1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Siegburg

Umfangreiche Sanierung: Kritik an geplanter Betonwand auf Mittelstreifen der A3

Umfangreiche Sanierung : Kritik an geplanter Betonwand auf Mittelstreifen der A3

Von der Sanierung der A3 zwischen dem Kreuz Bonn/Siegburg und der Anschlussstelle Siebengebirge sind auch Natur und Tiere betroffen. Straßen NRW plant daher entsprechende Schutzmaßnahmen. In der Kritik steht allerdings die Gestaltung des Mittelstreifens.

Verengte und nur zwei statt drei Fahrspuren, Staus im Berufsverkehr: Die Sanierung der Autobahn 3 wird für Autofahrer immer wieder zur Geduldsprobe. Doch nicht nur Verkehrsteilnehmer bekommen die Auswirkungen zu spüren, betroffen von den umfangreichen Arbeiten sind auch die Natur und die Tiere. Der Landesbetrieb Straßenbau NRW will diese schützen. Doch die Pläne stoßen auch auf Kritik.

Eingriffe in die Natur sollen bei der Sanierung im Bauabschnitt zwischen dem Autobahnkreuz Bonn/Siegburg und der Anschlussstelle Siebengebirge „so weit wie möglich vermieden oder minimiert“ werden. Das erklärte Peter Cornelis vom Landesbetrieb Straßen NRW in der jüngsten Sitzung des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde. Das Bauvorhaben unterliegt Verboten aus dem Landschaftsschutz rund um die Autobahn. Von denen befreite der Naturschutzbeirat Straßen NRW.

Mit der Sanierung greifen die Straßenbauer in Biotope auf einer Fläche von insgesamt 115 000 Quadratmetern ein. Das betrifft vor allem Mittelstreifen, Entwässerungsmulden und Lärmschutzanlagen. 61 300 Quadratmeter davon können wieder hergestellt werden, alle Eingriffe sollen vollständig kompensiert werden, kündigte Cornelis an. Straßen NRW plant unter anderem, einen 14 000 Quadratmeter großen Laubwald anzulegen. Westlich der A 3 nahe Sankt Augustin soll eine rund 2000 Quadratmeter große Glatthaferwiese angelegt werden. In den bestehenden Rückhaltebecken will Straßen NRW Schilf pflanzen, auf nicht wiederherstellbaren Biotopflächen Rasen säen und nach den Bauarbeiten auf Straßenböschungen den Vegetationsbestand wieder herstellen. Das Zurückschneiden der Böschungen stieß beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) auf Kritik. „Dadurch werden Lebensräume zerstört“, sagte Ralf Jacob.

Schutzmaßnahmen für Tiere

Straßen NRW hat nach eigenen Angaben auch mögliche Auswirkungen auf Tiere untersucht und entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet. „Artenschutzrechtliche Konflikte sind vollständig vermeidbar“, behauptete Cornelis. Um beispielsweise freibrütende Vogelarten und Fledermäuse zu schützen, werde der gesetzliche Fällzeitraum zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar eingehalten.

Damit Wanderfischarten, Amphibien, Vögel und Fledermäuse weiterhin am Pleisbach und am Kippenhohner Bach von der einen auf die andere Seite der Autobahn kommen, soll bei der Instandsetzung der Brückenbauwerke darauf geachtet werden, dass die Tiere durchgängig die Bäche nutzen können.

Auch die Vögel sollen geschützt werden: Damit sie nicht gegen die Glaselemente der Lärmschutzwände fliegen, werden transparente Felder mit schwarzen Polyamidfäden verwendet. Die Amphibien werden mit Schutzzäunen von den Bauarbeiten ferngehalten, und auch für die Wildkatzen soll gesorgt werden: Zwischen dem Königswinterer Stadtteil Hasenboseroth und der Anschlussstelle Siebengebirge wird an der Ostseite der Autobahn zwischen den neuen Lärmschutzwänden auf einer Länge von etwa 1,4 Kilometern ein Wildkatzenschutzraum errichtet. Aus Sicht des BUND sind damit aber nicht alle Tiere geschützt. „Die Zauneidechse wird in der Planung nicht berücksichtigt“, kritisierte Jacob.

Diskussion um Mittelstreifen

Zu Diskussionen führte auch die Gestaltung der Mittelstreifen. Derzeit trennen Stahlschutzplanken die Fahrspuren, im Zuge der Autobahnsanierung sollen Betonschutzwände gebaut werden. Die derzeitigen Schutzsysteme „entsprechen grundsätzlich nicht mehr den Anforderungen und Vorgaben des aktuellen Richtlinienwerks“, teilte Straßen NRW mit.

Neben dem BUND kritisierte das auch der Naturschutzbeirat. Bei der Betonwand könnten keine Tiere mehr die Fahrbahnen überqueren. „Alles wird modernisiert, nur der Biotopverbund wird nicht ernstgenommen“, so BUND-Sprecher Achim Baumgartner.

„Der Naturschutzbeirat lehnt durchgängige Betonwände ab“, sagte Vorsitzender Norbert Möhlenbruch. Da der Beirat keinen Einfluss auf die Entscheidung nehmen kann, will er das Thema an die zuständige Bezirksregierung weitergeben, kündigte Christoph Rüter, Abteilungsleiter beim Amt für Umwelt- und Naturschutz des Kreises, an.

Der Landesbetrieb begründet seine Entscheidung für die Betonwand so: „Bei der Festlegung der Schutzeinrichtung müssen wir der gesetzlichen Verkehrssicherheitspflicht nachkommen“, sagte Alexia Michels, Projektleitung bei Straßen NRW. Zudem müssten Anforderungen aus dem technischen Regelwerk erfüllt werden. „Bei Autobahnen mit sehr hoher Verkehrsbelegung wie der A 3 sind die technischen Vorgaben häufig nur durch Betonschutzwände realisierbar, was bei der aktuell geplanten Maßnahme an der A 3 letztendlich die Wahl eines Betonschutzsystems vorgibt“, erklärte sie.