ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn: Fahrplanwechsel Köln-Frankfurt sorgt für Ärger

ICE-Fahrplanwechsel 2020 : Ärger um ICE-Fahrplanwechsel im Rhein-Sieg-Kreis

Die Deutsche Bahn bietet zum Fahrplanwechsel mehr Stopps am Bahnhof Siegburg/Bonn an. Morgens aber fallen für Pendler wichtige Züge weg. Politiker sprechen daher von einer Verschlechterung.

"Mehr Züge im Fahrplan 2020" wirbt die Deutsche Bahn (DB). Auf der Grafik der Deutschlandkarte sind etliche bunte Linien gezogen, die zeigen, wo überall die Fernstrecken der DB verstärkt werden. Siegburg/Bonn ist nicht darauf. Zwischen Köln und Frankfurt gähnt der Weißraum. Zwischen Köln und Hamburg wird das Angebot indes beim Fahrplanwechsel ab dem 15. Dezember um zehn Prozent erhöht, teilte die Bahn mit.

Insgesamt werde sich das Angebot ab Siegburg sogar leicht verbessern, meint eine Bahnsprecherin auf Anfrage. In ihrem Newsletter jubelt die Kreisstadt Siegburg denn auch über "mehr Verbindungen nach Frankfurt Hauptbahnhof und Nürnberg, dafür weniger Stopps in Mannheim und Stuttgart. Insgesamt erhöht sich die Anzahl täglicher Abfahrten leicht."

Für Pendler eher ärgerlich: Der ICE 511, der bislang täglich ab 6.09 Uhr über Stuttgart nach München fährt, wird ab 15. Dezember komplett gestrichen. "Am Dienstagmorgen standen 120 Fahrgäste auf dem Bahnsteig in Siegburg, um diese Verbindung zu nutzen - und das in den Ferien", schimpft ein Bonner, der täglich zwischen Bonn und Mannheim pendelt. Die müssten alle in Zukunft eine Bahn früher nehmen. Und die Direktverbindungen nach Mannheim, Drehkreuz für alle Verbindungen Richtung Stuttgart und München, seien auch abgeschafft worden. Jetzt müsse man umständlich in Frankfurt umsteigen.

Nach Fahrplanwechsel: Politiker sehen spürbare Angebotsverschlechterung

Wegfallen werden außerdem morgens die ICE-Züge ab 10.08 Uhr in Richtung Süden sowie nach Norden um 7.47 Uhr und 9.21 Uhr. "Für den ICE-Halt Siegburg/Bonn bleibt der Angebotsumfang mit rund 60 ICE-Halten an Werktagen auf gleichem Niveau wie bisher. Bei mehreren Fahrten verändern sich die Abfahrtszeiten und zum Teil auch die Fahrtrouten. So halten in Siegburg/Bonn künftig mehr ICE-Züge beispielsweise von Brüssel, Frankfurt Hauptbahnhof und Nürnberg statt von Mannheim und Stuttgart", so die DB-Sprecherin aus Düsseldorf.

Aus Sicht der CDU-Bundestagsabgeordneten Elisabeth Winkelmeier-Becker aus Siegburg und des Landtagsabgeordneten Oliver Krauss aus Alfter (beide CDU) handelt es sich "in der Realität um eine spürbare Angebotsverschlechterung". Seit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Köln-Frankfurt im Jahr 2002 gibt es ein stündliches Grundangebot Köln-Siegburg-Frankfurt/Flughafen-Mannheim mit jeweils zweistündlicher Verlängerung nach Basel, München beziehungsweise in der Gegenrichtung nach Dortmund.

"Mit dem neuen Fahrplan wird diese seit Jahren bewährte und bei den Fahrgästen stark nachgefragte Verbindung von einem Stunden- auf einen Zweistunden-Takt halbiert", so Krauß, der auch Mitglied des Verkehrsausschusses des NRW-Landtags ist.

Verbindungen zum Frankfurter Flughafen können Wegfall nicht kompensieren

Richtig sei zwar, dass zu dem Angebot weitere Verbindungen nach Frankfurt Flughafen kämen, doch könnten diese die wegfallenden Verknüpfungen und Direktverbindungen nicht kompensieren. "Es kommt nicht auf die Menge der Züge an, sondern auf das Angebot. Schon heute fahren die Züge - vor allem in Richtung Frankfurt - an ihrer Kapazitätsgrenze", schimpft Winkelmeier-Becker. Hinzu seien Zugverspätungen oder -ausfälle an der Tagesordnung, was die Lage verschärfe. "Gerade auf der wichtigen Strecke Richtung Frankfurt brauchen wir zusätzliche Wagen und mehr Investitionen in die Schiene sowie ein größeres Angebot an Verbindungen. Damit leisten wir auch einen Beitrag zu mehr klimafreundlicher Mobilität", so die Abgeordnete.

Ingo Steiner, Vorsitzender der Grünen Kreistagsfraktion und des Planungsausschusses des Kreistags, ist sauer: Werner Lübberink, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Nordrhein-Westfalen, habe in der gemeinsamen Sitzung der Planungsausschüsse versprochen, dass der Status quo am Haltepunkt Siegburg verbessert werden solle - und dann käme eher eine Verschlechterung.

Dass die Deutsche Bahn ihr Angebot am Haltepunkt Siegburg/Bonn nicht deutlich verbessert, bemängeln auch die Bonner CDU-Landtagsabgeordneten Guido Déus und Christos Katzidis. "Gesellschaft und Politik diskutieren über die Zukunft der Mobilität, was die Bahn aber hier anbietet, ist wenig zukunftsfähig", so die beiden in einer gemeinsamen Erklärung.

Bahnhof Siegburg/Bonn ist „ein wichtiger Standortfaktor“

Gerade für Bonn als Bundesstadt und Sitz der Vereinten Nationen und für den Rhein-Sieg-Kreis sei eine schnelle Verbindung nach Brüssel, Frankfurt und Berlin unverzichtbar, sagen die Politiker. Der Bahnhof Siegburg/Bonn und die dortigen Verbindungen für den Fernverkehr seien "ein wichtiger Standortfaktor für die zukünftige Entwicklung in unserer stark wachsenden Metropolregion".

Immerhin: Einen Lichtblick gibt es aus Sicht von Oliver Krauß für die Fahrgäste auf der Strecke Köln-Frankfurt: Die DB hat nämlich angekündigt, kurzfristig neue Züge anzuschaffen, die 300 km/h fahren können. Denn ein Hauptgrund für die aktuellen Verschlechterungen ist der Einsatz der deutlich langsameren Züge vom Typ ICE 4. Politiker hatten daher parteiübergreifend gefordert, auf der Verbindung zwischen Köln und Frankfurt wieder die Fahrzeuge einzusetzen, die für solch eine Schnellfahrstrecke konzipiert und gebaut wurden: den ICE 3.

Der Bahnhof Bonn/Siegburg ist ein wichtiger Haltepunkt für Pendler aus der Region. Hat der bevorstehende Fahrplanwechsel für Sie positive oder negative Folgen? Dann schreiben Sie eine E-Mail an siegburg@ga-bonn.de.