Kabarettist Christian Ehring mit Soloprogramm: "Keine weiteren Fragen": Christian Ehring in Siegburg

Kabarettist Christian Ehring mit Soloprogramm : "Keine weiteren Fragen": Christian Ehring in Siegburg

In seinem Soloprogramm seziert Christian Ehring, bekannt als Moderator der NDR-Satiresendung „Extra 3“ und aus der Heute Show des ZDF, die Willkommenskultur.

Der Sohn absolviert nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Slum, weil sich das später gut im Lebenslauf macht. Aber mehr auf Drängen des Vaters hin. „Sie müssen sich vorstellen, das sind emotional total verwahrloste Wohlstandskrüppel, die da Tausende von Kilometern entfernt irgendwo in einem Slum sitzen und nix anderes im Kopf haben als irgendwelche Handyfotos hochzuladen.

Und die Waisenkinder sagen übereinstimmend, wenn es gelingt, so einem Jugendlichen ein echtes Lächeln ins Gesicht zu zaubern: Das ist eine Erfahrung, die trägst du in deinem Herzen. Egal was du später machst, ob du Kindersoldat wirst oder was auch immer. Du weißt, du hast einem 18-jährigen Mitteleuropäer bei der Selbstfindung geholfen. Ganz wichtige Erfahrung.“ Das sitzt.

Volltreffer

Christian Ehring, der am Freitagabend im Stadtmuseum mit seinem Programm „Keine weiteren Fragen“ gastierte, hat den ersten Volltreffer gelandet. Der Auslandsaufenthalt des Filius ist der Aufhänger der Geschichte, die folgt. Denn da nun eine Einliegerwohnung, in der der Sohn gehaust hat, für ein Jahr freisteht, kommt seine Ehefrau auf die Idee, einen Flüchtling aufzunehmen. Er hatte aber nicht damit gerechnet, „dass sie sich am nächsten Tag ans Telefon hängt und einen Termin mit der Stadt ausmachte.“

Er habe doch gesagt, es sei eine tolle Idee, so die Ehefrau. „Ja, ich habe gesagt, es ist eine gute Idee, als Idee. Es gibt Ideen, die sind starke Ideen, aber vor allem als Ideen sind sie stark. Es gibt Ideen, die verlieren sogar, wenn man sie dann in die Tat umsetzt“, windet sich Ehemann Ehring. Dem geht das Flüchtlingsproblem durchaus nahe und er sieht auch Handlungsbedarf.

„Es brennt im Flur und wir haben die Wohnzimmertür zugemacht“, stellt er fest. „ Ehrings Bühnen-Ich hält allen den Spiegel vor, die zwar guten Willens sind, aber immer wieder Gründe finden, etwas nicht zu tun und dafür fadenscheinige Argumente aus dem sicheren „Komfortzonen-Randgebiet“ liefern. Wenn man einen Flüchtling aufnehme, sei man auch verantwortlich für ihn, gibt er zu bedenken. Man müsse ihm unsere Leitkultur und die Mülltrennung beibringen.

Der "Traumflüchtling"

Dennoch erklärt er sich bereit, die Gattin ins evangelische Gemeindehaus zu begleiten, wo man mit Flüchtlingen ins Gespräch kommen kann. Wer Angst vor Muslimen habe, solle sich in der Nähe der Mettbrötchen aufhalten, rät Ehring. Er findet tatsächlich seinen „Traumflüchtling“, David aus Eritrea, ein Journalist, der fließend Deutsch spricht und auch noch Ehrings Humor teilt. Der Kabarettist beleuchtet in seinem Monolog die Politik, stellt Fragen zu Moral und Verantwortung, nimmt die Wohlstandsgesellschaft ins Visier, die im Bioladen einkauft, um das Gewissen zu beruhigen, Smoothies mixt, den Yogalehrer macht und sich ansonsten lieber zurückhält.

Ehring holt weder Brechstange noch Keule raus. Mit leisen Tönen setzt er gezielt Nadelstiche, legt den Finger in die Wunden, die alle kennen, enttarnt Scheinheiligkeit und Pseudo-Liberalität. Und regt vor allem zum Nachdenken über das eigene Verhalten an.

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