Bei Feuer- und Wassergefahr: Im Notfall wollen die Archive von Bonn und der Region zusammenarbeiten

Bei Feuer- und Wassergefahr : Im Notfall wollen die Archive von Bonn und der Region zusammenarbeiten

Wollen gewappnet sein, wenn Feuer ausbricht oder ein Wasserschaden eintritt: Die Archive aus dem Rhein-Sieg-Kreis und aus Bonn schließen sich zu Notfallverbund zusammen.

48 Stunden haben Archivare bei einem Wasserschaden Zeit, um durchnässte Bücher und Akten in Folie zu verpacken und einzufrieren, bevor sie schimmeln. „Bloß nicht föhnen oder auf die Heizung legen“, sagt Anna Katharina Fahrenkamp, Restauratorin vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Die wertvollen Stücke müssen professionell vakuumgefriergetrocknet werden.

Weil im Ernstfall schnell sachkundige Hilfe nötig ist, haben sich Bibliotheken und Archive aus dem Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn jetzt zu einem Notfallverbund zusammengeschlossen. Nach einem Brand, wie kürzlich im Bonner Stadthaus, oder einer Überschwemmung helfen sie sich künftig gegenseitig. Außerdem wollen die Mitglieder gemeinsam Notfallpläne aufstellen und für eine sichere Unterbringung ihrer Archivalien werben. Archivierung sei eine gesetzliche Aufgabe, wie Landrat Sebastian Schuster am Freitag bei der Vorstellung des Notfallverbunds im Kreishaus betonte: „Archive sind unser Gedächtnis. Nur wer seine Geschichte kennt, kann daraus lernen.“

Notfallkisten stehen schon bereit

Für die Rettung des Archiv- und Kulturguts brauche es Fachleute, die im Notfall rasch helfen, sagte Thomas Wagner, Kulturdezernent des Rhein-Sieg-Kreises. Kreisarchivarin Claudia Maria Arndt hat während der laufenden Sanierung des Siegburger Kreishauses bereits zwei Wassereinbrüche infolge der Bauarbeiten erlebt. „So etwas kommt sehr viel häufiger vor, als man denkt“, berichtete Gregor Patt aus der Archivberatungsstelle des Landschaftsverbands. Oft liefen Wasserleitungen und Abflussrohre an der Decke der Archive entlang. „Das Risiko wird ganz bewusst in Kauf genommen“, beobachtet Patt.

Für die Helfer im Verbund hat der Landschaftsverband Notfallkisten zusammengestellt, die Einsatzmaterial für zwei Personen enthalten und mit einem Rollwagen schnell zum Auto transportiert werden können. In den Kunststoffboxen sind Schutzausrüstung wie Helme, Overalls, Gummistiefel und Mundschutz, außerdem jede Menge Verpackungsmaterial, Lappen, Schwämme, ein Folienabroller und ein Werkzeugkoffer. „Wir haben das alles relativ einfach gehalten, mit Sachen, die man als Nachschub auch im Baumarkt bekommt“, so die Restauratorin.

Für das kommende Jahr ist eine Übung geplant

Damit die Helfer wissen, wie alles funktioniert, und Hand in Hand arbeiten können, ist für das kommende Jahr eine Übung geplant. „Wir bauen eine Bergungsstrecke zur Erstversorgung von Archivgut auf“, erklärte Fahrenkamp. Kreisarchivarin Arndt legt dafür schon aussortiertes Material zur Seite, das unter Wasser gesetzt werden kann. Die Teilnehmer sollen erleben, wie schwer nasses Papier wird und worauf sie beim Verpacken der verschiedenen Objekte achten müssen. „Nasses Papier fängt an, sich zu wellen, deshalb packen wir es in Folie ein, bevor es eingefroren wird“, so Fahrenkamp. Dafür genügt zunächst eine normale Gefriertruhe. Bei der Gefriertrockung im Vakuum müssen dann professionelle Firmen ran.

Ziel ist, aus den Archivaren im Notfallverbund ein gut ausgebildetes Team zu machen, das im Einsatz weitere Helfer anleiten kann. Zum Verbund gehören neben Kreisarchiv und Bonner Stadtarchiv die Archive von Bad Honnef, Lohmar, Meckenheim, Sankt Augustin und Troisdorf, das Archiv der Bonner Universitäts- und Landesbibliothek, das Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung und die Bibliothek des Landesmuseums Bonn. Weitere Interessierte können sich dem Verbund noch anschließen.

Mehr von GA BONN