Chronik der Siegburger Abtei: Kloster, Gefängnis und Irrenanstalt

Chronik der Siegburger Abtei : Kloster, Gefängnis und Irrenanstalt

Die meiste Zeit lebten Benediktiner auf dem Michaelsberg. Mit dem Einzug des Katholisch-Sozialen Instituts beginnt ein neues Kapitel.

Mehr als 950 Jahre währt die wechselvolle Geschichte der Abtei, mit der Siegburgs Stadtwerdung eng verwoben ist. Die meiste Zeit lebten Benediktiner auf dem Michaelsberg. Mit dem Einzug des Katholisch-Sozialen Instituts (KSI) beginnt ein neues Kapitel. Eine Chronik:

Um 800 lässt der Graf vom Auelgau auf dem Siegberg seine Burg errichten. 264 Jahre später, 1064, gründet an deren Stelle der Kölner Erzbischof Anno die Benediktinerabtei Sankt Michael – und gibt damit dem Berg seinen Namen. Nach seinem Tod 1075 wird Anno auf seinen Wunsch hin in der Kirche seiner „Lieblingsabtei“ beigesetzt.

1649 brennt die Abtei nieder. In den Folgejahren entsteht ein Barockbau. Seit dieser Zeit präsentiert sich der Michaelsberg weitgehend im heute bekannten Bild. Napoleon ordnet 1803 die Aufhebung des Klosters an. Der Besitz fällt an das Königreich Preußen, die Abtei wird zur Kaserne. 1825 öffnet dort die erste Irrenheilanstalt der Preußischen Rheinprovinz, unter der Leitung von Maximilian Jacobi. 1878 zieht die Anstalt für psychisch Kranke nach Düren um. Die Abtei wird zum Gefängnis. Die Fernster sind vergittert, ein klobiger Anbau und eine Material-Seilbahn entstehen.

Mönche gehen nach 947 Jahren

1914 ziehen die Häftlinge nach Rheinbach – und Benediktiner aus den Niederlanden besiedeln das Kloster erneut. 1941 beschlagnahmen die Nationalsozialisten die Abtei. Sie dient als Lazarett. Am 28. Dezember 1944 wird sie bei einem Bombenangriff fast völlig zerstört. 1945 kehren die Mönche zurück und bauen das Kloster wieder auf. 1953 ist die Einweihung der wieder errichteten Abteikirche. Einen Teil des Gebäudekomplexes nutzt ab 1953 die Bundesfinanzakademie. 1997 eröffnet das Edith-Stein-Exerzitienhaus. Es schließt 2014.

Im Mai 2010 wird die Krise auf dem Berg offenbar, am 8. November 2010 verkünden die Mönche, dass sie Siegburg nach 947 Jahren verlassen – aus wirtschaftlichen und personellen Gründen. Im Juni 2011 nehmen sie in einem Pontifikalamt Abschied. Es folgt die Abwicklung. 2012 gibt das Erzbistum Köln bekannt, dass der Orden der Unbeschuhten Karmeliten und das KSI auf den Berg ziehen. Die Karmeliten kommen 2013, jetzt ist auch das KSI von Bad Honnef nach Siegburg gezogen. Das Erzbistum hat mehr als 40 Millionen Euro in Um- und Ausbau investiert.

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