Müllentsorgung im Rhein-Sieg-Kreis: Immer mehr Plastik im Biomüll

Müllentsorgung im Rhein-Sieg-Kreis : Immer mehr Plastik im Biomüll

Die RSAG will in den nächsten Wochen vermehrt kontrollieren. Außerdem sollen falsch befüllte Tonnen voll bleiben.

Die Biotonne ist eine praktische Sache. Statt einen heimischen Kompost aufzubauen und zu pflegen, werfen die Menschen im Rhein-Sieg-Kreis ihre Gartenabfälle sowie Gemüse- und Obstreste in jene braune Tonne, deren Inhalt später kompostiert und damit zu wertvollem Grundstoff für die Landwirtschaft und den Gartenbau wird.

Zumindest theoretisch: Wer beim Kompostwerk Rhein-Sieg in Niederpleis zuschaut, wie die Sammelfahrzeuge ihre Fracht abladen, staunt nicht schlecht über die buchstäblich bunte Vielfalt. Egal, wohin man schaut: Bunte Plastiktüten dominieren das Bild. Gerade in den Wintermonaten, in denen nur wenig Gartenabfälle in der braunen Tonne landen, fallen diese „Störstoffe“, wie sie der Fachmann vor Ort nennt, auf.

Flaschen von Reinigungsmitteln, Dosen mit Rasierschaum, Altkleider, Glas und jede Menge Verpackungen scheinen mehr die Regel denn die Ausnahme zu sein. Zum Teil automatisch per Magnetband, später dann auch per Hand wird der gesamte Biomüll sortiert, ehe er zerkleinert und kompostiert wird, um danach noch einmal aufwendig gesiebt und sortiert zu werden. „Das ist in der Tat ein dunkler Schatten über der sonst sehr gut funktionierenden Abfallwirtschaft in der Region“, drückt Joachim Schölzel, Sprecher der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG), diplomatisch aus, was seit zwei Jahren ein handfestes Problem ist: „Es ist einfach nicht zu erklären, aber wir verzeichnen trotz Aufklärung weiter Zuwächse.“

„Plastiktüten haben im Biomüll nichts zu suchen, das ist auch untersagt.“

Insbesondere Plastiktüten, die mitsamt Küchenabfällen entsorgt werden, fielen den Müllwerkern auf, sagt Schölzel. „Und dazu zählen wir auch die vermeintlich kompostierbaren Plastiktüten. Wir weisen seit vielen Jahren intensiv darauf hin, dass diese in unseren Kompostwerken in der kurzen Prozesszeit nicht verrotten können.“ Und er stellt klar: „Plastiktüten haben im Biomüll nichts zu suchen, das ist auch untersagt.“

Im vergangenen Jahr wandte sich die RSAG mit dem Problem erstmals mit einer Kampagne an die Öffentlichkeit: Drei Monate im Frühjahr und zwei Monate im Herbst untersuchten eigene und externe Kräfte die Biomülltonnen in ausgesuchten Abfuhrbezirken in allen Kommunen des Kreisgebietes.

Die Ergebnisse seien ernüchternd gewesen, erinnert sich Schölzel: Nach einer ersten Verwarnung wurden betroffene und weiterhin falsch befüllte Mülltonnen bei der Folgeleerung mit einem markanten Aufkleber versehen und nicht mehr geleert. „Die Haushalte mussten dann nachsortieren oder eine Sonderentsorgung erwerben – eine nachträgliche Abfuhr gab es nicht.“ Viele Nutzer hätten sich kleinlaut gezeigt, manche wären um Ausreden nicht verlegen gewesen, sagt Schölzel, „aber es scheint, dass es noch nicht so gefruchtet hat, wie wir es erhofft haben.“

Falsch befüllte Tonnen bleiben stehen

In den kommenden Wochen werde man wieder kontrollieren und falsch befüllte Tonnen ohne Vorwarnung stehen lassen. Denn die Sortierung des Biomülls von rund 600.000 Einwohnern im Kreis sei unverhältnismäßig aufwendig und teuer. Und: Kleinste Teile lassen sich kaum aus dem Müll fischen. Der entstandene Kompost verliert dadurch an Qualität und Wert, teilweise muss er sogar teuer entsorgt werden. „Wir müssen daher leider Gottes eine härtere Gangart wählen“, kündigt der RSAG-Sprecher an und bestätigt, dass derartige Fehlbefüllungen nicht allein bei der Biotonne zu finden seien: Plastik störe auch den Papiermüll. Insbesondere in Plastikfolien eingeschweißte Wochenend-Werbesendungen würden in der Papiersortierung in Troisdorf im großen Stile auffallen.

Mehr von GA BONN