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Elke Heidenreich bei Siegburger Literaturtagen: In der Kürze liegt die Würze

Elke Heidenreich bei Siegburger Literaturtagen : In der Kürze liegt die Würze

Zu Beginn der Lesung im Siegburger Stadtmuseum durchsuchte Autorin Elke Heidenreich ihre Manuskripte. Nachdem Bürgermeister Franz Huhn in seiner Begrüßungsrede den historischen Tag des Mauerfalls aufgegriffen hatte, wollte die 71-Jährige mit einer passenden Geschichte beginnen. Mit dem Mauerfall vor 25 Jahren verbindet Heidenreich eine ganz eigene Ost-West-Romanze.

Sie schilderte, wie sie mit Anfang 20 einen jungen Mann kennenlernte, der vorgab, aus dem Osten zu sein und sie über den Westen sowie ihre Einstellung zur DDR ausfragte. Sie gingen gemeinsam ins Theater und erst am Grenzübergang erfuhr sie, dass ihre Bekanntschaft im Westen wohnte. Elke Heidenreich schilderte diese und viele andere kleine Geschichten mit einem Schmunzeln in den Zeilen und einem untrüglichen Blick für Details. Unter dem Titel "Einseitige Geschichten - vielseitige Musik" las sie aus den größtenteils unveröffentlichten Texten, die oft nur eine Seite lang waren. Dabei wurde sie von Komponist Marc-Aurel Floros am Flügel begleitet, der die Texte seiner Lebensgefährtin mit der passenden Klavierstimmung - mal aufbrausend und keck, mal melancholisch und nachdenklich - inszenierte.

Die Autorin: Elke Heidenreich wurde 1943 in Korbach in Hessen geboren. Sie studierte Germanistik, Publizistik, Theatergeschichte und Religionswissenschaft. Bekannt wurde sie durch ihre Figur "Else Stratmann", eine Metzgergattin aus Wanne-Eickel, die im Rundfunk aktuelle Themen kommentiert. Seit 1992 feiert Heidenreich Erfolge als Schriftstellerin, unter anderem mit der Erzählsammlung "Kolonien der Liebe" oder dem Kinderbuch "Nero Corleone". Von 2003 bis 2008 führte sie durch die ZDF-Sendung "Lesen!". Zudem schreibt sie Opern-Libretti und Literaturkritiken. Elke Heidenreich lebt in Köln und in der Eifel.

Das meint das Publikum: "Ich kenne Elke Heidenreichs Werke schon sehr lange und auch diese Veranstaltung hat mir wieder sehr gut gefallen", sagte Besucherin Ingrid Stumila, die mit ein paar Freunden aus Hennef zur Lesung gekommen war. Als sie noch in Köln gelebt habe, sei sie Elke Heidenreich mehrmals in Büchereien über den Weg gelaufen, erzählte die 73-jährige Henneferin nach der Lesung.

Das meint der GA: Wegen ihrer starken Erkältung las Elke Heidenreich zum Schluss hauptsächlich ihre Kurzgeschichten, die ihre Stimme nicht so sehr beanspruchten. Für das Publikum war das ein Gewinn, denn gerade in ihren knappen Texten fängt sie die Komik des Alltags und der Begegnungen ein.

Sogar Selbstzweifel und traurige Stimmungen finden sich in einigen niedergeschriebenen Erinnerungen wieder. Elke Heidenreich überlegt, nächstes Jahr aus den "einseitigen Geschichten" ein Buch zu machen. Die Begeisterung der rund 200 Gäste ihrer Lesung im Stadtmuseum sollte sie dazu ermutigen.