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Mehr Zeit für G8: "Keine radikale Kurskorrektur"

Mehr Zeit für G8 : "Keine radikale Kurskorrektur"

Acht, neun oder eventuell doch 8,5 Jahre am Gymnasium? Passend zum Schulbeginn diskutieren die Politiker in Nordrhein-Westfalen wieder über das Turbo-Abitur - inklusive Alternativen wie ein G 8,5, das es etwa in Rheinland-Pfalz bereits gibt.

Die Schulleiter im Rechtsrheinischen sind von der erneuten Debatte nicht überzeugt. Ihr Wunsch: Es soll Ruhe einkehren. "Wir haben lange und ausgiebig für G 9 gekämpft und hatten damit keine Chance", sagt Margret Sagorski, Leiterin des Gymnasiums Alleestraße in Siegburg.

"Jetzt haben wir uns mit G 8 arrangiert und haben das Bedürfnis nach Ruhe von diesem Thema." Derzeit werde intensiv daran gearbeitet, den Zehn-Punkte-Plan des Schulministeriums umzusetzen. Er greift seit diesem Schuljahr und soll die Schüler entlasten, etwa durch weniger Hausaufgaben, Klassenarbeiten und Nachmittagsunterricht.

Keine Hilfe wäre für Sagorski ein Kompromiss G 8,5. Denn in Rheinland-Pfalz hätten die Schüler Probleme, direkt nach dem Abitur studieren zu gehen, weil viele Fächer nur zum Wintersemester starten würden. "Wir würden ungern eine radikale Kurskorrektur machen", sagt auch Michael Arndt, Schulleiter des Anno-Gymnasiums Siegburg.

Jetzt noch mal am Rad zu drehen, wäre dem Kollegium schwer zu vermitteln. Stattdessen plädiert er dafür, den vor zehn Jahren begonnenen Prozess weiterzuführen. Viele Weichen seien gestellt. Arndt: "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung des Zehn-Punkte-Plans."

Das Rhein-Sieg-Gymnasium in Sankt Augustin hat die G 8-Schüler ebenfalls bereits entlastet. So wurden die Stundenpläne angepasst und weniger Nachmittagsunterricht geplant. Obwohl der stellvertretende Schulleiter Axel Schmitz G 9 bevorzugen würde, meint er, man solle die aktuellen Änderungen und ihre Wirkung erst einmal beobachten.

Auch das Albert-Einstein-Gymnasium in Sankt Augustin hat intensiv an der Umsetzung der Neuerungen gearbeitet. Die Schulkonferenz sehe diese allerdings kritisch, sagt Schulleiter Christoph Lorenz. Er findet: "Erfolg kann das Konzept G 8 erst dann haben, wenn die Lehrpläne gebündelt werden." Ohne diesen Schritt bringe auch der Kompromiss G 8,5 wenig.

Ähnlich kritisch steht das Gymnasium Hennef den Vorgaben des Schulministeriums gegenüber. Dennoch meint Schulleiter Martin Roth, man solle die Wirkungen abwarten, bevor man an neue Reformen denke. "Wenn die Neuerungen nicht die gewünschte Entlastung bringen, kann man über Nachbesserungen sprechen."

Etwas anders sieht es im Antoniuskolleg in Neunkirchen aus. Dort können die Schüler wählen, ob sie ihr Abitur nach zwölf oder 13 Jahren machen möchten. Denn die Schule nimmt seit 2010 an einem Modellversuch teil: Pro Jahrgang gibt es mindestens zwei G 8- und G 9-Klassen.

"Es war bisher aber immer schwierig, die G 8-Klassen vollzubekommen", sagt Schulleiter Gerhard Müller.

Die Schule habe die Eltern dann erst einmal überzeugen müssen. Für Müller steht fest: Die Schüler sollen auch weiterhin die Wahl haben. "Ich finde G 8 und G 9 gut. Es hängt immer individuell vom Kind ab", so Müller. Deshalb sei G 8,5 auch nicht die Lösung: "Wenn es wieder für alle gilt, dann bin ich nicht so begeistert."