Elf Jungen und Mädchen lernen spielerisch, mit Gewaltsituationen richtig umzugehen: Laut werden und seinem Fluchtinstinkt nachgeben

Elf Jungen und Mädchen lernen spielerisch, mit Gewaltsituationen richtig umzugehen : Laut werden und seinem Fluchtinstinkt nachgeben

Gewaltprävention als Ferienfreizeit: Im Laufe einer Projektwoche lernen erst elf Jungen und dann elf Mädchen nacheinander spielerisch, wie man sich bei Übergriffen richtig verhält.

"Sei stark - sag nein" ist der Titel des Angebots, das der Polizeisportverein in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, der Kreispolizeibehörde und Skills4life, einem Kölner Anbieter pädagogischer Gewaltprävention, bereits zum elften Mal in der Sporthalle des Gymnasiums Alleestraße veranstaltet.

"Zu den Gewaltsituationen gehörten nicht nur physische, sondern auch psychische Gewalt, Mobbing und sexuelle Übergriffe", erklärt Michael Kohlhaw. Der ehemalige Hauptkommissar war 15 Jahre lang Opferbeauftragter und hat die Projektwoche mit ins Leben gerufen.

Auch jetzt nach seiner Pensionierung engagiert er sich weiterhin für das Projekt. Die Kinder sollten lernen, körperliche Berührungen einzuschätzen, so der Beamte.

Auch Teammanagement und -fähigkeit sind Dinge, die die Schüler bei Spiel und Sport, beim Ringen und Kämpfen lernen. "Es geht darum, Grenzen zu setzen, aber auch zu erkennen", erzählt Lukas Bode. Der 29-jährige Sportwissenschaftler trainiert von morgens acht bis nachmittags um 16 Uhr mit den Kindern. "Sie lernen dabei auch, laut "Nein" zu sagen, wenn es ihnen zu viel wird", so der Skills4life-Mitarbeiter, der eine Ausbildung in Gewaltprävention hat.

Als Erlebnispädagoge lässt er die Schüler auch vielfach frei entscheiden, was sie machen möchten. Damit wird er den Unterschieden gerecht. "Manche Jungs sind top-sportlich, andere tun sich mit sportlichen Aktivitäten eher schwer", erklärt er.

Das führe schon mal zu Konflikten. Die Mädels seien hingegen alle tiefenentspannt, sagt er mit Blick darauf, dass diese solche unterschiedlichen Neigungen eher akzeptieren.

Die Teilnehmer üben nicht nur den lauten Einsatz der Stimme. "Mädchen sind oft piepsig", meint Kohlhaw. Die Kinder lernen auch, ihrem Fluchtinstinkt nachzugeben. "Weglaufen, schauen, wo ein Fluchtweg ist und dann mit dem Handy Hilfe holen", erklärt der Polizei-Sportler die Alternativen.

Denn bei einem erwachsenen Mann hätten Mädchen keine andere Chance. "Ein Kind muss erst einmal eine solche Brutalität aufbringen", sagt er mit Blick auf andere Verteidigungstechniken wie Abwehrtritte.

Der richtige Umgang mit Internet, Computerspielen und Handy sowie Aufklärung über Cyber-Mobbing sind weitere Themen, mit denen sich die Schüler befassen. Aber auch, wie die Polizei einem Täter auf die Spur kommt, erfahren sie bei einem Streifzug hinter die Kulissen der Kreispolizeibehörde.

Verpflegt werden sie in der Kantine des Amtsgerichtes, wo Sven Glomebeck ihnen schon seit vielen Jahren Frühstück und Mittagessen zubereitet. Möglich wird das Ferienangebot durch Sponsoren. Die Brühler Bank, vertreten durch Vorstand Frank Schwarze, und die Rhein-Sieg-Finanz, vertreten durch Bernd Kleine, haben jeweils 300 Euro gespendet. Auch Helen Bonert vom Weißen Ring unterstützt das Angebot maßgeblich.

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