Linie 66 Bonn-Siegburg: Missmanagement- Vorwurf an SWB

Nahverkehr in Bonn und der Region : Grünen-Chef wirft Bonner Stadtwerken Missmanagement vor

Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Kreistag Ingo Steiner wirft den Stadtwerken Bonn Missmanagement vor. Jahrelang habe man Stellen aus Kostengründen abgebaut, womit eine „nicht akzeptable Situation“ geschaffen sei. Die SWB versprechen, sie arbeiteten intensiv an einer Verbesserung.

"Ich habe mein Jobticket als Pendlerin kündigen müssen nach zwölf Jahren und fahre mit dem Auto, weil ich keine Termine einhalten konnte - dank der Unzuverlässigkeit der Bahnen", schreibt eine GA-Leserin über die Stadtbahnlinie 66. Nach dem Bericht über einen Pendler, der wegen der schlechten Verbindung zwischen Siegburg und Bonn seinen Job in Bonn kündigen will, erreichten die Redaktion 300 Kommentare über Facebook und zahlreiche Leserbriefe - fast alle im selben Tenor. Ein anderer Leser aus Sankt Augustin schreibt, seine Familie schaue sich jetzt nach einem zweiten Auto um.

"Sollte dies so sein, würden wir dies sehr bedauern", sagt Veronika John, stellvertretende Pressesprecherin der Stadtwerke Bonn (SWB). "Wir arbeiten intensiv daran, den Personalmangel, der bundesweit Nahverkehrsunternehmen stark beeinträchtigt, abzuschwächen. Seit Januar 2018 hat SWB Bus und Bahn 180 neue Fahrerinnen und Fahrer eingestellt, um auf die Fluktuation der geburtenstarken Jahrgänge über die gesetzliche Rente und den Mehrbedarf durch die Taktverdichtungen zu reagieren." Es gebe noch weitere Anstrengungen, geeignetes Personal auszubilden und einzustellen. John: "Wir sind zuversichtlich, dass diese Maßnahmen in den kommenden Monaten greifen."

Linke-Kreistagsabgeordneter: Unangemessene Entlohnung

"Neues Personal würde die Situation schnell verbessern. Aktuell listet die Webseite der SWB 46 offene Stellen auf. Aber viele davon sind kaum zu besetzen, weil die Entlohnung nicht den Anforderungen gerecht wird", sagt Frank Kemper, Kreistagsabgeordneter für die Linke im Rhein-Sieg-Kreis. Der Vorsitzende der Grünen-Kreistagsfraktion Ingo Steiner wirft den SWB "Missmanagement" vor. Jahrelang habe man Stellen abgebaut, um Kosten zu sparen, und mit der Erneuerung alter Wagen "rumexperimentiert".

Damit sei jetzt eine "nicht akzeptable Situation" geschaffen worden. Steiner: "Ich erwarte kurzfristige Lösungen." Das werde er an diesem Mittwoch vor der Gesellschafterversammlung der Elektrischen Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises (SSB) auch einfordern. Kurzfristig müsse möglich sein, den Fahrerwechsel mitten in der Stoßzeit am späten Nachmittag so zu verschieben, dass es nicht immer wieder zu Ausfällen komme. Zum anderen fordere seine Fraktion, eine Schnellbuslinie zwischen dem ICE-Bahnhof Siegburg und dem Bundesviertel einzurichten.

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