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Coronavirus im Rhein-Sieg-Kreis: Keine Kontrollen durch Hygieneaufsicht im Altenheim Sankt Augustin

Coronavirus im Rhein-Sieg-Kreis : Keine Kontrollen durch Hygieneaufsicht im Altenheim Sankt Augustin

Bei der SPD und den Grünen im Kreistag ist der Erklärungsbedarf zum Umgang der Kreisverwaltung mit der Corona-Krise groß. Unterdessen hat es unter den Bewohnern im CBT-Wohnhaus St. Monika in Sankt Augustin keinen weiteren Infektionsfall mehr gegeben.

30 Fragen zum Krisenmanagement des Rhein-Sieg-Kreises im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat die SPD-Kreistagsfraktion an Landrat Sebastian Schuster gestellt. Diese soll er dem Kreisausschuss, der am 18. Mai tagt, schriftlich beantworten.

„Es gibt viele Unklarheiten. Wir haben in jüngster Zeit mit so vielen Bürgermeistern und Fraktionssprechern aus den 19 Kommunen gesprochen und werden von so vielen Bürgern angesprochen, dass wir jetzt einen O-Ton vom Landrat wollen“, begründete Kreistagsfraktionschef Dietmar Tendler die Initiative.

SPD: Es hat offensichtlich geklemmt

„Da hat es offensichtlich in der Organisation und der Kommunikation geklemmt, und wir wollen da­raus für die Zukunft lernen. Sollte es zu einer zweiten Welle von Infektionen kommen, wäre das lehrreich.“

SPD und Grüne hatten schon zuvor jeweils umfangreiche Fragen zur Pandemieplanung und zur Heimaufsicht des Kreises gestellt. Die SPD fragt da unter anderem, wie der Kreis die besonders hohen Ausbruchs- und Infektionszahlen „in einer Einrichtung“ beurteilt.

Landrat: Altenheime handeln verantwortungsvoll

Der Landrat schreibt, das würde „sehr kritisch bewertet“. Auch nach der Einschätzung der Heimaufsicht auf die präventiven Maßnahmen im CBT-Seniorenheim St. Monika in Sankt Augustin wird gefragt.

„Nach Kenntnisstand der Heimaufsicht gehen die stationären Einrichtungen mit den Regelungen der Verordnungen des Landes im eigenen Interesse in hohem Maße verantwortungsvoll um“, heißt es darauf.

„Leider kann auch bei Einhaltung aller vom Robert Koch-Institut empfohlenen Schutzmaßnahmen aufgrund der Übertragungswege und der langen Inkubationszeit nur das Risiko einer Ausbreitung der Infektion minimiert werden, dies aber nicht vollständig verhindert werden.“

Interne Prozesse werden nicht kontrolliert

Den Grünen antwortet der Landrat, dass „interne Prozesse“ in Altenheimen vom Kreis nicht kontrolliert würden. Die Hygienepläne müssten zwar durch das Gesundheitsamt kontrolliert werden, was aber aufgrund der starken Belastung in der jüngsten Zeit nicht erfolgt sei.

Auf GA-Anfrage, ob es mittlerweile häufigere oder überhaupt Begehungen durch die Hygieneaufsicht des Kreises gegeben habe, antwortet Annette Zang von der Unternehmenskommunikation der CBT – Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft mbH: „Es hat bislang keine Begehung stattgefunden. Die erste ist in Vorbereitung.“

Bisher keine Begehungen in Heimen

Auf Anfrage des GA verweist Kreispressesprecherin Rita Lorenz auf die Anfrage der SPD vom 20. April, in der es ebenfalls heißt, dass wegen der Belastungen „keine Begehungen durchgeführt werden“.

Unterdessen hat die Gruppe aus Linken und FUW/Piraten für die nächste Sitzung des Kreisausschusses beantragt, den „verheerenden Verlauf der Corona-Pandemie in einem Altenzentrum in Sankt Augustin“ auf die Tagesordnung zu setzen.

Neuer Sars-CoV-2-Fall im Personal

In der Augustiner Senioreneinrichtung gibt es Zang zufolge keine neuen mit dem Coronavirus infizierten Bewohner. „In den letzten Tagen gab einen neuen Positiv-Befund auf Sars-CoV-2 im Personal.

Diese Person befindet sich in häuslicher Quarantäne, ebenso zwei Mitarbeiter, die als Kontaktpersonen ersten Grades definiert wurden“, so die CBT-Sprecherin.

„Derzeit sind noch fünf Bewohner positiv getestet, und nur wenige Mitarbeiter befinden sich noch in Quarantäne. 16 Bewohner des Alten- und Pflegeheims sind in Verbindung mit dem Coronavirus verstorben.“

Wie berichtet, war am 1. April die erste Bewohnerin des Altenheims verstorben. Bei insgesamt 48 Pflegebedürftigen und Mietern des Betreuten Wohnens wurde bei zwei Testungen im Haus das neuartige Coronavirus nachgewiesen.

Auch 56 der rund 100 Mitarbeiter wurden positiv getestet oder waren als Kontaktpersonen in Quarantäne. „Alle Bewohner sind zurück und aktuell sind keine Bewohner im Krankenhaus“, so Zang weiter.

Zu den Alten- und Pflegeheimen sowie mobilen Pflegediensten im Kreis hat die SPD eine ganze Reihe von Fragen gestellt, die sich auf Kommunikationswege und die Aufsichtsrolle des Kreises beziehen – so etwa die Frage, „welche haftungsrechtlichen Konsequenzen sich aus der Unterlassung der Kontrollen durch das Kreisgesundheitsamt im bisherigen Verlauf der Pandemie ergeben“?

Auskünfte wollen die Sozialdemokraten auch über Organisationsabläufe innerhalb der Kreisverwaltung und des Krisenstabs sowie die Vorbereitungen zur Öffnung der Berufskollegs und Förderschulen, die unter der Trägerschaft des Kreises stehen.