Eremitage in Siegburg: Im Kloster Seligenthal findet wieder geistliches Leben statt

Eremitage in Siegburg : Im Kloster Seligenthal findet wieder geistliches Leben statt

Zwei Ordensschwestern gewähren Einblick in das neu gegründete Karmel Sankt Elia im Siegburger Ortsteil Seligenthal. Es ist der erste dieser Ausrichtung in Deutschland.

Noch sind nicht alle Kartons ausgepackt, in der Bibliothek fehlen noch Regale, im Innenhof laufen Vorbereitungen für einen Brunnenbau. Aber, nach vier Monaten im Siegburger Stadtteil Seligenthal haben sich Schwester Antonia und Schwester Maria Magdalena gut in ihrer Eremitage eingelebt. „Es ist ein schöner Ort“, sagt Schwester Antonia. „Wir fühlen uns hier wohl“, ergänzt Schwester Maria Magdalena. Am kommenden Freitag feiern die Ordensfrauen der Eremitinnen Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel in der Klosterkirche Einweihung ihres neu gegründeten Karmels Sankt Elia. Es ist der erste dieser Ausrichtung in Deutschland.

Nach mehr als 200 Jahren ist damit wieder geistliches Leben in das im 13. Jahrhundert errichtete ehemalige Franziskanerkloster eingezogen. Die Gräfin Mechthild von Sayn, Herrin zu Blankenberg, hatte das Kloster einst gestiftet. Trotz eines Brandes 1647 ist die Kirche in ihrer Gestalt bis heute unverändert und gilt als älteste erhaltene Franziskanerkirche nördlich der Alpen. Im Zuge der Säkularisierung wurde das Minoritenkloster 1803 aufgelöst. Seit 1854 ist Sankt Antonius dank einer Stiftung eine Siegburger Pfarrkirche. Wie berichtet, hat das Erzbistum Köln das neben der Kirche gelegene Pfarrhaus im vergangenen Jahr aufwendig sanieren lassen – schon mit dem Ziel, es für die beiden Karmelitinnen herzurichten.

Einzug war bereits an Silvester

„Am Silvesternachmittag sind wir eingezogen“, sagt Schwester Maria Magdalena, die vorher gemeinsam mit Schwester Antonia in einem Karmelitinnenkloster in der Kölner Südstadt gelebt hat. Am Neujahrsmorgen haben beide ihre erste Messe in der Seligenthaler Klosterkirche gefeiert. Dort treffen die Eremitinnen seither jeden Tag zusammen, gestalten Messen, singen Choräle, feiern die Eucharistie – und freuen sich über jeden, der ihnen Gesellschaft leistet. Es ist der Moment des Tages, an dem jede ihre eigene Eremitage in der ersten Etage des Karmels verlässt und sie zusammenkommen.

„In der Woche gestaltet jede für sich allein den Tag“, erklärt Schwester Antonia das Leben im Seligenthaler Karmel. Das verlassen die Ordensfrauen nur, um ihren Berufen nachzugehen. Die 46-Jährige arbeitet in Köln am kirchlichen Ehegericht und als Dozentin für Spiritualität am Diakoneninstitut. Ihre 56 Jahre alte Mitschwester ist Seelsorgerin im Troisdorfer Sankt-Josef-Hospital. „Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir selbst für unseren Lebensunterhalt sorgen“, sagt Schwester Antonia. Sie gewährt Einblick in ihre Räume im Karmel. Jede Schwester hat ein eigenes Arbeitszimmer, Oratorium, Schlafraum und eine kleine Küche, in der sie unter der Woche alleine isst.

Geistlichen Austausch bei Spaziergängen

„Der Sonntag ist unsere Gemeinschaftstag“, sagt Schwester Maria Magdalena, die früher Geigenlehrerin war und 1994 in den Orden eingetreten ist. Dann gebe es einen geistlichen Austausch in den Gemeinschaftsräumen oder bei Spaziergängen. Aber auch unter der Woche gebe es Gespräche. Etwa über die Gestaltung der abendlichen Messen. Die Karmelitinnen singen dabei Choräle, deren deutsche Übersetzungen sie in der Kirche auslegen. „Der Kirchenraum ist für diese Musik geschaffen“, schwärmt Schwester Antonia, die 1998 in den Orden eingetreten ist. Die Kirche sehen beide als Ort, an den Menschen mit ihren Anliegen kommen und über die Liturgie zur Ruhe kommen können.

Im Erdgeschoss ihrer Eremitage ist auch Raum für Gäste, die die Stille des Tals und des Karmels erleben möchten. Die ersten haben den schon genutzt. Dauerhaft hoffen Schwester Antonia und Schwester Maria Magdalena auch auf Schwestern, die in ihrem Karmel leben möchten. Dafür ist vorgesorgt: Das Dachgeschoss bietet Platz für drei weitere Eremitinnen.

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