linie 66 Siegburg: Fahrgäste berichten über Verspätungen und Fahrplan

Umfrage am Bahnhof in Siegburg : Wie zufrieden Fahrgäste mit der Linie 66 sind

Fahrgäste berichten in Siegburg über ihre Erfahrungen mit Verspätungen und Fahrplanwechsel der Linie 66. Nicht alle Befragten sind unzufrieden mit der Stadtbahnlinie.

Mittags am Bahnsteig der Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 66 in Siegburg. Auf der Informationstafel springt dem Pendler ein Wort besonders ins Auge - "Entfällt". Man blickt in entnervte und verärgerte Gesichter. Viele Menschen sind unterwegs, denn dort steigen auch etliche Reisende in die Stadtbahn, die gerade am ICE-Bahnhof angekommen sind. Verspätungen und Ausfälle sind an der Tagesordnung, wie auch die Stadtwerke Bonn (SWB) zugeben. Wie gehen die Fahrgäste mit dem Zustand um?

"Ich gucke erst gar nicht auf den Fahrplan", sagt eine 87-Jährige, die in der Zeitung nicht namentlich genannt werden möchte, während sie wartend auf Bahnsteig 11 in Siegburg steht. Laut Fahrplan fährt die Linie 66 alle zehn Minuten in Richtung Bonn. "Aber darauf kann man sich ja nicht mehr verlassen." Für die Rentnerin aus Hennef stellt dies aber kein Problem dar, sie hat Zeit.

Berufstätige sehen das ganz anders

Berufstätige sehen das naturgegeben ganz anders. So wie Stephan Raske aus Vilich-Müldorf, der täglich zu seiner Arbeitsstelle nach Siegburg pendelt. "Oft kommt es zu Türproblemen. Die Türen haken. Es dauert länger, bis die Bahn abfahren kann. Die Haltezeiten werden länger und dann staut es sich im Fahrplan natürlich auf, es kommt zu Folgeverspätungen", erklärt der Steuerfachangestellte. Weil er das wisse, stelle er sich auf die Verzögerungen ein und plane "eine Bahn früher ein", sagt der 54-Jährige.

Seit 1980 fährt er täglich mit der Linie 66, die zwischen Siegburg und Königswinter beziehungsweise Bad Honnef verkehrt. "Es sind dieselben Bahnen wie seit Jahren, nur mit einer modernen Verkleidung", sagt er. Das stimmt. Wie berichtet, stammt die Mehrzahl der eingesetzten Fahrzeuge aus den Jahren 1973 bis 1993. 22 neue Fahrzeuge sollen jetzt bestellt werden, damit ab 2023/24 ein Fünf-Minuten-Takt eingerichtet werden kann.

Nicht alle mit Bahn unzufrieden

Doch nicht alle sind mit der Stadtbahnlinie unzufrieden. "Zu 90 Prozent ist es okay", sagt ein Informatikstudent, der seinen Namen nicht nennen möchte. Der 24-Jährige pendelt während des Semesters jeden Tag von Köln nach Sankt Augustin. "Mit Verspätungen muss man rechnen", sagt er. "Gerade, wenn die Schule aus ist und die Kinder in die Bahn steigen, merkt man das."

Die Hennefer Rentnerin kann sich trotz allem mit den Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln statt im eigenen Auto immer mehr arrangieren. "Es ist sehr interessant. Ich gucke einfach die Leute an. Und den Preis finde ich in Ordnung. Ich kaufe mir immer Einzelkarten. Wenn ich in Bonn parken würde, müsste ich dafür auch fünf Euro zahlen", sagt sie.

Zu teuer

Zu viel zahlt ihrer Meinung nach Larissa Mueller. Die 55-Jährige aus Siegburg kauft sich immer ein Viererticket für die Strecke von Siegburg zum Bertha-von-Suttner-Platz nach Bonn. "Ich finde, 15 Euro sind dafür zu viel." Über die Zuverlässigkeit sagt sie: "Die vergangenen zwei Jahren ist es schlechter geworden. Es ist sehr oft, dass ein Zug zu spät kommt." Die Pianistin hat bereits einen Änderungsvorschlag: Eine neue Linie könnte weniger Haltestellen anfahren und wäre dadurch schneller. Da auch zurzeit unserer Befragung ihre eigentliche Verbindung ausgefallen ist, ärgert sie sich: "Ich muss jetzt wieder 20 Minuten warten. Das ist mir eigentlich schon wieder zu viel."

Ähnliche Erfahrungen macht auch Fachbereichsleiterin Ina Köpf, wenn sie täglich zu ihrer Arbeitsstelle von Bonn nach Siegburg fährt. "Häufig klappt es nicht, manchmal allerdings schon." Überwiegend ist die 41-Jährige indes zufrieden. Seit zwölf Jahren fährt sie mit der Linie 66. Probleme stellte sie beim Fahrplanwechsel fest, den die SWB zum 26. August durchgeführt hatte. "Es scheint nicht richtig zu funktionieren. Vielleicht muss es sich noch einpendeln."

Stellvertretende Pressesprecherin bestätigt

Das bestätigt die stellvertretende Pressesprecherin der Bonner Stadtwerke, Veronika John: "Es muss sich immer alles nach einem Fahrplanwechsel einspielen - zumal es viele Veränderungen gab." Die Bahnausfälle seien Folge des Personalmangels, dem die SWB versuchten, gegenzusteuern. "Der Fahrplanwechsel hat die Situation noch verschärft", so John.

Die 20-Jährige Studentin aus Hangelar, die zurzeit jeden Tag nach Düsseldorf pendelt, hat wenig Verständnis für die Stadtwerke. "Mir sind die Gründe eigentlich völlig egal. Die Kunden erwarten vor allem Zuverlässigkeit. Wenn aber zwei Bahnen hintereinander ausfallen, dann nutzt es mir auch nicht, wenn ich früher losgehe - und meinen Anschlusszug verpasse."

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