Seebrücke-Gruppe im Kreis gegründet: Königswinterer engagiert sich für Flüchtlinge

Seebrücke-Gruppe im Kreis gegründet : Königswinterer engagiert sich für Flüchtlinge

Seebrücke-Gruppe um Bastian Reichardt kämpft gegen die Unmenschlichkeit auf dem Mittelmeer. Städte und Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises sollen sich solidarisch erklären.

Es war die Rede der Kapitänin Pia Klemp, die Bastian Reichardt emotional so berührt hat, dass er sich entschloss, auch eine Seebrücke-Gruppe im Rhein-Sieg-Kreis zu gründen. „Ich fand ihren Vortrag darüber, wie wir im Mittelmeer die Menschen einfach sterben lassen, so schockierend“, erinnert er sich an den Auslöser für sein Engagement. Für ihn persönlich sei es ein Skandal, dass die privaten Seenotretter kriminalisiert würden. Dabei füllten sie nur die Lücke aus, die entstanden sei, weil Europa die Schiffe zur Seenotrettung zurückgezogen habe.

Im März dieses Jahres setzte die EU die europäische Seenotrettung „Sophia“ aus. „Es kann nicht sein, dass wir die Menschen ertrinken lassen“, sagt Reichardt. Immerhin seien im vergangenen Jahr nach einem Bericht des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) mindesten 2275 Menschen im Mittelmeer bei dem Versuch, zu fliehen, ertrunken. Und das seien nur die bekannten Zahlen. „Die Zustände an der Grenze in Libyen sind schrecklich, die Menschen wollen weg und suchen sich einen Weg.“ Da spiele es keine Rolle, ob es Rettungsschiffe gibt, die gegebenenfalls eingreifen oder nicht, glaubt Reichardt.

Die Angst davor, dass sich mit der Seenotrettung die Zahl der Flüchtlinge erhöhen werde, sei seiner Überzeugung nach unbegründet, was auch in Studien nachgewiesen worden sei. „Es stimmt ja auch nicht, dass weniger Häuser brennen würden, wenn es die Feuerwehr nicht gäbe“, so Reichardt. Im Moment sei es nur eine Handvoll Leute, die zum Gründungsteam der Seebrücke im Rhein-Sieg-Kreis zählen. Sie kommen aus dem Umfeld der Flüchtlingshilfe, der Kirchen und der Partei „Die Linke“, in der Reichardt als sachkundiger Bürger im Kreistag aktiv ist.

Das erste Planungstreffen fand in Siegburg statt, wo die Aktivisten jetzt mit Flyern, Bannern, Infoständen und Unterschriftenaktionen mobil machen und auf die unmenschlichen Zustände auf dem Mittelmeer aufmerksam machen wollen.

„Ziel unserer Aktionen ist es, dass sich Städte und Gemeinden mit den flüchtenden Menschen solidarisch erklären und so der Forderung nach sicheren Häfen für die Migranten Nachdruck verleihen“, sagt Reichardt. In Sankt Augustin habe es im vergangenen Jahr einen entsprechenden Antrag der Linken gegeben, der jedoch abgelehnt worden sei. Jetzt wolle man den umgekehrten Weg gehen. „Wir wollen Anfang Oktober dem Kreistag eine Bürgeranregung vorlegen, nach der Landrat Sebastian Schuster an die Bürgermeister der Städte und Gemeinden appellieren soll, dass sie sich bereiterklären, mehr Menschen, als es die Quote vorsieht, bei sich aufzunehmen. „Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Städte und Gemeinden zu sicheren Häfen für die Flüchtlinge werden, damit die Signale gehört werden“, beschreibt der Initiator der Rhein-Sieg-Seebrücke den Hintergrund des Engagements. Wichtig ist ihm, dass jeder, der sich für die geflüchteten Menschen engagieren möchte, mitmachen kann. „Es handelt sich hierbei nicht um eine parteipolitische Veranstaltung“, sagt er. Der erste Infostand auf dem Siegburger Marktplatz ist für Samstag, 3. August, geplant.

Für Reichardt, der mit seiner Lebensgefährtin und den beiden Töchtern in Königswinter lebt, ist es wichtig, zu betonen, dass „Migration der Normalfall menschlicher Existenz ist“. Die Fokussierung auf das Thema „Flucht“ seit 2015 sei seiner Meinung nach nicht hilfreich bei der Lösung der Probleme. Zu den Ängsten der Bürger meint Reichardt, dass es ein Trugschluss sei, dass die Deutschen eine homogene Gesellschaft bilden. „Die Unterschiede, vor denen viele im Zusammenhang mit Migration so große Angst haben, gibt es doch bereits.“ Und das sei auch gut so, ist sich Reichardt sicher.

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